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Ich kann es jedem empfehlen

Tabea, Neuseeland, 2013/14,

Als ich Ende Januar in meinem Gastland angekommen bin, hatte ich das Gefühl, als wäre ich einfach nur in den Urlaub geflogen und verbringe ein paar Wochen in Neuseeland. Meine ersten Eindrücke waren einmalig. Ich bin von Auckland zu meinem Reiseziel in einem kleinen Flugzeug geflogen, in dem nur eine Reihe an Sitzplätzen auf jeder Fensterseite vorhanden war. Die Landschaft war atemberaubend. Meine Eindrücke nach den ersten Monaten haben sich nicht geändert, da ich nach wie vor Neuseelands Landschaft als eine der einzigartigsten, die ich je gesehen habe, bezeichnen würde.

Meine Schule

Ich hatte, ehrlich gesagt, nicht viel Zeit, mich einzugewöhnen oder alles anzuschauen, da ich gleich mit dem Schulalltag begonnen habe. Es ist jedes Mal schwer, irgendwo ‘die‘ Neue zu sein. Alles war anders. Ich musste feststellen, dass die Schule in Neuseeland ganz anders von statten geht, als bei uns in Deutschland – zum Beispiel haben die Neuseeländer verschiedene Häuser, in denen die Schüler untergebracht sind. Diese Häuser treten in verschiedenen Wettkämpfen gegeneinander an, um Punkte für deren Haus zu sammeln. Man kann es sich so wie in „Harry Potter“ auf Hogwarts vorstellen. Ich habe mich bisher an fast allen Wettkämpfen beteiligt und für das Grüne Haus gekämpft.

Mein Alltag ist nach den ersten Monaten zur Normalität geworden. Ein typischer Mittwoch sieht für mich so aus:

5:50 – aufstehen und fertigmachen für mein Basketballtraining

6-7:30 – Basketballtraining

7:35-8:30 – Frühstück, duschen gehen, Schuluniform anziehen, zur Schule laufen (ca.10 min)

8:45-15:10 – Schule

15:25-18:00 – Freizeit (Freunde treffen, Hausaufgaben machen, etc.)

zwischen 18:00 und 19:00 – Abendbrot essen

21:45 – Bettzeit

Meine Gastfamilie

Während meiner ersten Monate habe ich mich am meisten verändert. Ich habe in meiner ersten Gastfamilie gesehen, was für ein Glück ich mit meiner eigenen Familie habe, die liebevoll miteinander umgeht und wo es harmonisch zugeht. In meiner ersten Gastfamilie war das nicht der Fall und am Ende hat es einfach nicht sein sollen, sodass ich die Familie wechseln musste. In der Zeit, in der ich mit ihnen gelebt habe, habe ich mich sehr umstellen müssen. Am Schwierigsten war es für mich, jeden Abend ein warmes Abendbrot zu bekommen, welches meistens aus Fast Food bestand. Meine jetzige Gastfamilie isst auch ein warmes Abendessen, jedoch richten sie sich ein wenig nach mir, sodass wir in der Lage sind, Kompromisse einzugehen.

Ich musste mir selber eingestehen, dass ich mich verändert habe. Ich war nicht unglücklich, so wie ich war, jedoch habe ich einige Eigenschaften dazu gewonnen. Ich bin so selbstsicher wie noch nie und ich weiß, wenn ich nach Hause komme, werde ich meiner Mama unter die Arme greifen, wo ich nur kann, um ihren Alltag zu vereinfachen.

Ich habe hier in Neuseeland festgestellt, dass manche Menschen es nicht gewohnt sind, nach ihrem Tag gefragt zu werden oder einfach etwas zu erzählen. Neuseeländer verbringen die meiste freie Zeit damit, fern zu gucken. Dabei wird nicht viel geredet oder von der Arbeit/dem Alltag erzählt. Ich habe angefangen, das in meiner Familie einzuführen, indem ich einfach von meinem Tag erzähle und was alles so Spannendes passiert ist.

Meine Schule hier ist super. Ich genieße es total, nur 5 Fächer zu haben, auf die ich mich konzentrieren muss. Ich habe hier die Möglichkeit, viele neue Fächer auszuprobieren, zu denen ich in Deutschland nicht in der Lage bin. Ich habe mich gut eingelebt in der Schule und verstehe mich mit den meisten aus meinem Jahrgang wirklich gut, weiß aber auch, wer mich als Mensch schätzt und wer nicht. Das Schuljahr geht hier dem Ende zu und vor mir liegen nur noch die Abschlussprüfungen, welche ich gerne mitmache, auch wenn sie in Deutschland nicht anerkannt werden.

Schwierigkeiten hatte ich bisher wenige. Es war schwierig, die Gastfamilie zu wechseln und enttäuschte Gesichter zu sehen. Außerdem war es etwas schwierig, am Anfang etwas zu unternehmen, da alle Jugendlichen hier Auto fahren können und sich somit mal eben treffen können. Dies war für mich nicht möglich, da ich mich an meine AFS-Regeln halten muss. Allerdings war ich in der Lage, als Beifahrerin mitzufahren, nachdem ich Kontakte geknüpft hatte.

Freizeit

Viele Jugendliche machen unter der Woche nicht viel mit anderen nach der Schule, da sie entweder auf einer Farm wohnen oder einfach, weil alle Shops gegen 16 Uhr schließen. Das ist der Grund, weshalb Jugendliche an Wochenenden Vieles unternehmen. Beliebt sind Orte wie das Schwimmbad oder die Eisdiele in meinem kleinen Ort. Viele gehen in der nächstgrößeren Stadt shoppen und bleiben den Tag dort.

Wie auch in Deutschland ist Sport sehr wichtig für die Hälfte der Jugendlichen und viele sind Teil einer der Schulmannschaften oder Mitglied in lokalen Vereinen. Ich spiele Volleyball für die Auswahl meiner Region Taranaki sowie Basketball für meine Schule. Es ist ein guter Ausgleich zur Schule, wenn man sich nachmittags bewegen kann und sich zu einem Team dazuzählen kann. Mit meiner Basketballmannschaft habe ich mich für die regionalen und dann für die landesweiten Meisterschaften qualifiziert. Im Hallen- und Beachvolleyball habe ich an vielen Wettkämpfen teilgenommen und einige davon gewonnen.

Jederzeit wieder

Bevor man sich auf eine Reise ins Ausland begibt, sei es halbjährig oder ganzjährig, sollte man sich gut informiert haben und sich die Frage stellen, ob man bereit dafür ist. Man wächst mit jedem Tag und wird stärker (psychisch) mit jeder Herausforderung, der man sich stellt. Ich bereue keinen einzelnen Tag meines Aufenthaltes und denke, dass ich es bis zum Schluss genießen werde. Ich kann jedem empfehlen, sich auf eine solche Reise zu begeben und würde es jeder Zeit wieder machen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Die Welt bietet so viel Schönes und Einzigartiges, welches es wert ist, gesehen zu werden.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal meinen herzlichsten Dank an meinen Stipendiengeber der Deutschen Bank aussprechen. Ohne Sie wäre ich nicht in der Lage gewesen, diese Erinnerungen in mir zu tragen und Neuseeland erlebt zu haben.