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Aehoe - ein echter "Panamalaut"...

Sarah, Panama, 2006/07,

Aehoe - ein echter "Panamalaut"...

Endlich. Ich hatte schon ewig auf den 4. August gewartet. Deutschland lag schon hinter mir und ich kam Panama immer näher. Nach einer ewig langen Reise kamen wir endlich in Panama an. Das erste, was uns beim Verlassen des Flughafens in der Hauptstadt entgegen kam, war die feuchte Hitze.

Nach eineinhalb Tagen Orientierung in einem Hotel in Panama fuhren wir endlich zu unseren Gastfamilien. Auf der Fahrt konnte ich Panama zum ersten Mal so richtig bestaunen: viele Palmen und Bananenbäume. Im Landesinneren überall Hühner und Hunde. Auch in dem kleinen Dorf Calobre in der Zentralprovinz Veraguas, in dem ich zusammen mit zwei anderen Austauschschuelerinnen leben sollte. Wir wurden von ungefähr dem halben Dorf begrüßt. Besonders in den kleineren Gemeinden Panamas wird die Kultur mit viel Leidenschaft gelebt. Überall hört man "Tipico" und Leute antworten statt mit "si" mit dem "Saloma" (klingt ungefähr wie aehoe), ein absoluter Panamalaut.

Ganz anders als Deutschland

Mich an alles Neue zu gewöhnen war schwieriger, als ich mir vorgestellt hatte. Panama ist völlig anders als Deutschland. Fast nichts ähnelt dem, was ich von zu Hause gewohnt war. Schon die Häuser sind ganz anders als in Deutschland. Fast alle Häuser bestehen nur aus Erdgeschoss, und die meisten haben ein Dach aus Wellblech. Einige haben keine "richtigen" Fenster. Das Essen ist auch ziemlich gewöhnungsbedürftig. Total viel Reis, Bohnen und Hühnchen und nur ganz wenig frische Früchte und Gemüse, wenn man nicht gerade Bäume im Garten hat.

Abwechslungsreiche Bevölkerung und viele tropische Tiere

Und es gibt natürlich eine Menge tropischer Tiere. Auf dem Land kommen außer den Geckos sogar kleine Iguanas (eine Echsen Art) ins Haus. Abends kommt es manchmal vor, dass sich einer der handgroßen Nachtfalter ins Wohnzimmer verirrt, und man kann etwas entfernter von den Dörfern sogar Papageien und in den Bergern Affen sehen. Allerdings besteht die Natur in Panama nicht nur aus Dschungel. Zwar gibt es in Chiriqui, Darien und Bocas del Toro Dschungel, aber die Zentralprovinzen Panamas bestehen trotz täglicher Regenfälle im ,,Winter" hauptsächlich aus Savanne. An den Stränden und auf den Inseln Panamas kommt man sich so vor, als wäre man in eine Karibik-Postkarte eingetaucht. Die Bevölkerung ist auch abwechslungsreich. Neben den ,,Panameños" (Nachkommen von Spaniern und Indianern), leben hier Indigenos verschiedener Klassen, Chinesen, Araber und einige Abenteurer aus Europa und Nordamerika, die irgendwie in Panama "hängen geblieben" sind.

Verschiedene Einflüsse

Auf den ersten Blick sieht man die große Armut, die teilweise in Panama herrscht. Aber wenn man die Menschen erst einmal richtig kennen gelernt hat, merkt man, dass arm zu sein nicht bedeutet, dass man unglücklich ist. Im Gegenteil. Die Menschen in Panama kommen mir fröhlicher als in Deutschland vor. Hier wird darüber gescherzt, dass man arm ist und die Leute kommen ohne zu nörgeln mit dem aus, was sie haben. Allerdings ist Panama auch ein modernes Land. Vor allem die ,,Gringos" haben viele Sachen aus den USA mitgebracht. Besonders in der Hauptstadt, Chiriqui und Bocas del Toro kann man die Einflüsse deutlich spueren. Für Panama typisch sind außerdem die "Chinos" (von eingewanderten Chinesen geführte Geschäfte), die man an jeder Straßenecke finden kann.

Gastfamilie

Die panamesische Lebenseinstellung und der Humor sind komplett anders als in Europa. Da ist man schon mal froh, dass es noch andere Austauschschueler gibt. Auf einmal fühlt man sich ganz verbunden zu Nordameikanern, einfach weil man gerade in der selben Situation ist und sich auf Englisch doch noch besser verständigen kann als auf Spanisch. Wir haben uns gegenseitig durch den Kulturschock geholfen. Man schließt als Austauschschueler automatisch internationale Freundschaften. Mit den Gastfamilien schien ich am Anfang nicht viel Glück zu haben. Nach knapp fünf Monaten war ich in meiner dritten Familie. Seitdem lebe ich in Aguadulce, einer Stadt in Cocle. Aber zum Glück bin ich mit meinen Familien in Calobre nicht im Streit auseinander gegangen. Ich besuche sie immer noch so oft ich kann. Meine dritte Familie ist ein Glückstreffer. Ich fühle mich hier inzwischen als richtige Tochter.

Weihnachten bei 30 Grad

Meine neue Schule ist auch etwas strenger als die letzte in Santiago. Aber ich trage die selbe, für oeffentlliche Schulen typische Uniform: einen dunkelblauen Rock, ein weißes Hemd und schwarze Schuhe. Hier gibt es drei verschiedene Fachrichtungen: ciencias, letras und comercio. Ich habe mich in ciencias eingewählt. Es werden jede Woche eine Menge "ejercicios" geschrieben. Am Tag bis zu drei Stück und es gibt bei acht Schulstunden á 38 Minuten nur eine Pause von 10 Minuten. In den drei Monate langen Sommerferien waren zwei der wichtigsten Feste in Panama: Weihnachten und Karneval. Weihnachten war etwas enttäuschend. So richtig Stimmung kommt bei 30 Grad trotz Plastiktanne nicht auf. :-) Meine Familie hat auch kein besonderes gemeinsames Essen veranstaltet. Am Abend gab es eine große Party. Alle Jugendlichen sind in die Disko gegangen. Und wie bei jedem festlichen Anlass, gab es Feuerwerk. Die Neujahrsfeiuer war dem Silvester in Deutschland ähnlich: Feuerwerk und Disko.

Karneval

Karneval dagegen war etwas ganz besonderes. Vier Tage durchgehend Party! Tagsüber Collecos (Straßenparty, bei der man mit Wasser bespritzt wird) und Nachts Disko (Open Air). Während dieser vier Tage fahren Leute aus der Hauptstadt ins "Interior" (Binnenland) um dort zu feiern. Die Busse sind also ziemlich überfuellt... Semana Santa, die Osterwoche ist noch ein wichtiges Fest in Panama. An Karfreitag wird von den Kirchen das Drama von Jesus Tod aufgeführt. Ausserdem werden Wagen mit den Heiligen auf einer Prozession durch die Strassen geschoben. Ich bereue es nicht, ein Austauschjahr gemacht zu haben, auch wenn es echt harte Zeiten gab. Aber das ist ein wichtiger Teil der Erfahrung und am Ende kann man stolz auf sich sein, dass man es geschafft hat. Meine Zeit hier ist schon fast vorbei,aber ich bin mir sicher nächstes Jahr wieder zu kommen, um meine Familien hier auf der anderen Seite der Welt zu besuchen.