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Un año en Panamá

Eva, Panama, 2012/13, IJFD

Un año en Panamá

Ankunft in Panama

Eine Stadt in Panama, wo die Freiwillige Eva ein Jahr verbrachte

Als ich im August 2012 in Panama-Stadt ankam, trafen mich zwei Dinge wie ein Schlag. Das Erste war eine Wand aus feuchter Hitze, als ich aus dem Flughafen trat. (An die sollte ich mich aber bald gewöhnen). Das Zweite war die Mitteilung des Leiters von AFS Panama, dass es für mich noch keine Gastfamilie gäbe. In Deutschland hatte ich mich bereits so auf meine Welcome- Familie gefreut, auf google maps schon geschaut, wo mein neues Zuhause auf Zeit sein sollte – und dann das.

Daraufhin wurde mir dann berichtet, dass ich zusammen mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland stattdessen bei einer Freiwilligen von AFS (Vicky, 21, aus Venezuela) wohnen sollte. So lernte ich also neben der Panamaischen Kultur auch die Venezolanische kennen und machte ganz andere Erfahrungen als meine Mitfreiwilligen in Gastfamilien.

Aber natürlich lief nicht alles schief! Das Meiste lief sogar sehr gut und es hatte natürlich auch einige Vorteile, mit zeitweise Gleichaltrigen zusammen zu wohnen, nur bekam ich so zu Beginn weniger von Land und Leuten mit. Aber dafür hatte ich ja auch meinen Sprachkurs an der Universidad de Panamá und die anderen, hauptsächlich Studenten, in meinem Projekt „TECHO Panama“.

Mein Arbeitsplatz

Eva und ihre Kollegen im TECHO-Projekt,an dem sie mit AFS in Panama mitgewirkt hat

Als ich das erste Mal in das Büro von TECHO kam, verstand ich nur Bahnhof. Spanisch konnte ich, bevor ich nach Panama gekommen war, nämlich sehr wenig. Dementsprechend dauerte es auch eine Weile, bis ich mich im Projekt eingefunden hatte. Dann bekam ich jedoch bald auch eine relativ wichtige Aufgabe. Diese beinhaltete, die Fragebögen, welche mit den Familien gemacht werden, für die später die Notunterkünfte gebaut werden bzw. mit denen die Gemeindearbeit in ihrer Gemeinde begonnen werden soll, in ein Computersystem einzugeben. Dies half mir auch gleich, besser Spanisch zu lernen. Sobald ich mich besser in der Organisation TECHO integrieren konnte, begann ich die Arbeit dort zu lieben.

Ich kam so gut wie immer von morgens früh bis nachmittags bzw. abends in die Arbeit. Am Wochenende war bei TECHO jedoch immer eine „actividad“. Wenn keine Konstruktion war, so musste diese eben in der Gemeinde vor- oder nachbereitet werden. Dabei half ich zum Bespiel bei den „descargas“, also dabei, die verschiedenen Bestandteile des Hauses zu schleppen, Interviews mit den Familien durchzuführen, mit ihnen den Vertrag für den späteren Hausbau durchzugehen und abzuschließen.

IJFD-Freiwilligendienst in Panama mit AFS: Eva aus Deutschland arbeitet an einem sozialen Projekt

Das Anstrengendste waren hierbei mit Abstand die „descargas“. Häufig regnete es in Strömen, man musste sehr schwer schleppen - Holz oder gar Wellblech- und das Material steile Abhänge hoch oder herunter tragen. Die jeweiligen Familien haben häufig, wenn sie konnten, sehr tatkräftig mitgeholfen. Das fand ich schön, denn es geht ja nicht darum, dass wir, TECHO, ihnen ein Haus bauen, sondern, dass man gemeinsam ein Haus baut und sich dabei besser kennen lernt. Oftmals konnte aber nicht jedes Familienmitglied helfen. Jemand musste auf die Kinder aufpassen, jemand musste Geld verdienen oder war krank.

Das erste mal in einer Gemeinde

Das erste Mal, als ich in eine Gemeinde oder „comunidad“ mitgenommen wurde, war ich sehr schockiert. Klar, hatte man schonmal davon gehört oder gelesen, wie es dort aussieht. Aber noch nie hatte ich dies mit eigenen Augen gesehen, noch nie mit Familien dort geredet, war noch nie von ihnen angelächelt worden. Natürlich wurde ich dort erst einmal überhaupt nicht ernst genommen. Eine „gringa“, ein weißes schmales Mädchen mit „blonden“ (in Deutschland kannte ich meine Haarfarbe bisher nur als braun) Haaren, will mit uns hier grobes Holz schleppen? Das habe ich aber einfach ignoriert und so gut ich konnte mit angepackt. Da haben die Leute ganz schön gestaunt, als ich tatkräftig mit angepackt habe und mich dabei schmutzig gemacht habe.

So war ich nie ein einzelnes weißes Mädchen, was in einer armen und gefährlichen Gegend herum rennt, sondern ein Teil der Organisation TECHO, die brüderlich und schwesterlich mit den Bewohnern der „comunidad“ für eine Verbesserung von deren Lebensqualität kämpft. Und auch wenn ich vielleicht nicht viel leisten konnte, so habe ich doch zumindest etwas dazu beigetragen, wie die Leute dort eine „weiße reiche Frau“ sehen. Niemals hätten sie vorher gedacht, dass sich „so eine“ komplett durchnässt und voll mit Schlamm oben auf das Dach ihres halb fertigen Hauses setzen würde und dort bei Regen oder praller Sonne die Nägel für ihr Haus durch das Blech schlagen würde.

Todos somos iguales

Niemals hätten sie gedacht, dass „so eine“ sie wie einen Kumpel begrüßt und ihre Beziehungsprobleme bespricht. Und damit will ich nicht falsch verstanden werden. Für das, was ich bei TECHO erreicht habe, möchte ich keineswegs Lorbeeren erhalten. Denn, wenn ich eins durch meine Arbeit bei TECHO gelernt habe, dann, dass wir alle GLEICH sind- „Todos somos iguales“. Wir sind alle gleich, wir sind alle nur Menschen. Und es ist eine Selbstverständlichkeit, diesen Menschen zu helfen, keine heroische Tat, sondern eine Unterstützung, ihrem Recht auf würdige Lebensverhältnisse näher zu kommen; ihnen etwas zu geben, was ihnen eigentlich selbstverständlich zu stehen sollte, weil jeder Mensch meiner Ansicht nach ein Recht auf Geborgenheit, Sicherheit und Träume hat.

Ich persönlich habe die Menschen in den „comunidades“ als wundervolle, starke Persönlichkeiten kennen gelernt, als Leute wie du und ich, die es manchmal viel schwerer im Alltag haben, aber dennoch die gleichen Träume haben, genauso gerne Fußball spielen oder kochen und auch genauso gerne in einem trockenen Bett schlafen. So hatte ich das Glück, durch meine Arbeit bei TECHO relativ viel über die Arbeitsweise einer entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisation lernen zu dürfen.

Aprendizaje

Aber nicht nur von meinen Kollegen und der Arbeit bei TECHO konnte ich viel lernen, sondern auch von meinen panamaischen Freunden, ihren Familien und auch von anderen Austauschschülern. So hatte ich mit Austauschschülern aus den unterschiedlichsten Ländern zu tun, und es war immer wieder interessant zu sehen, wie sie mit Problemen umgehen, mit der Zeiteinteilung, mit Stress und mit Freizeit, mit Geld und ihren Mitmenschen.

Ein weiter Horizont

Ein Sonnenuntergang in Panama, den Eva dank ihres IJFD Freiwilligendienstes mit AFS erlebt hat

Nachdem ich nun zurück in Deutschland bin, sind mir manche Dinge besonders ins Auge gesprungen. Zum Beispiel, dass die Panamaer viel häufiger lächeln als Deutsche, dass man sich dort nie alleine oder ausgeschlossen fühlt - man wird viel schneller in eine Gruppe aufgenommen, allgemein herzlicher behandelt und begrüßt. In Deutschland diskutiert und redet man unglaublich viel, während man in Panama bzw. Lateinamerika mit Freunden viel eher einmal anstatt zu reden einfach nur einen schönen Moment genießt, zusammen tanzt und singt, ohne alles zu hinterfragen, kommentieren und zu bewerten.

Ich habe vieles an Panama zu schätzen gelernt, aber auch sehr vieles an Deutschland zu schätzen gelernt. Es ist eben in Panama vieles „viel schöner und größer“, und es riecht auch manchmal nach Bananen wie es bei Janosch so schön heißt. Aber vieles finde ich an Deutschland sogar noch schöner und das hätte ich vielleicht gar nicht erkannt, wenn ich nicht in Panama gewesen wäre.

Und so bin ich nun zurück mit einem Rucksack voller neuer Erfahrungen und Erlebnisse, mit der Sonne im Herzen und einem zweiten Zuhause am anderen Ende der Welt, welches ich sehr vermissen werde, aber von dem ich weiß, dass ich jederzeit wieder dorthin zurück kehren kann.