Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Paraguay - Felix hat im nationalen Forstinstitut mitgearbeitet
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Felix hat im nationalen Forstinstitut mitgearbeitet

Felix, Paraguay, 2018, weltwärts

Felix hat seinen Freiwilligendienst in Paraguay mit AFS und dem weltwärts-Programm gemacht. Er hat ein Aufforstungsprojekt unterstützt. Über seine Eindrücke und Erlebnisse berichtet er hier.

Am 1.8.2018 ging meine Reise nach Paraguay los. Ich habe viele Eindrücke gesammelt und mit diesem kurzen Bericht versuche ich einen kleinen Teil dieser vielen Momente an euch weiterzugeben.

Paraguay - das Land, die Leute

AFS-Freiwilliger Felix in Paraguay
Unterwegs in Paraguay

Oft wurde und werde ich, nicht nur in Paraguay, sondern auch in Deutschland, gefragt: „Wieso nach Paraguay?“. Zum Einen war für mich klar, dass ich nach Südamerika möchte. Die verschiedenen Kulturen und auch Spanisch haben mich schon immer interessiert, aber wieso Paraguay? Ich bekam von AFS die Möglichkeit 5 Länder auszusuchen, aus denen dann für mich Paraguay ausgewählt wurde. Das heißt, eigentlich habe ich Paraguay gar nicht selbst gewählt. War ich trotzdem vor dem Jahr schon überglücklich dorthin zu gehen? Ja!
 
Ich wusste nichts von Paraguay, natürlich hatte man es schon mal gehört, unter anderem auch durch Fußballlegenden wie Nelson Haedo Valdez, aber von den meisten anderen südamerikanischen Ländern weiß man deutlich mehr als von dem, für südamerikanische Verhältnisse, kleinen Paraguay (trotzdem gute 50.000 Km² größer als Deutschland). Also konnte ich mir zunächst nur viele Eindrücke vorstellen, welche auch zunächst bestätigt werden sollten. Nach unserem 3-tägigen Willkommens-Camp, wurden wir von unseren Familien abgeholt. Alles war fast so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Super herzliche Menschen, staubige Straßen, Leute die umher eilten und am Ende das leckere Essen mit der Familie. Diese „Bestätigung“ meiner Vorstellungen wurde aber mit der Zeit immer wieder widerlegt. Die Kultur, in welche man immer mehr eintaucht, lässt einen viele Dinge in einem anderen Licht sehen.
 
Für mich wurde es normal, dass am Straßenrand 20 Meter hohe Palmen stehen, dass man alles teilt und dass man auf jeden Fall niemals pünktlich kommen sollte. Es gibt noch viel mehr kleine Dinge, die man einfach gesehen und automatisiert hat. Allerdings kam es auch immer darauf an mit wem man redet, mit wem man Tereré (Mate-Tee mit kaltem Wasser) trinkt und mit welchen Leuten man gerade isst. Manchmal wurde genau darauf geachtet, wer neben wem beim Essen sitzt, wer als erstes Essen bekommt und meistens waren es die Männer, die sich zuerst hingesetzt haben, die auch zuerst gefragt wurden, ob sie noch Nachschlag wollten. Der Machismo ist auf jeden Fall sehr stark in Paraguay. Das bedeutet, dass die Männer oft bevorzugt werden, es für sie normal ist, jeder Frau hinterher zu gucken und oft einfach den typischen Macho zu spielen, wie man ihn auch hier in Deutschland kennt. Allerdings ist es nicht so, dass die Frauen unterdrückt werden. In meiner ersten Gastfamilie war es meine Gastmutter, die auf genau solche Sachen geachtet hat. Die Männer machen die Gartenarbeit, die Frauen kümmern sich um das Essen, mein Gastvater kriegt mehr Tee als meine Gastgeschwister. Auf sowas wird nicht nur zwischen Männern und Frauen geachtet, sondern auch durch verschiedene „Ränge“. Leute, die studiert haben, werden bei der Arbeit wesentlich besser behandelt, als die Leute die „nur“ eine Ausbildung oder gar keine Lehre haben. Und das vor allem von den Leuten, die nicht studiert haben. Allerdings ist mir auch aufgefallen, dass es auf die Familie ankommt. In meiner zweiten Gastfamilie gab es diese Rollenbilder beispielsweise überhaupt nicht. Dazu aber später mehr. Dinge wie aufstehen, für jemand Älteres oder jemand von einem höheren „Rang“ sind auch für mich dann zur Normalität geworden.
 
Der Prototyp Paraguayo ist ein super netter Mensch. Er teilt alles, selbst wenn er danach nichts mehr davon hat, oder auch wenn er allgemein sehr wenig hat. Und am liebsten feiern die Paraguayos. Egal was für ein Wochentag, egal um welche Uhrzeit man kommt, es gibt immer Partys. Und die gehen, zumindest bei den jungen Leuten, meistens bis morgens früh. Freunde zu finden ging zunächst sehr schnell. Durch meine Gastgeschwister und auch durch AFS habe ich viele Kontakte zu Paraguayos geknüpft. Mit den mitgereisten Deutschen haben wir am Anfang nicht viel gemacht, weil wir nicht wirklich nah beieinander gewohnt haben und keiner wusste, wie man mit dem Bus zum Anderen kommt. Sobald wir das aber verstanden hatten (die wichtigen Routen, es ist unmöglich das ganze Bussystem zu verstehen), ist die deutsche Gruppe immer mehr gewachsen und wir haben sehr viel gemeinsam unternommen. Aber wir waren immer auch mit den Gastgeschwistern oder anderen paraguayischen Freunden unterwegs, sodass wir eigentlich immer Spanisch gesprochen haben.

Meine Einsatzstelle: INFONA- das nationale Forstinstitut

AFS-Freiwilliger Felix bei seiner Arbeit für das Nationale Forstinstitut in Paraguay
Bei der Arbeit in meinem Projekt

INFONA (Instituto Forestal Nacional) ist ein staatliches Ministerium, welches sich allgemein mit dem Schutz der Wälder auseinandersetzt. Es gibt verschiedene Projekte um Flächen wieder zu bewalden, Schulen die extra von INFONA betrieben werden, verschiedene Arbeiten mit Holz und vor allem das Verhindern illegaler Abholzung. Es ist aufgeteilt in 5 verschiedene Abteilungen, die trotzdem durchgehend Hand in Hand arbeiten. Die Abteilung in der ich gearbeitet habe nennt sich Dirección General de Plantaciones Forestales (DGPF). Hier arbeiten Experten für die vielen verschiedenen Projekte der Aufforstung. Oft werden bei Plantagen Messungen gemacht und beobachtet, ob es den Bäumen gut geht und ob sie normal wachsen können. Zu dieser Direktion gehört außerdem ein Gewächshaus, in dem fast alle Baumarten zu Jungpflanzen herangezüchtet werden, um dann entweder an Privatpersonen verkauft oder an Projekte, Schulen oder andere Organisationen gespendet zu werden. Und abschließend gehört zur DGPF auch die Saatgutbank (Banco de Germoplasma). Hier war das ganze Jahr lang mein Arbeitsplatz.

AFS-Freiwilliger Felix in Paraguay beim Sortieren und Trocknen von Samen

Wir hatten die Aufgabe alle Samen (exotische und heimische Arten), die in Paraguay gepflanzt werden können, für das Gewächshaus und auch für Privatpersonen bereitzustellen. Dafür sind wir oft mit 4 Mann zu verschiedenen Orten gefahren und haben auf verschiedenste Art und Weise die Früchte „geerntet“. Danach wurden die Früchte in der Sonne getrocknet und gereinigt. Je nach Spezies gibt es verschiedene Techniken, die Samen von ihren Hülsen oder Früchten zu lösen. Manchmal brauchten wir nur einen Nachmittag und manchmal war es wochenlange Arbeit. Nach dem Säubern sind die Samen eigentlich bereit für den Verkauf, allerdings fehlen noch die Analysen. Auch die durfte ich machen, was am Anfang fast das Spannendste war.
 
Bei mir im Büro sprach niemand Englisch, was trotz meiner am Anfang noch nicht vorhandenen Spanischkenntnisse aber fast kein Problem darstellte. Für den ganzen Papierkram mit AFS hatte ich eine sehr liebe Betreuerin, mit der ich im Notfall auch Sachen auf Englisch klären konnte. Eigentlich war mein normaler Arbeitsplatz das Büro, in dem wir die Analysen gemacht haben. Hier war auch meine Chefin, welche mir immer verschiedene Aufgaben gegeben hat. Falls es mal nichts mehr zu tun gab, wurde ich zu meinen zwei Kollegen geschickt, die immer am Samen säubern waren. Es gab auch Tage, an denen ich nur mit den beiden gearbeitet habe. Dadurch hatte ich immer etwas zu tun, aber es war sehr locker geregelt und man durfte zwischendurch auch mal verschnaufen. Gearbeitet habe ich immer nur von Montag bis Freitag und durch meine Arbeitszeiten von 7:30 bis 15:00 habe ich jeden Tag 90 Minuten länger gearbeitet, als ich musste. Dadurch konnte ich mir auch sehr oft einteilen, ob ich früher gehe, später komme oder mir einen Tag komplett frei nehme, wenn ich zum Beispiel mit meiner Gastfamilie weggefahren bin.
 
Meine Betreuerin hat mir oft das Angebot gemacht, meine Arbeitsstelle zu wechseln (z.B. ins Gewächshaus oder andere Büros), aber das wollte ich nicht. Trotzdem habe ich zwei Wochen lang in den beiden Schulen im Inland mitgearbeitet um so trotzdem verschiedene Bereiche zu sehen und vor allem auch um zu lernen, wie die Schüler in einer Forstschule neben dem normalen Unterricht auch im Gewächshaus arbeiten oder Schreinereiunterricht haben. Mein Büro war während der Familienwechsel ein ständiger Rückhalt und wir haben uns alle so gut verstanden, dass es sogar früh morgens Spaß gemacht hat, ins Büro zu kommen. Das lag aber vielleicht auch daran, dass ich immer die Möglichkeit hatte, in 15 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, was für paraguayische Verhältnisse durchaus eine Seltenheit ist.

Meine Gastfamilien

AFS-Freiwilliger Felix auf einer Hochzeit in Paraguay

Wenn man nur die Geschichten von meinen ganzen Familienwechseln hören würde, könnte man annehmen, dass ich nie wirklich glücklich geworden bin. Tatsächlich war ich die meiste Zeit sehr froh mit meiner familiären Situation und im Endeffekt bin ich auch glücklich, dass ich so viele verschiedene Erfahrungen gemacht habe.
Ich kam damals in Paraguay an und für mich war alles neu. Ich kam in mein neues Zuhause und war zunächst geflasht von allem. Wir hatten einen Pool, einen großen Garten und zwei liebenswerte Hunde. Und in dieser Familie war ich sehr glücklich, allerdings hatte ich das Gefühl, dass das Eis zwischen uns nie wirklich gebrochen ist. Bei meinen Gastgeschwistern hatte ich manchmal das Gefühl, dass es soweit wäre, aber am nächsten Tag war es wieder ein wenig angespannt. Trotzdem haben wir uns immer sehr gut verstanden. Relativ überraschend kam dann die Nachricht, dass meine Gastfamilie mit AFS nur einen Vertrag für 6 Monate hatte, da sie danach größere Reisen in die USA geplant hatten.
 
Da ich genau um die Zeit das Gefühl bekommen hatte, dass das Eis gebrochen ist, wollte ich zunächst in keine neue Gastfamilie und kam auf die Idee, in das Studentenwohnheim direkt neben meiner Arbeit zu ziehen. Das ging auch dann sehr spontan und plötzlich wohnte ich alleine mit vielen Studenten. Ich finde, das war eine sehr spannende und auch sehr wichtige Erfahrung für mich, da dieses Studentenwohnheim vor allem auch für die Jugendlichen aus dem Inland ist und ich so viele Eindrücke von dem, sonst nicht so leicht offen zu legenden Leben im Land, erfahren habe. Nach 2 ½ Monaten war diese Erfahrung aber leider auch zu Ende, da ich durch meine reichlichen Überstunden fast 2 Monate auf Reisen war.
 
Nach dem Ausflug nach Ushuaia, Buenos Aires und Montevideo bekam ich eine neue Gastfamilie mit zwei kleineren Gastgeschwistern (was ich mir schon mein ganzes Leben lang gewünscht hatte). In diese Familie habe ich mich sofort verliebt und bin im Endeffekt auch sehr traurig, dass ich nicht so viel Zeit mit ihnen verbringen konnte. Dass ich mich mit der zweiten Gastfamilie auf Anhieb so gut verstanden habe, lag unter anderem daran, dass ich schon gut Spanisch gesprochen habe und dass es bei kleinen Kindern dieses „Eis“, was es zu brechen gilt, einfach nicht gibt. Am ersten Abend haben wir zusammen gespielt, als ob wir uns schon jahrelang kennen würden.
 
Mit meiner ersten Gastfamilie hatte ich danach auch noch Kontakt und immer, wenn ich sie gesehen habe, waren wir alle super glücklich. Wir schreiben auch heute noch miteinander. Auch mit meinen Freunden aus dem Wohnheim bin ich in Kontakt geblieben. Leider mussten einige wieder zurück in ihr Dorf, viele andere habe ich aber nochmal getroffen.
 
Alles in allem muss ich sagen, wenn man die Kultur noch nicht kennt, ist eine Gastfamilie die perfekte Lösung. Man lernt schneller Spanisch, erfährt sehr schnell sehr vieles über die Kultur und hat auch zunächst weniger Verantwortung. Wenn man sich mit der Familie nicht versteht, kann es auch durchaus unangenehm werden, was ich zum Glück nie wirklich erlebt habe. Trotzdem halte ich meine Entscheidung, einige Zeit im Studentenwohnheim zu leben, immer noch für richtig und ich habe dort einiges gelernt.
 
Die Gastfamilie bekommt kein Geld für die Verpflegung und die Unterkunft, das heißt wenn sich jemand so etwas in Paraguay leisten kann, dann eher die reicheren Familien. Dadurch ist man automatisch in ganz anderen Kreisen unterwegs als die, die man eventuell aus Deutschland gewohnt ist. Auch deshalb war es sehr interessant zu sehen, wie das Leben der Studenten in Paraguay abläuft.

Betreuung durch AFS

#AFS Effect

In Paraguay werden alle Teilnehmer in verschiedene Komitees eingeteilt, je nachdem wo man wohnt. Ich hatte glücklicherweise ein eher kleines Komitee, dadurch haben wir uns alle sehr schnell kennengelernt und auch der Kontakt zu den Ansprechpersonen war sehr vertraut. Jeder hatte eine direkte Ansprechperson (eine freiwillige Person, meistens ungefähr in unserem Alter) mit der man sich mindestens einmal im Monat treffen sollte und über alles reden kann. Außerdem gibt es auch regelmäßige Treffen mit dem ganzen Komitee, diese waren immer super lustig. Dazu kommen die verschiedenen Camps. Eins am Anfang, eins nach der Hälfte und noch eins am Ende des Jahres. Hier gab es Seminare und viele Gespräche mit den Freiwilligen, die diese Camps leiten.
 
Es gibt zwei verschiedene Gruppen bei AFS Paraguay: auf der einen Seite die Festangestellten im Büro und die Freiwilligen, die als Ansprechpersonen, Betreuer, Campleiter und psychische Stütze fungieren. Allerdings hört man oft nichts Gutes aus dem AFS Büro. Die Freiwilligen, die sich um sehr viel kümmern und ohne die die ganzen AFS-Programme nicht funktionieren würden, werden vom AFS-Büro öfter schlecht behandelt und nicht respektiert. Das führte dazu, dass eine von unseren Betreuerinnern gesagt hat, dass wir ihr letzter AFS-Jahrgang wären, weil sie keine Lust mehr hat, vom Büro so behandelt zu werden. Ich persönlich finde das sehr traurig, da sie dann nächstes Jahr für die neuen Teilnehmer fehlt. Ich hoffe, dass AFS Paraguay daraus lernt, denn ohne ihre Freiwilligen kann kein Teilnehmer dieses wunderschöne Land entdecken. Auch von anderen Teilnehmern wurde geäußert, dass sich das Büro bei ihren Problemen kaum um sie gekümmert hat, aber da ich meine Familienwechsel nur mit meinem Komitee direkt geklärt habe, hatte ich persönlich keine große Auseinandersetzung mit den Angestellten aus dem Büro. Allgemein bin ich sehr zufrieden, vor allem mit der direkten Betreuung im Komitee, und auch das Büro hat vieles gut gemacht, sollte sich aber besser auf ihre helfenden Freiwilligen konzentrieren und auch auf sie eingehen.

Sprache und Kommunikation

Spanisch. Vor dem Jahr mit großem Respekt drauf geschaut, zwischenzeitlich gehasst, es für total einfach gehalten, verzweifelt und am Ende den Segen sagen zu können, ich kann mich jetzt auf Spanisch mit Leuten unterhalten. Spanisch in einem spanisch sprechenden Land von Null auf zu lernen ist nicht die beste Idee, aber auch definitiv nicht die schlechteste. Es ist schon gut, wenn man wenigstens eine Grundlage hat, denn dann verbessert man sich sofort. Ich habe mich von Form zu Form gehangelt und habe verschiedene Phasen erlebt. Manchmal war ich total euphorisiert, weil ich den ganzen Abend alles verstanden habe und am nächsten Tag hatte ich wieder Probleme. Aber mit der Zeit automatisiert sich auch das Lernen und es geht immer schneller.
 
Allerdings gibt es in Paraguay nicht nur Spanisch. Die indigene Sprache Guarani ist auch offizielle Amtssprache und wird vor allem auf dem Land gesprochen. Auch in der Stadt sprechen sehr viele Leute eine Mischung aus Guarani und Spanisch, das sogenannte Yopara. Die Reinform des Guarani können eigentlich nur die wirklichen Indigenen sprechen, alle anderen (auch die Bauern auf dem Land) sprechen Yopara. Guarani ist eine sehr interessante Sprache und die Paraguayos sind auch sehr stolz darauf. Deswegen war es immer lustig, wenn man etwas auf Guarani sagen konnte. Am Ende konnten wir auch schon kleine Konversationen auf Guarani halten und das war auch für die Paraguayos in den klassischen Alltagssituationen immer wieder überraschend.

Globales Lernen

Globales Lernen ist für mich die Offenheit für alle Kulturen und das Lernen von diesen. Allerdings auch das Weitergeben von eigenen kulturellen Eigenschaften um auch die Offenheit des Gegenübers zu wecken. Internationale Zusammenarbeit und interkulturelle Begegnungen liefern Erfahrung, neue Erkenntnisse über andere Kulturen und vor allem wirken sie Rassismus und Abschottung entgegen.
 
Trotzdem sollte man vorsichtig sein, wenn man von „Entwicklungszuständen“ redet. Bei einem meiner Ausflüge haben wir mit einem älteren Ingenieur geredet und er hat uns viele Tricks für die Gartenarbeit gezeigt, alte Sprichwörter auf Guarani erklärt und schöne Geschichten aus seinem Leben erzählt. Als wir uns am Ende bedankt haben für alles, hat er alles verneint und hat sich sehr dafür bedankt, dass wir drei Jugendlichen aus der sogenannten „ersten Welt“ ins ach so kleine Paraguay gekommen sind. Und in solchen Situationen frage ich, sollten wir es nicht besser wissen und uns nicht auf Grund verschiedener Wirtschaftslagen in eine „bessere“ und in eine „schlechtere“ unterscheiden? Und es ist egal, ob wir es Entwicklungsland, 3. Welt oder demografischer Süden nennen. Dass Europäer und Nordamerikaner in Südamerika die absoluten Vorbilder sind und alles was wir machen gut ist, ist absolut ungerechtfertigt. Dabei hatte ich oft das Gefühl, dass in Europa nur das große Geld gesehen wird und dadurch die eigene Kultur und die eigenen Verhältnisse in einem schlechten Licht erscheinen. Globales Lernen sollte nicht nur uns Europäern zeigen, wie andere Kulturen leben, sondern es sollte auch aufzeigen, dass Menschen oder auch Bevölkerungen mit wenig wirtschaftlicher Macht genauso viel Wert sind, wie das „reiche“ Europa oder das „reiche“ Nordamerika.
 
Im Endeffekt habe ich persönlich mehr gelernt, als ich an jeden Paraguayo, den ich kennenlernen durfte, weitergeben konnte, aber ich habe trotzdem gemerkt, dass ich mit vielen Vorurteilen und vor allem auch mit vielen Idealisierungen aufräumen konnte, die die Paraguayos vorher für die komplette Wahrheit gehalten hatten. Ich finde, wir könnten allgemein mehr dafür machen, dass globales Lernen noch mehr in beide Richtungen geht. Viele Menschen in Paraguay oder anderen Ländern haben überhaupt nicht die Möglichkeit, jemals auf andere Kontinente zu reisen. Ich hatte die Chance, da mich Staat, Familie und Freunde unterstützt haben, auf diese Unterstützung können die allermeisten Paraguayos nicht hoffen. Deswegen werden zwar interkulturelle Begegnungen erzeugt, allerdings noch ein wenig zu einseitig.