Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Peru - Charlotte hat in einem kreativ-sozialen Freizeitprojekt mitgewirkt
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Charlotte hat in einem kreativ-sozialen Freizeitprojekt mitgewirkt

Charlotte, Peru, 2017, weltwärts

Charlotte hat ihren Freiwilligendienst in Peru mit AFS und dem weltwärts-Programm gemacht. Sie hat bei "Social Creativa" mitgearbeitet und unter anderem ein Zirkusprojekt gegründet. Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in Peru berichtet Charlotte hier.

Der Auftritt von Charlotte bei der Aufführung von Figaros Hochzeit in ihrem Freiwiligenprojekt in Peru
Mein Auftritt bei Figaros Hochzeit im "Social Creativa"

Mein Jahr in Peru ging so unglaublich schnell vorbei. Über das weltwärts-Programm und AFS landete ich in Chincha, einer kleinen Stadt an der Pazifikküste. Dort verbrachte ich elf Monate, um meinen Freiwilligendienst in einem Projekt namens „Social Creativa“ zu verbringen. Ich liebte meine Arbeit vor Ort, da ich in meinem Projekt hauptsächlich Freizeitkurse für Kinder und Jugendliche anbot. Und auch das Land, die Leute und die Kultur lernte ich sehr schnell lieben.
 
All meine Erfahrungen in Peru, ob meine Arbeit, meine Reisen durch das Land, das Leben in meiner Gastfamilie oder mit meinen neuen Freunden werde ich wohl nie vergessen und die Zeit in Peru war wohl eine der aufregendsten und schönsten meines Lebens, an die ich mich immer erinnern werde. Im folgendem Bericht möchte ich versuchen, euch mindestens einen Teil davon erzählen. Viel Spaß!

Land und Leute

Schon lange vor meiner Ausreise wollte ich unbedingt ein Jahr in Lateinamerika leben. Unbedingt wollte ich Spanisch lernen und was mich vor allem an Peru interessierte, waren die verschiedenen Naturregionen und die Kulturen innerhalb des Landes. Außerdem begeisterte ich mich für die Natur der Andenregion, sowie für den Dschungel.
 
Es ging endlich los! Und ich erinnere mich noch gut daran, wie aufgeregt ich mich von meiner Familie am Flughafen verabschiedete. Wie wird alles werden? Was kommt auf mich zu? Werde ich mich verändern? Und tausend andere Fragen hatte ich damals noch im Kopf.
 
In den ersten Wochen und Monaten waren noch viele Dinge neue und ungewohnt. Viele Situationen werden anders gesehen und geregelt als in Deutschland. Meine Gastmutter sagte mir abends, wenn ich weggehen wollte, immer: „Te vas con Taxi!“ Das heißt so viel wie: „Du fährst mit dem Taxi!“ Ich durfte mit dem Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf der Straße herumlaufen, da es gefährlich sei. Das Klopapier kommt nicht wie gewohnt in die Toilette, sondern in den Mülleimer daneben und wenn man mal Stromausfall und kein Internet hat, muss man eben ohne auskommen und die Zimmer abends mit Kerzen erhellen.

blaues Mototaxi auf einer Kreuzung in Peru
Mototaxi

Auch zu lernen, sich selbstständig fortzubewegen, war nicht ganz so einfach, wie ich dachte. Bei mir in Chincha gibt es verschiedene Fortbewegungsmittel. Darunter am meisten „Mototaxis“, kleine dreirädrige, offene Motorräder, die deutlich am lautesten im Straßenverkehr sind, weil sie immer hupen, um Mitfahrer zu finden. „Micros“ (kleine Busse) und „Colectivos“ (Autos, die wie Busse funktionieren). Ich musste mich nur an eine der großen Straßen stellen und die Hand heben, wenn ich mitfahren wollte, denn Bushaltestellen und Abfahrtszeiten gibt es in Peru nicht. Taxen, die meine Gastmutter immer für mich rief, gibt es auch. Sie funktionieren wie in Deutschland auch, sie sind sehr sicher, dafür verhältnismäßig sehr teuer.

Auch wenn ich am Anfang ein paar Schwierigkeiten hatte, konnte ich mich recht schnell an die Eindrücke und die neue Umgebung gewöhnen, sodass mir die Unterschiede und Besonderheiten gar nicht mehr auffielen. Ich wusste bald, wann und wo ich mich sicher fühlen kann, wo ich besser nicht hingehe, wie ich mich wann verhalte, wo ich was bekomme, auch wie ich mir Hilfe hole und so weiter. Spanisch konnte ich, bei meiner Anreise, nicht ein Wort sprechen, was zu Beginn auch einige Hürden mit sich brachte. Jedoch war ich ständig mit der Sprache konfrontiert, hatte sogar Spanischunterricht, sodass ich sie schnell lernte.
 
Ich habe festgestellt, dass Peruaner sehr hilfsbereit sind, wenn man Hilfe benötigt. Generell genoss ich die Offenheit der Leute in Peru sehr. Morgens auf dem Weg zur Arbeit grüßten mich immer die drei gleichen Personen. Der Wachmann am Hospital, die Frau am Brötchenstand und der Opa, der einfach immer vor der kleinen Schule sitzt. Hier muss ich erwähnen, dass mein Fußweg zu meinem Projekt nur drei Minuten dauerte. Auch wenn ich im „Mercado“ einkaufen ging, erkannten mich die Leute und unterhielten sich mit mir: „Wo kommst du her? Was machst du hier?“ Das lag wohl zum Teil auch an meiner hellen Hautfarbe. Das mit meinem europäischen Aussehen war aber auch nicht immer so einfach. Männer pfiffen mir hinterher, Verkäuferinnen wollten das Doppelte bezahlt haben und ich hatte einfach häufig die Aufmerksamkeit auf mich gerichtet.

Ein Stand mit bunten Früchten auf einem Mercado in Peru
Mercado

Der „Mercado“ an sich war immer ein Erlebnis. Man kann dort alles kaufen: Schweineköpfe, lebende Hühner aus dem Netz, Ballkleider, Plastikbecher und, und, und… Es ist ein Chaos, viele Leute rufen, an einigen Ecken stinkt es und magere Babykatzen hocken unter den Tischen und suchen nach Essen.
 
Anfangs hatte ich mehr andere deutsche Freiwillige als Freunde und später einige Peruaner/innen, die ebenfalls in meinem Projekt arbeiteten und die ich fast jeden Tag sah. Auch in meinem Tanzkurs, in dem ich „Festejo“, einen typischen Tanz der afro-peruanischen Kultur, lernte, traf ich einige junge Frauen dreimal die Woche. Mit ihnen unternahm ich viele Dinge und sie zeigten mir unter anderem die besten Clubs und Karaokebars und das beste Essen der Stadt.

Ein peruanisches Essen: Charapulchra
Charapulchra

Das Essen hat in Peru, besonders in Chincha, einen wichtigen Stellenwert. Vor allem zusammen, mit der Familie, zu Mittag zu essen war in meiner Familie sehr wichtig. Im Verhältnis zu Deutschland wird in Chincha eher mehr und kohlehydratreicher gegessen. Nudeln, Kartoffeln, Reis und Fleisch werden kombiniert, das bei fast jeder Mahlzeit und meist in riesigen Portionen. „Flaca“ (die Dünne) nannten mich einige Leute, nicht böse gemeint, beim Essen, da ich dort als sehr dünn gelte und so bekam ich auch meistens einen riesigen Berg zum Mittagessen. Obwohl ich das Essen sehr gerne mag, konnte ich irgendwann keinen Reis und keine Nudeln mehr sehen. Auch ernährte ich mich vegetarisch, was viele Leute als merkwürdig empfanden.

Meine Gastfamilie

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie meine beiden Gasteltern, Francisco und Pilar, in der Nacht, in der ich ankam, im Bademantel an der Haustür standen, um mich zu begrüßen. Mit meinen beiden Gastgeschwistern Massimo (7 Jahre) und Marianna (1 Jahr) lebte ich hinter einer „Polleria“, einem Hühnchen- Restaurant. Auch meine Gastoma und meine Gasttante und ihre drei Söhne lebten in diesem Haus. Alle redeten auf mich ein, wollten es mir recht machen, und ich verstand nur Bahnhof, da ich bis dato kaum Spanisch sprach. Zum Glück konnte mein Gastcousin Englisch sprechen, so dass er mir am Anfang sehr viel helfen konnte.
 
In den ersten Wochen haben sich meine Gasteltern echt Mühe gegeben, doch mit der Zeit bemerkte ich, dass die beiden viel arbeiten und wenig Zeit haben. Ich lebte wohl in einer eher untypischen Gastfamilie, wenn man das so sagen kann. Meine Gastmutter wurde mit der Zeit manchmal sogar unhöflich, bevorzugte immer ihre eigenen Kinder und ich musste mir mein Essen alleine kaufen, bis sie mich nach vier Monaten in eine andere Gastfamilie geben wollte. Ihr Grund war, dass sie keine Zeit für mich hat und dass dieser Verlauf von Anfang an feststand. Hier hat es typischerweise wieder mal an genauer Kommunikation gefehlt. Ich war zu der Zeit sehr verwirrt, wollte nicht in eine andere Gastfamilie und durfte im Haus wohnen bleiben. Im Dezember 2018 ist meine Gastfamilie in ein neu gebautes Haus gezogen und ich blieb bei der Gastoma im gleichen Haus wohnen.
 
Ab diesem Zeitpunkt wurde mein Leben in Peru wunderbar, da ich auch meinen Kulturschock hinter mir hatte. Meine Gastoma, meine liebe „Abuelita“, ist wohl die liebste Person, die ich je kennengelernt habe. Sie hat neun Kinder, ich lebte also in einer großen Familie, was sich bei Geburtstagen zeigte. Die Feiern waren immer groß und laut, es wurde getanzt und es gab Mengen an Essen und Alkohol. Von meiner Gastoma habe ich viel gelernt. Zum Beispiel kleine Tricks in der Küche und beim Kochen. Ich habe festgestellt, dass die Familie in Peru eine sehr wichtige Rolle spielt. Häufig leben die Familienmitglieder in einem Haus und vor allem in der gleichen Stadt. Es ist unüblich, mit seiner Familie, so wie in Deutschland, in eine andere Stadt oder weiter weg zu ziehen. Es ist ein schönes Gefühl, eine große Familie im Rücken zu haben, die einen unterstützt.

Mein Projekt im „Social Creativa“

Hier muss ich vorweg einmal sagen, dass ich wohl im besten Projekt von ganz Peru gearbeitet habe. Das ist nur meine eigene Meinung! Ich hatte so viel Spaß dort, habe viel gelernt, so unterschiedliche Dinge ausprobiert und mochte einfach die Arbeit.
 
In einem Freizeitprojekt namens „Social Creativa“ arbeitete ich, fast jeden Monat änderte sich mein Stundenplan, es kamen neue Kurse hinzu, alte Kurse verschwanden und einige waren beständig. So wurde es mir nie zu langweilig. Ich werde hier nicht alle Projekte aufzählen und erklären, da die Vielfalt einfach zu groß ist.
 
Die ersten Wochen waren sehr aufregend. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Arbeitstag erinnern, wie ich neben den anderen Freiwilligen auf der Couch im Büro saß und wir auf die Chefin des Projektes warteten. Sie redete auf Spanisch auf uns ein und ich verstand erneut nur Bahnhof. In den ersten Wochen durften wir dann verschiedene Projekte ausprobieren und so entstand mit der Zeit mein Stundenplan.
 
Vormittags arbeitete ich im Haupthaus von „Social Creativa“, dies liegt in der Innenstadt von Chincha und in nur drei Minuten konnte ich es zu Fuß erreichen. Hier arbeitete ich täglich von 9:30 Uhr bis 13:00, indem ich bei organisatorischen Dingen im Büro half, mal die Kursräume herrichtete und säuberte, neu dekorierte, selbst für ein Konzert probte, für bestimmte Kurse einkaufte oder meine eigenen Unterrichte vorbereitete und wahrscheinlich noch andere Dinge tat. An anderen Vormittagen war ich in einem Projekt, das nur aus Freiwilligen bestand und sich „Barrio Lindo“ nannte. Wie der Name schon verspricht, soll dieses Projekt einen Stadtteil verschönern. Wir sammelten Müll oder bemalten graue Mauern mit Sprüchen und Gemälden, die dazu anregen sollen, sich Gedanken über den Klimawandel zu machen. Ebenfalls recycelten wir Müll und alte Möbel zu Kunst und Blumentöpfen. Einige Male half ich, mit anderen Freiwilligen, am Vormittag in einem „Hogar de Ancianos“ (Altersheim), in dem wir den alten Menschen beim Essen oder Gehen halfen, mit ihnen malten oder sie mit Musik einfach bei Laune hielten.
 
Eines meiner Hauptprojekte war die Unterstützung des Orchesters „Red Musical“, ein beständiges Hauptprojekt von „Social Creativa“. An vier Nachmittagen der Woche unterrichtete ich mal Flöte oder Geige, doch hauptsächlich Cello in verschiedenen Stadtteilen an Kinder und Jugendliche. Im Laufe des Jahres übernahm ich immer mehr die Verantwortung für die Cellogruppen. Ich liebe das Cello als Instrument und vom Klang her und so konnte ich meine Begeisterung an meine Schüler weitergeben. Jeden Samstag trafen sich dann alle Kinder des Orchesters, aus den unterschiedlichen Stadtteilen, um zusammen zu proben. Bei Konzerten, wie zum Beispiel zu Weihnachten, wurden die geprobten Stücke des Orchesters, sowie Solostücke oder Auftritte aus anderen Kursen, vorgeführt. An anderen Nachmittagen arbeitete ich in einer Textilfabrik. Hier wurden die beiden Kurse „Yoga“ und „Comida Saludable“ (gesundes Essen) für die Fabrikarbeiter/innen angeboten. Den Yogakurs durfte ich einige Male sogar alleine leiten.
 
Das Beste kommt zum Schluss. Schon vor meiner Ausreise habe ich mir vorgenommen, mein eigenes Zirkusprojekt zu gründen. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um mich dafür aufzuraffen, denn erst in den letzten drei Monaten ist es entstanden. Mit der Hilfe einer Freundin konnten wir das Projekt für Kinder aufbauen. Es war gar nicht so einfach, einen Kurs alleine, ohne Ort, in Gang zu bringen. Auf einem Platz in einem ärmeren Stadtteil fingen wir mit Jonglieren, Balancieren und Akrobatik an. Die Kinder kamen zuerst unregelmäßig, waren unerzogen und machten Quatsch oder wollten mir Sachen aus meinem Rucksack klauen. Doch mit der Zeit konnten wir mit Musik und einigen klaren Regeln den quirligen Haufen kontrollieren und begeistern. Eine deutsche Freiwillige, die dieses Jahr 2018 nach Chincha geschickt wurde, wird mein geliebtes Zirkusprojekt weiterführen.
 
Ein letztes wichtiges Projekt gab es aber doch noch in meinem Jahr. In drei Monaten wurde ein Theater auf die Beine gestellt. „La Bode de Figaro“ (Figaros Hochzeit) von Mozart. Alle Mitarbeiter von „Social Creativa“ waren eingeschlossen, sodass die Gruppe in dieser Zeit echt zusammenwuchs. Etwas Neues wollte ich ausprobieren und bekam eine Rolle, in der ich sogar ein Solo singen durfte. Mein Drama: „l´ho perduta me meschina“, klingt noch jetzt in meinen Ohren. Das Singen und Schauspielern war wirklich eine meiner besten Erfahrungen im Projekt.
 
Während meiner Arbeitszeit gab es immer wieder unterschiedliche Situationen, die mich überforderten, da einige Kinder oft schwierig im Umgang sind und ich besonders am Anfang oft nicht verstand, was sie sagten. Ab und zu war ich überfordert, da ich spontan meinen Kurs wechselte und ich nicht vorbereitet war oder wir am Sonntag ein Konzert hatten, sodass ich keinen freien Tag in der Woche bekam. Doch mit der Zeit kam ich immer besser klar, ich konnte Spanisch sprechen, mich durchsetzen und ging entspannter in meine Unterrichte. Trotz dieser Schwierigkeiten bin ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit meiner Arbeit und ich kann sagen, dass ich an den Aufgaben im Projekt gewachsen bin. Die Kinder habe ich in diesem Jahr richtig liebgewonnen und werde sie wohl immer in meine Herzen tragen.

Meine Reisen in Peru

Huaraz, Peru
Huaraz

Generell kann ich sagen, dass das Jahr für mich eine riesige Bereicherung war, auch weil ich die Möglichkeit hatte, außer meiner Stadt und meinem Projekt noch andere Orte Perus kennen zu lernen. Ich habe einige Reisen unternommen und konnte alle drei Landeszonen Costa (Küste), Sierra (Berge) und Selva (Dschungel) kennen lernen. Natürlich war ich beim Machu Picchu, dem Wahrzeichen Perus, und bis heute kann ich den Anblick auf die Stadt vom Berg nicht vergessen. Und Die Lagunen von Huaraz verzauberten mich wie in einem Märchen, so blau war das Wasser.
 
Neue Kulturen lernte ich in Puno am Titicacasee und in Arequipa kennen. Doch der für mich schönste Ort in Peru ist der Dschungel bei Puerto Maldonado. Eine kleinere Stadt im Dschungel, wo wenige Touristen hinreisen. Es ist einfach so aufregend und abenteuerlich, durch den Dschungel zu laufen. Pure Natur! Eine riesige Vielfalt an Tieren und Pflanzen.

Betreuung durch AFS beim Freiwilligendienst in Peru

In Chincha hatte ich eine Betreuerin namens Martha, die sich ehrenamtlich um alle Freiwilligen gekümmert hat. Jeden Monat organisierte sie ein Treffen aller Freiwilligen. Sie war sehr nett und immer hilfsbereit, sodass ich, wenn ich Probleme hatte, jeder Zeit zu ihr in den Laden kommen konnte und sie ein offenes Ohr für mich hatte. Vor allem im Januar 2018 war ich emotional an einem Tiefpunkt, aus dem Martha mir half, wieder heraus zu kommen. Sie suchte mit mir Hobbies und ermutigte mich, Dinge zu unternehmen.
 
Von AFS Deutschland habe ich erwartet, dass sie mir in Notfällen helfen, die nicht vor Ort geklärt werden konnten, und dass sie rechtzeitig die Termine aus Deutschland schicken, die ich brauchte, um zu planen. Glücklicherweise hatte ich keinen größeren Notfall und alle Termine wurden mir rechtzeitig zugeschickt. Deswegen war ich mit AFS Deutschland sehr zufrieden.

Globales Lernen

Vor allem die Problematik des Eurozentrismus stand in meinem Freiwilligenjahr im Mittelpunkt. Ich wollte mich auf das Gastland einlassen und versuchen, die Dinge aus einem anderem Blickwinkel zu betrachten und nicht, wie gewohnt, aus deutscher Perspektive. Zu Beginn war das natürlich schwer, doch mit der Zeit konnte ich mich immer mehr auf die Kultur und die Denkweisen einlassen. Natürlich war meine Sicht immer noch europäisch geprägt, doch konnte ich eine gute Balance zwischen der peruanischen und deutschen Sichtweise finden.
 
Außerdem lernte ich, dass Entwicklungszusammenarbeit nur gelingen kann, wenn man gegenüber einander tolerant und offen ist, denn nur so ist globales Lernen überhaupt möglich. Die Kulturen müssen sich so besser kennenlernen und voneinander lernen, damit ein interkultureller Austausch überhaupt stattfinden kann. Ich bin mir sicher, dass sich in diesem Auslandsjahr mein Horizont über globales Lernen erweitert hat. Ich habe in meiner Gastfamilie, bei meinen Freunden und im Unterricht sehr viel von der peruanischen Kultur mitgenommen und gelernt.
 
Und ich werde versuchen, meine Erfahrungen aus diesem Jahr weiterzugeben, indem ich Gespräche mit Freunden und Verwandten suche. Außerdem möchte ich in einem Vortrag über mein freiwilliges Jahr in Peru berichten sowie auch das Programm weltwärts in meiner Schule vorstellen, damit die Schüler wissen, dass es nach dem Abitur auch weitere Möglichkeiten gibt außer gleich zu studieren. Meine im Freiwilligendienst erworbenen Erfahrungen werden auch mich in meinem Leben bereichern, da ich mich weiterhin für globale Gerechtigkeit einsetzten möchte (z.B. bei Techo und NDC). Ebenfalls möchte ich mich weiterhin bei AFS als Teamerin engagieren.
 
Abschließend möchte ich sagen, dass ich mich für dieses Auslandsjahr jederzeit wieder entschieden hätte und dem Universum unglaublich dankbar bin, wie mein Jahr verlaufen ist. Danke auch an AFS und weltwärts, die mir diese wunderbare Reise ermöglicht haben.