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Dieses Auslandsjahr hat sich in allen Beziehungen gelohnt

Calvin, Peru, 2012/13,

Nicht einen Moment bereut

Jetzt bin ich also nach einem Jahr in Peru gut nach Deutschland zurückgekommen, musste meine Familie und Freunde dort zurücklassen und stoße nun wieder auf meine normale Familie in Köln. Vorerst kann ich sagen, dass sich dieses Auslandsjahr in allen Beziehungen gelohnt hat; ich habe es nicht einen Moment bereut, jetzt immer noch nicht. Das Jahr habe ich in der Stadt Iquitos verbracht, mit der, bei meinem Glück, wohl besten Familie im ganzen Land. Ich hatte eine Mutter, einen Vater und zwei Brüder, fast in meinem Alter. Dazu noch eine Schwester, die aber schon woanders wohnte. Das Verhältnis zu meiner Familie war unbeschreiblich gut, wir haben so gut wie alles zusammen gemacht. Mit einem der zwei Brüder war ich in einer Schulklasse, was mir die Eingliederung zu den anderen natürlich sehr vereinfachte.

Die Schule

Ich war zwar an einer Militär-Schule, aber trotzdem ist mir aufgefallen, dass dort das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern doch sehr anders ist als in Deutschland. Egal wo man sich trifft, oder wie oft, man begrüßt sich und gibt sich gegenseitig die Hand. Nach Ferien, oder langen Wochenenden nehmen manche Schüler die Lehrer in den Arm, alles verläuft viel entspannter als in Deutschland. Normal ist es auch, dass man als Schüler die Lehrer mit dem Vornamen anspricht, die Lehrer machen das bei den Schülern aber dann meistens umgekehrt, also rufen sie ihre Schüler mit dem Nachnamen (was bei mir eine Ausnahme war, niemand könnte meinen Nachnamen aussprechen!).

Freundschaften und Familie

In Peru Freunde zu finden ist nicht besonders schwer. Jeder ist interessiert an jedem, dem er begegnet. Die Menschen sind viel offener als hier. Wenn man zum Beispiel auf den Hauptplatz dort geht, kann man einfach so unbekannte Leute auf der Straße ansprechen und sie werden sich mit dir unterhalten, als würdest du sie schon 30 Jahre lang kennen. In Deutschland ist dies vermutlich nicht möglich. Für Deutschland denke ich mir, dass es recht schwierig ist Freunde zu finden, aber wenn du welche gefunden hast, dann sind sie Freunde für immer. In Peru ist es sehr leicht Freunde zu finden, was allerdings dazu führt, dass unter dieser großen Zahl nur sehr wenige Leute zu engen Freunden werden.

In meinem ganzen Jahr hatte ich (wunderbarerweise) nicht einen Konflikt mit meiner Familie, oder meinen Freunden, ich denke das liegt einfach daran, dass die Leute in Peru manche Dinge, die wir hier für Konflikt-Themen halten, gar nicht als diese ansehen, sie nehmen viele Dinge eher nicht ernst und gehen fröhlich voran. Streitigkeiten gab es natürlich ein paar in meinem Bekanntenkreis, aber diese waren nie von langer Dauer, Konflikte lösten sich quasi von alleine!

Auf die Kommunikation wird dort sehr viel Wert gelegt. Innerhalb meiner Familie wurde fast durchgehend geredet, beim Essen, beim Sport, beim Fernsehen, bei so gut wie Allem eigentlich. Das war natürlich nicht nachteilhaft für meinen Spanischkenntniss-Aufbau. Anfangs war es natürlich sehr schwer sich zu verständigen, ich musste fast jedes Wort mit dem Lexikon nachschlagen, aber mit den Monaten fing es dann an, immer einfacher und normaler zu funktionieren.

Peruaner sind äußerst hilfsbereit und gastfreundlich, das hab ich daran gemerkt, wie ich dort aufgenommen wurde und wie sie mich behandelt haben. Sie mögen es auch, mal zu spät zu kommen. Wenn man sich für sechs Uhr verabredet, sollte man davon ausgehen, dass der Gast ungefähr 30 Minuten bis zu einer Stunde zu spät kommt. Ich hoffe mal, dass ich das nicht übernommen hab.

Ich habe viel gelernt

Nun ist all dies mit meinem Jahr vorbei, und ich habe nicht nur viel über Peru und seine Kultur gelernt, sondern auch einiges über Deutschland. Das wohl Auffälligste unter all dem ist, dass Deutschland im Vergleich mit Peru wohl das reichste Land der Welt ist, es gibt hier einfach kaum Verarmung, jedenfalls nicht so viel, wie in Peru, vielleicht in ganz Südamerika. Auch die Politik in Deutschland ist Peru um Weiten voraus, die Regierung dort ist ziemlich korrupt und unsozial. Hier bei uns ist es sehr demokratisch und fair gegenüber fast jedem.

Man sagt in anderen Ländern über die Deutschen, dass sie sehr kalt vom Charakter her sind und dass sie keinen Humor haben und sehr ernst sind. Wir arbeiten hart und stellen das Leben oft vor Familie und Freunde. Vielleicht stimmt das ja auch in manchen Bezügen. Aber eine Sache, die ich an Deutschland wirklich schätze, ist, dass wenn man sich mal umsieht, so ziemlich alles organisiert ist, man sieht keinen (kaum) Müll auf der Straße, wir haben eine pünktlich fahrende Bahn, ein funktionierendes Ampelsystem und man kann einfach so, egal um welche Uhrzeit, allein auf die Straße gehen, ohne Angst zu haben ausgeraubt zu werden. In vielen Dingen ist Deutschland den meisten Ländern um Längen überlegen, was mir persönlich sehr gut gefällt. In manchen Belangen fühle ich mich mehr zu Deutschland verbunden, in manchen aber auch weniger.

Ich möchte noch mal dem Flughafen Köln/Bonn herzlich dafür danken, dass sie mir durch das Stipendium mein Auslandsjahr ermöglicht haben. Ich habe so viele gute Erfahrung und Kontakte in Peru gesammelt und hoffe ich werde sie mein Leben lang bei mir behalten.