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Ein Land der Gegensätze

Lene, Peru, 2008/09,

Ein Land der Gegensätze

Mein Name ist Lene, ich bin mittlerweile 17 Jahre alt und war 2008/09 ein Jahr lang in Cajamarca im Norden von Perú. Ich muss sagen ich finde es sehr schade, dass dies hier mein Abschlussbericht sein soll, denn alles ging dann doch so schnell vorbei und ich habe gar nicht gemerkt wie schnell die Zeit verging! Wenn mich die Leute fragen wie mein Auslandsjahr war, kann ich eigentlich nur schwer antworten, denn es war vieles: schön, doof, faszinierend, furchtbar, aufregend und irgendwie verrückt - nur eins war es nicht, nämlich langweilig!

Als ich ziemlich genau vor einem Jahr in Frankfurt ins Flugzeug stieg, hatte ich mir weder Erwartungen noch Hoffnungen gemacht, denn ich hatte gehört, dass viele enttäuscht werden und ich glaube man kann es sich auch einfach gar nicht im Vorfeld ausmalen, weil alles im Gegensatz zu Deutschland so unterschiedlich zugeht.

Als ich in meiner Stadt Cajamarca, die etwa 16 Stunden mit dem Bus von der Hauptstadt Lima entfernt ist, ankam war ich natürlich furchtbar gespannt auf meine Gastfamilie. Ich hatte mir den Moment, in dem ich meine Familie kennen lernen sollte total spannend vorgestellt, aber es war dann doch alles total unspektakulär und normal.

Meine peruanische Gastfamilie

Meine ersten Gasteltern Elsa und Edwin empfingen mich herzlich und auch ihre beiden Kinder Katia (13) und Edwin (4) waren sehr lieb. Alle redeten auf mich ein, wollten, dass ich den traditionellen Käse probiere. Etwas später tauchte dann die ganze Familie samt Oma und Opa auf, um mich kennen zu lernen. Vom Spanischen verstand ich trotz Vorbereitung nur Bahnhof und deshalb habe ich am ersten Tag auch gar nicht mitbekommen, dass ich noch eine andere Gastschwester (Jacylin, 16) hatte, die ich von allen am liebsten mochte. Leider hatte Jacy an meinem ersten Tag so lange Schule, dass ich schon im Bett war, als sie nach Hause kam. Am nächsten Tag wurde ich dann aufgeklärt und mein neues Leben in Perú begann...

Im Laufe meines Auslandsjahres habe ich dann sowohl meine Gastfamilie als auch die Schule gewechselt, wobei ich die Gastfamilie unfreiwillig wechseln musste, da Jacy einen Studienplatz in einer ganz anderen Stadt bekam und Elsa mit ihr umzog um die Eingewöhnung zu erleichtern. Also war nur noch mein Gastvater Edwin wirklich regelmäßig in der Stadt, aber der hatte ja seine Arbeit und meine beiden kleineren Gastgeschwister kamen dann zu ihrer Oma. Nun ja, irgendwie fehlte in diesem ganzen Durcheinander dann die Zeit für mich und so habe ich die Familie gewechselt. Auch meine neue Familie war sehr nett und ich war vielleicht sogar noch glücklicher bei ihnen, denn sie waren viel liberaler und für meine neue Gastmutter Zoila war ich wie die verschollene Tochter, sodass wir fast alles zusammen unternommen haben. Wir telefonieren auch heute noch sehr oft. Ich vermisse sie sehr!

Die Schule

Anders war es mit der Schule. Die habe ich freiwillig gewechselt, da ich fast jeden Tag bis um halb sieben abends Unterricht hatte und das Niveau so viel schwächer war, dass mir das nicht einmal etwas gebracht hätte. Dazu kam, dass die Schule die zweit teuerste von ganz Cajamarca ist und so war die Aufnahme eines Gastschülers in der Schule viel mehr eine Prestige- als eine Interessensfrage.

Auf meiner neuen Schule war das schon ganz anders. Alle wollten mir etwas von der peruanischen Kultur vermitteln, daraufhin bin ich dann der traditionellen Schultanzgruppe beigetreten und wir haben in peruanischer Tracht auf den Schulfesten getanzt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und die Mädels sind dann zum Abschied mit mir zusammen los und haben mir eine Tracht ausgesucht, die ich als Erinnerung mit nach Hause genommen habe.

Peru - das Land der Gegensätzte

Ich hatte ein Auslandsjahr mit vielen Höhen und Tiefen, wobei ich glaube, dass die schwerste Prüfung für mich das Akzeptieren der anderen Kultur war. Es ist oft schwer zu verstehen, warum die Leute dort so anders sind und viele Sachen, die für uns so selbstverständlich sind, dort als unmoralisch gelten. Nach einem Jahr wage ich jetzt mal an den Versuch zu erklären wie anders Perú eigentlich ist. Perú ist ein Land der Gegensätze. Dieses erklärt einem jeder Peruaner stolz, denn in seinem Land gibt es alles: Bergland (die Anden), Küste (Pazifik) und den Regenwald. Das heißt überall im Land leben Leute, die von ihrer Lebensart her grundverschieden sind. Im Regenwald gibt es sogar noch Dörfer, in denen nur Einheimische leben, die ihre eigene Sprache sprechen. Es heißt, dass es sogar noch ein paar unentdeckte Dörfer in den Bergen des Regenwalds gibt.

Bildung in Panama

In vielen Gegenden steht der Mann über der Frau und fast alle Männer sind sog. „Machos“. Viele Frauen werden auf dem Land schon sehr früh verheiratet. Eine Schulbildung kostet viel Geld, denn die besten Schulen sind privat und um auf eine staatliche Schule zu kommen, muss man wegen des hohen Andrangs einen Test machen. Diejenigen, die kein Geld haben, absolvieren ggf. die Grundschule und fangen sehr früh an zu arbeiten. Wer Geld hat geht auf eine weiterführende Schule. Es gibt weder Kunst und Musik noch soziale Fächer. Es geht ausschließlich um Mathematik, was zehn Stunden in der Woche unterrichtet wird. Wer Kunst studiert, auf den wird eher heruntergeschaut, aber wer von seinen Eltern den Studiengang Ingenieurwesen finanziert bekommt, der genießt Ansehen.

Machu Picchu

Aber generell kann ich sagen, dass für mich das Jahr eine Bereicherung war, auch weil ich die Möglichkeit hatte außer meiner Stadt noch mehr von Perú kennen zu lernen. So habe ich einige Reisen unternommen (z.B. mit AFS-Perú nach Machu Picchu, dem peruanischen Wahrzeichen). Ich kann den Augenblick, an dem ich dort oben stand bis heute nicht vergessen. Es ist ein atemberaubendes Bild, das sich einem zeigt. Des Weiteren habe ich die ganze nördliche Küste kennen gelernt und bin mit meiner Klasse nach Ecuador gefahren. Fast am Ende meines Jahres habe ich eine Reise in den Süden Perús zusammen mit meiner Gastmutter Zoila unternommen. Es ging an den Titicacasee und bis nach Bolivien. Es war einfach Klasse! Die Landschaft ist atemberaubend und ich bin mir sicher, dass dies nicht meine letzte Reise nach Lateinamerika, vor allem nicht nach Perú gewesen ist. Ich habe dort ein zweites zu Hause bei einer sehr netten Familie gefunden und sehr viele Freunde, mit denen ich bis heute noch Kontakt habe.

Mein Projekt: Englischunterricht an einer Armenschule

Außer Schule und reisen habe ich noch ein anderes Projekt verfolgt, das mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich habe an meinen freien Vormittagen unter der Woche Englischunterricht an einer Armenschule gegeben. Ausschlaggebend war meine zweite Gastmutter, Zoila, die Direktorin in einer staatlichen Schule in einem abgeschiedenen Bergdorf außerhalb von der Stadt Cajamarca ist. Es hat mich sehr gerührt wie freundlich die Leute zu mir waren. Einmal hat mich eine Mutter morgens vor der Schule abgefangen, mir eine Schale mit gekochtem Mais geschenkt und mich gefragt, ob ich ihrem ältesten Sohn, der schon die höhere Schule besuchte, nicht bei den Englischaufgaben helfen könnte. Es war so schmeichelnd wie sie mich mit dem Mais in der Hand gefragt hat. Diese Menschen haben eigentlich nichts und sind so herzensgut, dass es mir wirklich Freude gemacht hat die Kinder zu unterrichten!

Ich möchte auf jeden Fall jedem, der die Möglichkeit hat ein Auslandsjahr zu machen, egal in welchem Land, dazu raten! Es ist eine einzigartige Erfahrung, von der man lange profitieren kann und ich denke das Ganze gibt einem noch einmal den Anlass dazu, seine eigene Welt mit anderen Augen zu betrachten.

Zum Schluss möchte ich mich noch ganz herzlich bei der Metropolregion Rhein-Neckar bedanken, ohne deren Unterstützung ich mein Auslandsjahr niemals hätte machen können. Die Metropolregion hat mir eine einzigartige Chance geboten, für die ich sehr dankbar bin! Außerdem möchte ich mich noch bei AFS für eine tolle Organisation sowie bei dem Komitee Darmstadt (Babs) bedanken. Schließlich möchte ich noch meinen Eltern danken, ohne deren Unterstützung sowieso gar nichts gelaufen wäre und die ich auch sehr vermisst habe! Ich habe euch sehr lieb!