Erfahrungsbericht Auslandsjahr
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Ich rede mehr, laufe langsamer und lache häufiger

Silang, Philippinen, 2017, Schuljahr im Ausland mit AFS-Stipendium

Ich lebe seit Juli 2017 mit meiner Gastfamilie in Danacbunga, Botolan in der Provinz Zambales, die an der Westküste der Insel Luzon liegt.

Ich finde es angenehm so viel Zeit im Freien zu verbringen

Der größte Unterschied zu meiner Wohnung in Deutschland und zu dem Haus hier ist, dass sich hier alles größtenteils draußen abspielt. die Küche ist draußen im Hof, die Waschküche, die Dusche, das Klo und der Fernseher ist auch draußen. Dafür haben die auch andere Haushaltsarbeiten, die ich bei mir zuhause nie gemacht habe, wie Gartenarbeit oder Blätter von den sandigen Gehwegen rechen, die jeden Morgen bei uns reinwehen. Meine Gastfamilie hat auch Tiere im Hof. Die halten immer mindestens ein Schwein und schlachten es an Feiertagen. Es laufen hier immer Hühner, Katzen und Hunde herum. Ich finde es angenehm so viel Zeit im Freien zu verbringen. Meine Nachbarschaft liegt direkt am Strand und ich gehe gerne dort spazieren, bade im Meer oder schaue mir den Sonnenuntergang an.

 

Mein Alltag ist hier viel simpler, aber auch ruhiger. Man muss jeden Tag Wassereimer mit der Wasserpumpe füllen bevor man Duschen geht, das Klo spült man mit auch mit Eimer und die Wäsche wird mit Hand gewaschen. Das kann sehr lange dauern, aber wenn man Gesellschaft hat und sich mit jemanden unterhält, kann es ganz entspannt sein.

Meine Gastfamilie

Meine Gastfamilie teilt sich den Hof mit anderen Familienmitglieder und Verwandte die in den Häusern gegenüber wohnen, und am Tag sieht man zwanzig verschiedene Menschen die immer am irgendwas tun und machen sind.
In dem Haus, in dem ich lebe, wohnen zurzeit acht Personen, von denen manche näher an meinem Gastvater verwandt sind, und manche um weitere Ecken entfernt.

 

Mir gefällt es von einer so großen und lebhaften Familie umgeben zu sein und ich habe meine Gastfamilie super gern, obwohl es schwer am Anfang war diese Bindung aufzubauen, da außer meinem Gastvater und meine große Schwester keiner so wirklich Englisch sprechen kann. Das war aber kein allzu großes Problem für mich, weil das mich sehr dazu gefördert hat Tagalog, die Nationalsprache der Philippinen so gut zu lernen wie möglich, was eines meiner Ziele ist, die ich während des Auslandsjahres erreichen will.

 

Ich habe da so meine persönliche Motivation, weil ich selber philippinische Verwandte habe und so viel von deren Kultur mitnehmen und lernen will wie möglich, aber ich kann es generell jedem Austauschschüler in jedem Land ans Herz legen, wenigstens eine oder die häufigste Sprache von seinem Gastland zu lernen, weil man sich besser in die Kultur integrieren kann und mehr von den Menschen erfährt. Und ich merke auch, dass man so nicht immer als Ausländer behandelt wird. Außerdem freut es die Menschen immer, wenn man ihnen zeigt, dass man sich Mühe gibt,  ihre Sprache zu lernen, trotz der Tatsache, das man die nirgendwo anders spricht und in seinem zukünftigem Leben nichts bringen wird.

 

Ich versuche sogar ein wenig Sambal zu lernen, die eigentliche Sprache dieser Region. Es ist aber ziemlich schwer, weil es wieder eine ganz andere Sprache ist und es kaum schriftliches darüber gibt. Tagalog ist zwar die Nationalsprache der Philippinen, aber für die meisten in meiner Gegend ist Sambal ihre Muttersprache.

 

Umso mehr freut es meine Gastfamilie, wenn ich einfache Wörter und Sätze wie 'Awo' - 'ja' oder 'Ari ka make?' - 'wohin gehst du?' lerne.

Ich war überrascht, wie offen die Menschen hier sind

Es war sehr gewöhnungsbedürftig von so vielen Menschen umgeben zu sein und jeden Tag neue zu treffen. Das Haus ist immer voll, und in dem Dorf kennt mich fast jeder, und ich habe viele neugierige Mitschüler die sich für mich interessieren und sich gerne mit mir unterhalten wollen.

 

Ich war überrascht wie gastfreundlich und offen die Menschen hier sind. Auf der Straße fangen Fremde an sich mit mir zu unterhalten und ich werde regelmäßig eingeladen in Häuser von Nachbarn oder Bekannten Essen zu gehen.

 

Meine Essgewohnheiten zu ändern war schon eine große Umstellung, aber trotzdem einfacher als erwartet. Auf den Philippinen wird sehr viel Fisch und viel Fleisch gegessen. Aber wenn man denen erklärt dass, man Vegetarier oder Veganer oder sonst was ist und man Fleisch und so vermeiden will, haben die keine Probleme damit. Sie werden es zwar nicht verstehen und nicht nachvollziehen können, aber ich habe noch keine negativen Reaktionen bekommen. Dennoch wollte ich von allem Probieren, egal was es ist. Und wenn jemand sich die Mühe macht, etwas für mich zu kochen, will ich nicht nein sagen. Generell ist es hier sehr unhöflich, Essen abzulehnen.

Schule und Freizeit

In den meisten Schulen hier geht der Unterricht bis um 5 Uhr und wenn man nicht eventuell Training in einem Sportverein hat, geht man einfach direkt nach Hause. Am Wochenende geht man manchmal mit Freunden aus der Umgebung an den Strand oder man trifft sich in der Mall und isst was und schlendert in den klimatisierten Gängen herum. Aber sonst wird der Kontakt mit den Freunden meistens per SMS oder Facebook gehalten. In kleineren Orten gibt es sehr wenig außerschulische Angebote. Jedoch ist die Jugendgruppe in der Kirche sehr aktiv und organisiert viele Treffen und kleine Ausflüge. Natürlich wird dort von einem erwartet, auch bei den christlichen Ritualen und Zeremonien in der Kirche mitzumachen, aber mich stört das wenig. Es ist interessant, mit wie viel Leidenschaft die Menschen hier, und darunter auch viele junge Leute, an Gott glauben und was für eine wichtige Rolle Religion und Spiritualität in deren Leben spielt.

Community Service

Unsere AFS Aktivitäten bestanden bis jetzt größtenteils aus Community Service in Schulen und im Markt. Im Dezember hat die Schule, wo mein Gastvater  unterrichtet, ein alljährliches Outreach Programm in einer der von dem Mt. Pinatubo Vulkanausbruch betroffene Dörfer nah an den Bergen organisiert.

 

Wir sind mit einer Gruppe von Schülern und Lehrern 4 Stunden durch den 'Lahar', ein von Asche und Sand durchzogener Graben der von dem Vulkanausbruch in 1991 geformt wurde gewandert, um das Dorf zu erreichen. Das Dorf hieß 'Owaog-Neblok' und man erklärte mir, dass die Menschen, die in den Gebirgen von Zambales leben 'Ayta' genannt werden. Sie sprechen Sambal und die meisten verstehen nur ein bisschen Tagalog. War interessant zu sehen manche Schüler teilweise genauso Probleme hatten, sich mit ihnen zu verständigen.

 
Es wurden dort Gesundheits- und Zahnkontrollen durchgeführt, Haare geschnitten und mit den Leuten interagiert. Die Schüler haben Kleider, Flipflops, Lebensmittel, Zahnpasta, und Süßigkeiten gebracht. Es wurde eine kleine Weihnachtsfeier mit Tänzen und Spielen für die Kinder gehalten und am Abend haben wir dort gecampt. Uns hat es sehr Spaß gemacht und es war interessant, das Leben in einem ziemlich isolierten Dorf zu sehen und über deren Kultur zu lernen.

Ich bin offener und kontaktfreudiger geworden

Mir ist aufgefallen, wie positv eingestellt die Menschen hier sind, auch wenn für uns die Umstände in denen sie leben ärmlich erscheinen. Generell erscheinen mir die meisten hier sehr entspannt und bodenständig.
Und es scheint viel auf mich abgefärbt zu haben. Ich rede mehr, laufe langsamer und lache häufiger. Ich bin auch offener und kontaktfreudiger geworden, so wie viele andere Austauschschüler, egal in welchem Land.

 

Ich bedanke mich sehr an meinem Stipendiengeber, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, diese Erlebnisse zu machen. Der Großteil meines Jahres ist um und bis jetzt ziemlich erfolgreich. Ich hoffe, dass es so bleibt und ich noch mehr gute Gründe finden werde, eines Tages zu den Philippinen zurückzukehren.