Erfahrungsbericht Auslandsjahr
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„It´s more fun in the Philippines“

Ludwig, Philippinen, 2014, Schuljahr im Ausland mit Lausitzer Braunkohle-Stipendium

Am 17. Juli 2014 hab ich mich auf den Weg gemacht, mein Auslandsjahr auf den Philippinen begonnen. Ich kam zusammen mit den anderen deutschen Austauschschülern in der Hauptstadt der Philippinen Manila an. Dort trafen wir auf andere Austauschschüler aus allen Ecken der Welt z.B. Japan, Belgien und Frankreich. In Manila gab es ein erstes Orientierungscamp über die Philippinen. Benehmen, Hygiene und interkulturelle Fettnäpfchen sind nur einige der Probleme mit den wir uns dort auseinandergesetzt haben.

 

Nach diesem kurzen 3-Tage Camp, in dem ich endlich meine ersten Informationen über meine Gastfamilie erhielt, ging es für mich nach Cagayan de Oro, meine neue Heimat für die nächsten 10 Monate, eine riesige Stadt mit circa einer halben Millionen Einwohner, welche sich im Norden der Insel Mindanao befindet. Doch bevor ich meine vielen Erlebnisse auf den Philippinen schildere, möchte ich noch meinen Danke an die Lausitzer-Braunkohle-Stiftung richten, ohne die Folgendes nicht möglich gewesen wäre, vielen Dank.

Es hat sich wie in einem Film angefühlt

Nach dem Flug von Manila nach Cagayan de Oro hat mich meine Gastmutter, mein Gastonkel zusammen mit meinem Bruder abgeholt, nach einer schnellen Umarmung und einem kurzen „Hallo“ wurde direkt ein Selfie geschossen und auf Facebook hochgeladen, wenn man kurz den Alltag eines Philippinos beschreiben müsste, dann wäre es Lachen und Grinsen unabhängig von der Laune der Person und Selfies. Nach dem wir in Mall (Einkaufszentrum) gegessen hatten, sind wir zu meinen neuen Zuhause gefahren, welches sich in einer „Subdivision“ (Wohnanlage / Residenz) befand, also fuhren wir durch ein großes Tor mit Security. Es hat sich wie in einem Film angefühlt.

Das Schulleben

Nach circa einer Woche einleben mit der Familie begann der „Ernst“ des Lebens „Schule“. Anfangs bin ich auf eine kleinere Highschool (Corpus Christi Highschool), die sich in der nähe meines Hause im Uptown-Teil der Stadt befand, gegangen. Dort wurde ich dann der Klasse vorgestellt. Ich war etwas auf geregt aber meine Klasse war mit 22 Schülern relativ klein und Pinoys (so nennen sich Philippinos gerne) sind unglaublich gastfreundlich, vor allem zu Ausländern, das stellt wirklich alles in Schatten, was ich vorher kannte.

 

Schnell hat sich dort der Alltag eingestellt von 7:30 morgens bis 4:30 nachmittags, Der Schulalltag weicht dabei stark von dem deutschen ab. Im Gegensatz zu Deutschland, wo politische, militärische und religiöse Sachen eher außen stehen und im Unterricht objektiv behandelt wurden, hat man hier vor jeder Unterrichtsstunde und Pause ein Gebet. Einmal die Woche wird National- und Schulhymne gesungen und philippinisches Militär Training gibt es auch wöchentlich, im letzten war ich nicht beteiligt wegen der Richtlinien von AFS doch die anderen Sachen waren mein Alltag.

Super nette Diskussionspartner

Anfangs war die viele Religion, für mich als evangelisch erzogene Person, doch ein wenig zu viel aber ich hatte mir ja schließlich ein Land ausgesucht mit 81% Katholiken und 9,5% andere christlichen Religion ausgesucht. Mittlerweile hab ich kein Problem mehr damit, obwohl es manchmal im Unterricht ungewöhnlich war, Evolutionstheorie und Schöpfung auf eine Stufe gestellt zu sehen und dass beides ernst diskutiert wurde aber ich kann sagen, dass man für ein Thema immer gute Diskussionspartner hier finden kann, die super nett und objektiv sind!

 

Eine andere Sache die mir auch Schwierigkeiten bereitet hat ist die „Philippinozeit“ . Die Pinoys sagen selbst es gibt philippino-, amerikanische- und deutsche Zeit, was heißen soll, dass bei Philippinos zu spät kommen Alltag ist, vor allem wenn man sich mit Freunden verabredet zum „rumhängen“ in der Mall sind ein oder zwei Stunden nach verabredeter Zeit nichts. Mit der Zeit habe ich mich dran gewöhnt aber bin immer noch der, der wartet und nicht der, der andre warten lässt.

Schulwechsel - neue Möglichkeiten

Nach circa 4 Monaten, also nach Ende der ersten beiden Vierteljahre habe ich aber von der Highschool auf die Xavier University – Ateneo de Cagayan, die größte Uni in meiner Stadt, mit ca. 10000 Studenten, gewechselt, da der Anspruch in einer 10. Klasse einer Highschool nicht der war, den ich anstrebte, nach dem ich in Deutschland die 11. Klasse des Gymnasiums abgeschlossen hatte. Immerhin hab ich nächstes Schuljahr in Deutschland die Abiturprüfungen vor mir und für die will ich vorbereitet sein. Auch hab ich jetzt nach dem Wechsel viel mehr Freizeit und kann mich mehr mit Pinoys in meinem Alter unterhalten und austauschen. In dieser Community hab ich auch viel mehr Möglichkeiten etwas mit meinen Klassenkameraden außerhalb der Schule zu machen, wogegen das Leben eines Highschoolschülers nur in der Schule abspielt und Treffen am Wochenende eher untypisch sind.

Meine Gastfamilie ist wirklich das Beste, was ich mir hätte vorstellen können

"Was lange währt wird endlich gut": normaler Weise bekommt man erste Information über die Familie 4 Wochen vor der Abreise mit Fotos, Beschreibung und Mailadresse zum ersten Austausch, ich bekam meine Familie während den ersten Tagen auf den Philippinen. Aber dafür ist sie wirklich das Beste, was ich mir hätte vorstellen können. Ich hab zum ersten Mal einen großen Bruder, in Deutschland habe ich nur ein große Schwester, und auch kleine Gastgeschwister, in dem Haus leben auch noch entferntere Verwandte, Großeltern, Gastcousine und Gastonkels, wie es auf den Philippinen typisch ist.

 

Vor allem meinen großen Gastbruder, Dave, habe ich sehr lieb gewonnen, wir sind jetzt in dem selben Kurs in der Universität, „mechanical engineering“ (BSME) vergleichbar mit Maschinenbau und ich liebe es, mit ihn über Technik zu fachsimpeln auch wenn er schon im Abschlussjahr seines Studiums ist. Auch mit meinem kleinen Bruder (David oder sein Spitzname Dabo) versteh ich mich sehr gut er spricht fast nur Englisch und eher weniger Bisaya, der Dialekt der philippinischen Sprache, der in meiner Region gesprochen wird.

 

Durch meine kleinen Gastgeschwister/-cousinen, Debbie, Dabo und Wayne, kann ich auch besser die Position meiner leiblichen großen Schwester in Deutschland verstehen, ich weiß jetzt, wie es in der Position des großen Geschwister ist: Aufpassen, Unterrichten und den Kleinen helfen bei Dingen, die sie noch nicht selbst können wie Schuhe zubinden. Ich hab versucht, ihm das Schwimmen bei zu bringen. Ich lernte auch starke Nerven zu haben, wenn der Kleine mal schreit und nicht kriegt, was er will.

Ich hab schon jetzt so viel gelernt...

Wenn man sich in ein Auslandsjahr begibt hat man auch immer Clinches oder Erwartungen im Kopf. Eine Erwartung von mir war, dass Pinoys jeden oder jeden zweiten Tag schwimmen gehen und ihr Meer und Strand genießen immerhin bestehen die Philippinen aus mehr als 7000 Inseln, doch fast das komplette Gegenteil ist der Fall. Viele Philippinos können nicht einmal Schwimmen und man geht auch nicht oft zum Strand, viele meiner Austauschschüler und ich fanden das so schade, dass wir uns mindestens einmal im Monat treffen und gemeinsam zum Strand fahren, man will wohl immer nur das, was man nicht hat.

 

Zum Ende hin kann ich nur sagen, dass ich mich auf die restlichen 5 Monate sehr freue und hoffe, die Sprache und die Kultur noch besser kennen zu lernen. Ich hab schon jetzt so viel gelernt und Diskussionen geführt auch mit anderen AFSern aus der ganzen Welt, von alltäglichen Sachen, wie das „blessen“ (eine Geste gegenüber Respektspersonen in der man die Hand der Person zu seiner Stirn führt und dabei den Kopf senkt), einfache Gerichte zu kochen oder einfach nur die Natur der Philippinen zu genießen. Ich muss aber auch sagen, dass ich nur einen Auszug meiner Erlebnisse berichten kann, weil in 5 Monaten in einem fremden Land einfach zu viel passiert! Abschließend will ich nur den Slogan der Philippinen rezitieren „It´s more fun in the Philippines“.