• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Ein starker Outcome für ALLE Beteiligten

Martin, Südafrika, Republik, 2014, Lehrer im Ausland / Calabash

Im November 2014 hatte ich Gelegenheit, Calabash Tours und seinen Geschäftsführer Paul Miedema in Port Elizabeth zu besuchen und kennen zu lernen. Durch einen ehemaligen AFSer, der heute für die GIZ in Südafrika arbeitet, sind wir auf Calabash Tours aufmerksam geworden. Einen Tag lang fuhren Paul und ich durch Port Elizabeth und tauschten uns zu Themen rund um Freiwilligendienst und eine Kooperation aus. Was ich dort erfahren und gesehen habe, möchte ich im Folgenden berichten.

Über Calabash Tours und die Gründungsmotivation

Paul wurde in Port Elizabeth - oder PE wie man in Südafrika sagt - geboren und hat eine starke Verbundenheit zu "seiner" Stadt. Als Aktivist im Anti-Apartheidskampf, kam er mit dem Leben in den Townships in Kontakt. Die Situation seiner Mitmenschen und die Herausforderungen der Transformation der südafrikanischen Gesellschaft nach dem Ende der Apartheid 1990, waren und sind sein Ansporn. Nach seinem Studium der Soziologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungstheorie, gründete er daher Calabash Tours. Es verbindet Freiwilligenarbeit und Tourismus mit Armutsbekämpfung und Entwicklungsarbeit. Bis heute hat die Organisation verschiedene Auszeichnungen und Siegel, unter anderem als ‚Fair Trade Tourism‘- und ‚Green Destination‘-Anbieter, erhalten. Damit hebt sich Calabash Tours von vielen anderen Anbietern im Freiwilligendienst in Südafrika ab.

 

Calabash Tours wird von Paul und seiner Frau Thandi geleitet. Sie fühlen sich ihren Projekten und den Gemeinden, in denen sie arbeiten, stark verbunden. Freiwilligendienst muss für sie einen starken Outcome für ALLE Beteiligten haben. Das Geld, das die Teilnehmer zahlen, geht daher zu circa einem Sechstel, direkt als "Contribution" oder indirekt an die teilnehmenden Projekte. Das bedeutet, dass entweder Materialien zur Unterstützung der Aktivitäten der Freiwilligen für das Projekt gekauft werden oder es am Ende des Aufenthalts zu einer direkten Zahlung an die Projekte kommt. Paul machte mir deutlich, dass er in jedem Freiwilligen eine Ressource sieht, die es gilt, für beide Seiten sinnvoll in einem Projekt einzusetzen. Das bedeutete, dass er mir verschiedene "Skills und Activities" erklärte, wie Freiwillige sich in einem Projekt einbringen können. Das Armuts-/ Entwicklungskonzept von Calabash betont einen diversifizierten Blick, der es ermöglicht, den Reichtum einer Gemeinschaft jenseits westlicher Wertmaßstäbe zu betonen und zu fördern. Dieses Konzept bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Projekten. Ziel ist eine Lösung aus der Lethargie der Armut hin zu einem aktiven und stolzen Handeln zur Verbesserung der eigenen Lebensumstände.

 

Calabash finanziert sich im Wesentlichen durch touristische Angebote für verschiedene Zielgruppen (unter anderem Kreuzfahrtgäste). Mit ihnen unternehmen sie Townshiptours. Im Rahmen dieser Touren versucht man die lokalen Beteiligten, zum Beispiel Schulen, Tanzgruppen, Künstlergruppe- oder Ältere profitieren zu lassen. Dies wird durch den Verkauf eigener Produkte oder durch eine gemeinsame Mahlzeit/Bewirtung gewährleistet.

Verschiedene Projekte

Wir haben eine Schule besucht mit der Calabash zusammenarbeitet. Dort trafen wir den Direktor und die Betreuungsperson der Freiwilligen an, die als Lehrerin in der Schule arbeitet. Sie berichteten von der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit Freiwilligen in der Vergangenheit und signalisierten eine hohe Bereitschaft für den Ausbau der Zusammenarbeit. Des Weiteren trafen wir eine Mitarbeiterin des Calabash Trust, die sich um die Gartenprojekte kümmert. Diese werden an den Schulen gemeinsam mit den Eltern der Schüler_innen betrieben. Sie dienen zum Einen der Versorgung der Schule mit Nahrungsmitteln, zum Anderen als Lern- und Beteiligungsfeld für die Eltern. Der Ansatz der Permakultur sichert zudem langfristig den Erhalt der Biodiversität sowie die Begrünung des Schulgeländes. Zudem hofft man, dass Eltern sich in ihrem Zuhause eigene Gärten anlegen.

 

Danach besuchten wir eine "Elder Women"-Gruppe, die Teil der Townshiptours ist. Paul fragte Erwartungen für den Besuch einer Gruppe von Krankenschwestern ab und klärte Organisatorisches –ein netter Einblick in seine Arbeit. Anschließend fuhren wir weiter zu einem HIV-/Aids-Projekt. Dies liegt in einem sozial schwachen Township, weit außerhalb der Stadt. Hier arbeiten Sozialarbeiterinnen und Krankenschwestern, um Menschen aus dem Township zu unterstützen. Dies kann in unterschiedlichster Form erfolgen. So werden Hausbesuche unternommen, bei Behördengängen unterstützt oder Arztbesuche organisiert. Des Weiteren betreibt das Projekt einen Kindergarten.

Erlebnis der Freiwilligen

Wir trafen dort auf drei aktuelle Freiwillige von Calabash. Sie stammten aus Großbritannien und waren für sechs Wochen hier in PE. Sie berichteten, dass sie sich trotz der komplexen und herausfordernden Umgebung sehr sicher und von Calabash sehr gut betreut fühlten. Sie wurden täglich zum Projekt gefahren und übernachteten in einem Hotel in der Stadt, von dem sie auch ein Lunchpaket erhielten. Dies teilten sie mit den Angestellten, wie sie berichteten. Leider ist das Projekt aktuell ohne finanzielle Unterstützung und daher fehlt es an allem.

 

Die meisten Freiwilligen von Calabash werden in Hostels oder Hotels untergebracht. Falls Teilnehmer den Wunsch haben im Township zu wohnen, bietet Calabash gegen einen Aufpreis an, am Wochenende in einem Backpacker-Hotel in der Stadt zu übernachten.

Fazit:

Calabash Tours ist eine Organisation mit einem glaubhaften und persönlichen Anliegen, die Freiwillige zur Unterstützung ihrer Projekte einsetzt. Sie zeichnet sich durch eine große Verbundenheit mit den Projekten und Gemeinden aus, in Verbindung mit großem Verantwortungsbewusstsein ihnen gegenüber. Die passgenaue Auswahl der Projekte und Freiwilligen ist ein großes Plus. Paul und seine Crew sorgen zudem während des Aufenthalts für eine sehr gute Betreuung der Teilnehmer_innen und somit eine hohe Zufriedenheit.