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Ein Jahr ohne seine richtige Familie kann nur positiv sein

Lisa, Russische Föderation, 2009/10,

Ein Jahr ohne seine richtige Familie kann nur positiv sein

Hallo,mein Name ist Lisa. Ich bin 16 Jahre alt und habe mich für 10 Monate Russland entschieden und die Kreuzbeger-Kinderstiftung hat es möglich gemacht.

Krasnodar ist meine Stadt geworden. Sie liegt sehr nah am Schwarzen Meer und ist wunderschön. Man kann dort sehr viel unternehmen. Russland war meine Erstwahl und ich habe es nicht bereut, klar gibt es auch hier Probleme, aber die gibt es in jedem Land. Man wird hier sehr offen empfangen und die Menschen interessieren sich für einen, weil sie in ihrem Leben kaum Leute aus anderen Ländern gesehen haben. Ich bin in dieses Land gegangen ohne der Sprache und den Buchstaben mächtig zu sein. Es ist natürlich sehr hilfreich, wenn man es vorher kann, aber ich zum Beispiel habe ich mich mit Englisch sehr gut verständigt. Das war nur Glück, denn nicht viele Menschen in Russland können Englisch sprechen, wenn dann nur die Jugendlichen und die auch nicht sehr gut. Anfangs dachte ich, ich schaffe es nicht in einem Jahr Russisch zu reden, denn alles war neu für mich, aber mittlerweile kann ich schon reden, sprechen und verstehen zwar nicht perfekt, aber so dass mich viele verstehen und ich gut auskomme . Ich hätte das nie geglaubt wenn ich es nicht selber erlebt hätte.

Meine neue Familie

Meine neue Familie, die ich schon wie meine richtige Familie akzeptiere, hat mich aufgenommen und mich sofort akzeptiert Sie haben mir sofort die Stadt gezeigt und gezeigt, wie stolz sie auf ihr Land sind, was ich sehr bewundere, trotz der vielen Probleme hier. Mein kleiner Bruder, er ist 8 Jahre, ist für mich manchmal sehr anstrengend, denn zu Hause in Deutschland habe ich nur eine Schwester, die älter ist als ich. Ich habe aber hier ja noch eine Schwester sowie Mama und Papa. Es mag sein das es manchmal zu einem Streit kommt aber das geht jeder Familie mal so und der wird dann auch schnell wieder vergessen. Meine russische Schule, besser Schulen, denn da ich der Sprache nicht mächtig bin, gehe ich in die Grundschule, in die zweite Klasse und zum anderen auf eine Art von Realschule, in die zehnte Klasse. In beiden Schulen tragen sie alle eine Uniform, in der Grundschule war es mir überlassen, ob ich sie trage oder nicht, aber in der anderen trage ich ein weißes T-Shirt und eine schwarze Hose. Auch müssen die älteren Kinder samstags zur Schule, haben dafür aber im Sommer mehr Ferien als wir . Wenn eine Stunde beginnt, stehen alle Schüler auf und begrüßen den Lehrer, erst wenn er sagt, wir dürfen sitzen: dürfen wir sitzen! Die Unterrichtsfächer sind in Russland auch sehr verschieden, da kommt es auch wieder zum Ausdruck, wie stolz sie auf ihre Land sind, denn es gibt 3 Geschichtsfächer : zum einen über die Welt, nur Geschichte Russland und das letzte ist die Region.

Die Russen legen auch sehr viel Wert auf ihre Sitten und Bräuche. Ich erinnere mich mit einem Lächeln daran, wie mir einmal das Salz umgekippt war und meine Schwester gleich darauf Zucker hinterher geworfen hat, weil es sonst Unglück gibt. Zum anderen, wenn wir auf eine Reise gehen, packen wir normal unser Gepäck und ziehen und Sachen an. Jetzt kommt das Lustigste: Wir setzen uns alle an Tisch, mit samt Sachen und sagen 1 Minute nichts und stehen dann auf als wäre nichts gewesen. Das soll gut für die Reise sein, damit wir kein Unfall oder sonst was passiert. Was ich sehr an Russland liebe, ist das gute Essen. Mir haben viele gesagt, dass man in Russland gute 10 Kilogramm zunimmt, aber ich denke das kommt drauf an, wie viel man isst, wobei man am Anfang kaum aufhören kann. Sie essen viel mit Teigtaschen und drinnen sind dann verschiedene Füllungen wie zum Beispiel Kartoffelbrei oder Fleischsorten. Auch sehr lecker sind Eierkuchen, die mit Quark gefüllt sind. Zu Silvester, das gleichzeitig auch Weihnachten ist, isst man Ente .Weihnachten ist hier schon eine komische Sache, da es zwei Feste an einem Tag sind. Am Abend so gegen 19 Uhr kommt dann der Opa (Weihnachtsmann) mit dem Frostmädchen. Dann werden Geschenke ausgetauscht und dann um 0 Uhr ist Silvester. Es war für mich sehr lustig da ich wusste zwei Stunden später haben erst meine Eltern Silvester.

Kommunikation über Skype

Eltern ist ein gutes Thema, man kann hier eigentlich nur durchs Internet ungestört reden ohne sich Sorgen zu machen, denn mit dem Telefon ist es sehr teuer. Meine Gasteltern haben Skype auf ihren Computer, das kann man sich runterladen, so kann ich meine Eltern sehen mit einer Kamera und mit ihnen reden. Was ich aber nicht sooft mache da ich mich auf mein Russisch konzentriere.

Kommen wir mal zu dem russischen Transport, der hier sehr veraltet ist, aber dafür sehr billig. Es gibt zum einen eine Straßenbahn wie bei uns auch ,aber es gibt hier so eine Art von Kleinbussen die bei uns nur zum Transport für Pakete oder so was verwendet werden. Diese Kleinbusse sind nicht sehr komfortabel, da viele damit fahren und eigentlich nur für max. 20 Personen geeignet sind, aber es kommt vor das gute 40 Personen drin sitzen und stehen. Dann wenn man aussteigen will, muss man es laut schreien und dann noch in Russisch. Es gibt auch keine richtigen Stationen man kann sagen, wo man aussteigen will und der Busfahrer hält dann an. Wenn es dann in diesem kleinen Bus voll ist und man nicht selber das Geld dem Fahrer geben kann, gibt man es einer fremden Person und man reicht es weiter zu ihm. Es war eine schöne Erfahrung für mich wie fremde Personen einen vertrauen, auch wenn es nicht viel Geld ist. Bei der Fahrt sieht man viele alte kleine Häuser, die sehr herunter gekommen sind, denn die Russen legen keinen Wert auf Äußeres sondern mehr auf das was drinnen steht. Also von Außen sind sehr wenige Häuser hübsch, aber wenn man dann reinkommt ist man total überrascht, wie schön es hier ist. Es gibt auch Viertel, wo Arm und Reich bei einander wohnen. Dann steht da zum einem eine Villa und das nächste Haus verfällt fast, aber das ist nicht überall so. Was mich am meisten erschrocken hat, waren die Straßenhunde. Sie taten mir so leid, weil sie kein zu Hause hatten. Ich werde mich daran nie gewöhnen, aber irgendwann schaut man einfach mal nicht mehr hin den machen kann man eh nichts.

Andere Frauenrolle

Auch gibt es hier ein Unterschied zwischen Mann und Frau, der mich manchmal sehr verwirrt. Hier sind die Männer immer die Guten, egal was sie machen. Wenn eine Frau in einer Sache besser ist als der Mann wird das nicht zur Kenntnis genommen, aber anderes rum ja. Das Unterwürfige ist hier manchmal sehr stark zu spüren. Manche Jungen sind auch verwirrt, wenn ich ihnen meine Meinung sage oder einfach mal nein sage, denn sie sind es nicht gewöhnt.

Der Rest ist für mich nur positiv, den Russland ist ein sehr schönes Land. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich gewisse Vorurteile hatte. Manche sind wahr, manche nicht. Falsch ist das die Russen viel Wodka trinken, klar sie trinken mehr als normal, aber nicht jeden Tag außer die Alkoholiker! Wahr ist aber, dass Russland kalt ist, dazu muss man aber auch sagen nur im Winter. Hier gibt es ein richtigen Winter und ein schönen Sommer. Ich denke das Beste ist, dass man einfach sich alles anguckt ob gut oder schlecht . Das mit der Selbstständigkeit lernt man hier auch sehr schnell. Ich habe zum Beispiel gelernt wie man seine eigene Wäsche wäscht und etc…

Jeder soll sich seine eigene Meinung bilden

Ich denke auch, ein Jahr ohne seine richtige Familie kann nur positiv sein. Also ich rate jedem der nach Russland geht, macht es und zögert nicht, denn es lohnt sich sehr. Man gewinnt viele Eindrücke und andere Sitten und Traditionen. Ich mag nicht zuviel sagen über Russland, denn jeder muss sich seine eigene Meinung bilden und in jeder Stadt mag es komplett anderes sein, aber für mich ist Russland mein zweites zu Hause, wo ich jeder Zeit wieder hingehen kann und weiß dort ist jemand der mich liebt.