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Ich werde wiederkommen

Pauline Charlotte, Russische Föderation, 2012/13, Schuljahr im Ausland mit dem Dieter-Schwarz Stiftung-Stipendium

Ich werde wiederkommen

Es ist merkwürdig wie schnell die Zeit, dieses Jahr vergangen ist. In den ersten 3 Monaten denkt man, dass es noch ewig hin sei bis zur Rückkehr aber nach einem halben Jahr, nach dem langen Winter geht es plötzlich rasend schnell. Man wundert sich im Nachhinein wo die ganze Zeit hin ist.

Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin kommt mir alles, meine Freunde, mein Leben dort so weit weg und so lange her vor, dabei ist gerade mal ein Monat vergangen. An den ersten Tagen in Deutschland kam mir alles noch ein wenig komisch vor. Ich habe mich so sehr an mein Leben in Russland gewöhnt, dass alles wie es dort war zur Normalität geworden ist und ich deswegen jeden kleinen Unterschied zur Kenntnis genommen habe und verglichen. Ich möchte immer vergleichen und sagen: „ In Russland ist das aber....“. Andere Leute verstehen es nicht, sind schnell genervt davon.

Nur man selbst hat sich verändert

Im allgemeinen habe ich wieder sehr schnell in mein Leben in Deutschland gefunden. Ich habe oft gehört dass nach einem Austauschjahr sich für einen Zuhause alles verändert haben soll, dies kann ich nicht bestätigen. Nach einer Woche ist man schon total im alten Alltag und denkt: „Bis auf ein paar Äußerlichkeiten hat sich hier im Grunde nichts verändert.“ Nur man selbst hat sich verändert.

Ich bin der Meinung, dass mehr Menschen einen Austausch machen sollten. Es bringt nicht nur neue Kenntnisse, Freunde mit sich sondern auch viel für einen selber. Es hilft bei der „Selbstfindung“, heraus zu finden, zu akzeptieren wer man wirklich ist. Ich denke man erfasst den richtigen Wert erst nach Jahren. Solch ein Ereignis/Jahr vergisst man nicht einfach nach einem halben Jahr, man verarbeitet es sein Leben lang.

Viel Neues und Aufregendes erlebt

Natürlich ist mein Jahr in Russland nicht so verlaufen wie ich es mir vorgestellt habe, aber das ist wohl normal. Ich habe so viel Schönes, Neues und aufregendes erlebt. Es war nicht immer schön, es war teilweise auch sehr schwer. In den ersten 3 Monaten war es am schwierigsten für mich. Ich kannte noch niemanden, konnte die Sprache nicht und dachte die wären sowieso nicht an mir interessiert. Dadurch, dass meine Klassenkameraden (die meißten Russen, welche ich kennen gelernt habe) kein oder kaum Englisch sprechen konnten war es noch schwieriger sich mit ihnen zu unterhalten. Man muss geduldig sein und offen auf sie zugehen, fragen ob sie Lust hätten mal etwas nach der Schule zu unternehmen.

Es war anfangs oft sehr langweilig, wenn ich mit ihnen spazieren gegangen bin, weil ich mich in die Unterhaltungen nicht richtig einbringen konnte, aber das gibt sich irgendwann. Ich habe oft nachgefragt was bestimmte Wörter bedeuten und wenn ich es bei dem nächsten Mal wieder gefragt habe, wurden sie manchmal genervt und meinten ich könne mir gar nichts merken oder meinten: „ Wie kannst du das denn nicht wissen?“ Natürlich zogen mich solche Bemerkungen runter, machten mich traurig und gaben mir das Gefühl minderwertig zu sein.

Kommunikation und Freundschaften

Das ist sehr frustrierend aber man darf es nicht so persönlich nehmen. Ich hatte einige Zeiten in denen ich glaubte gar keinen Fortschritt gemacht zu haben. Menschen, die nicht das Gleiche durchgemacht haben können es nicht einschätzen wie schwierig es ist eine neue Sprache zu lernen, in einer fremden Umgebung ohne Freunde oder Familie.

Ich habe sehr viel mit den anderen Austauschschülern aus meiner Stadt unternommen. Dadurch dass meine Gastfamilie nicht wie eine richtige Familie für mich war, mir das zu Anfang auch gesagt hat waren sie der Ersatz als eine Familie. Es ist toll Freunde zu haben, die genau das selbe durchmachen. Das verbindet enorm und ich habe Freundschaften fürs Leben geschlossen. Wir haben uns leider fast immer auf Englisch unterhalten, weil es einfacher war, manche von ihnen nicht Russisch sprechen und es auch nicht lernen wollten. Das war sehr schade ansonsten wären meine Russischkenntnisse wohl noch besser. Deswegen ist es auch sehr wichtig russische Freunde zu haben und nicht immer nur mit den Austauschschülern zusammen zu hängen.

Abschied von meinen Freunden

Ich habe erst relative spät realisiert, dass meine russischen Freunde wirklich wie Freunde sind, nicht nur Schulkameraden mit denen ich ab und zu mal etwas unternehme. Für mich war es relativ schwer Freunde zu finden und ich muss sagen, dass ich persönlich es leichter finde mit russischen Jungen wirkliche Freundschaft zu schließen als mit russischen Mädchen. Ich kann es nicht erklären aber typische Russinnen sind etwas schwierig, kommen mir etwas oberflächlich und oft sehr unabhängig vor. Ich hatte auch Mädchen als Freunde aber generell waren es mehr Jungs. Meine Freunde haben mir zum Abschluss ein Fotoalbum geschenkt und sind sogar morgen um 6 Uhr mit zum Bahnhof gekommen um mich zu verabschieden.

Zu meinen schönsten Erinnerungen gehören die Camps mit den anderen AfSern, das russische Neujahrsfest, mein Klassenausflug nach St. Petersburg, die russische Banja und die letzen 3 Tage in Russland. Vor allem das Endcamp in Moskau, wo man sich mit allen anderen Austauschschülern getroffen hat, die in Russland waren. An die anfangs schweren Sachen gewöhnt man sich schnell wie Busfahren ohne Fahrpläne, Einkaufen und Geldumrechnen, das Essen und ältere Menschen mit Respekt zu begrüßen/behandeln.

Russisch ist eine schöne Sprache

Ich bereue es nicht nach Russland gegangen zu sein und werde irgendwann auch wieder dorthin zurück gehen. Russisch ist eine schöne Sprache und das Gefühl welches man bekommt wenn man ein russisches Lied hört oder Menschen auf der Straße Russisch sprechen hört und es verstehen kann ist überwältigend.

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bedanken bei dem Stipendiengeber, dass sie mir diese einmalige Chance gegeben haben.