Schüleraustausch auf Chinesisch
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Schüleraustausch in China: Ein Jahr schweigen?

Wer sich mit Schüleraustausch beschäftigt, bemerkt relativ schnell, dass die Vielfalt der Länder riesig ist: Von den USA bis Südafrika, von Großbritannien bis China.

 

Moment mal. China? Viele stutzen spätestens hier und fragen sich, wie das möglich ist. Ein Austausch in einem so fremden Land, mit einer der schwersten Sprachen der Welt, von der es heißt, dass sie unmöglich zu lernen sei? Und das dann auch noch als Jugendlicher?

 

Wie funktioniert das also? Genau das haben wir uns von unserer ehemaligen Teilnehmerin Lea erklären lassen, die 2010/2011 ein Schuljahr in Changzhou, China verbracht hat. In einer dreiteiligen Serie berichtet sie von der Herausforderung der Sprache, was Schüler die nach China möchten mitbringen sollten und wie das Schuljahr in China sie und ihren weiteren Lebensweg geprägt hat.

Lea, du warst 17 Jahre alt, als du ins Austauschjahr gegangen bist. Wie ist es zu der Idee gekommen, nach China zu gehen?

Die Tochter meiner Patentante war mit AFS im Schüleraustausch in Thailand. Daher war Schüleraustausch von Anfang an für mich mit der Vielfalt der Welt verknüpft. Und ich wusste aus ihren Erfahrungen, dass man auch ein Austausch machen kann, ohne ein Wort der Sprache zu können.


Für mich war immer klar: Hauptsache weg und bitte nicht in die USA. Ansonsten war ich offen für alles.

 

Auf der Auswahl war dann eine Teilnehmerin, die gerade aus ihrem China-Jahr zurückgekehrt war und die enthusiastisch davon berichtet hat. Bei der Länderauswahl habe ich dann alle Länder, die ich spannend fand angekreuzt. Dabei war auch China. Als in dem Brief mit der Länderzusage dann „China“ stand, war das doch erst mal ein kleiner Schock. Aber was soll’s, ich wollte doch Abenteuer.

 

Als du dich für China entschieden hast, konntest du also kein Wort Chinesisch. Wie hast du dich dann auf das Jahr vorbereitet?

Als ich wusste, dass es nach China geht, habe ich einen VHS-Kurs belegt, der drei Stunden die Woche ging. Dort habe ich viel über die Schriftzeichen gelernt. Davon gibt es etwas mehr als 150 recht einfache Grundzeichen wie Wasser, Hand, Dach, usw. Die muss man einfach auswendig lernen. Dann wird vieles einfacher, weil sich die meisten Schriftzeichen aus diesen Grundzeichen zusammensetzen.

 

Ich habe um Ostern herum noch einen Intensiv-Sprachkurs gemacht. 10 Tage lang haben wir dort durch ganz viele verschiedene Methoden und Spiele Chinesisch und die chinesische Kultur kennengelernt. Danach konnte ich zwar kein Chinesisch, aber ich hatte ein gutes Verständnis von der Sprache bekommen. Das hat mir später unheimlich weiter geholfen.

Wie war es dann im Alltag, nach deiner Ankunft? Wie hast du dort Chinesisch gelernt?

Am Anfang war es schwer, weil meine Gastfamilie viel Englisch mit mir sprechen wollte. Das erste halbe Jahr habe ich deswegen viel zu viel Englisch gesprochen.

 

Nach sechs Monaten habe ich die Gastfamilie gewechselt, weil es nicht mehr gepasst hat. Meine neue Familie konnte kein Wort Englisch. Auf einmal brauchte ich es dann einfach.

 

Meine chinesischen Gastschwestern waren sehr hilfreich: Sie haben mich einfach gelöchert mit Fragen und nicht aufgehört. Sie haben einfach so lange geredet, bis ich geantwortet habe. Dadurch habe ich dann einfach angefangen zu sprechen.

 

Nach den Ferien konnte ich Chinesisch. Nicht perfekt, aber so, dass ich mich gut verständigen konnte.
Außerdem bekommt man von AFS in China einen Sprachkurs. Der kann zwar sehr unterschiedlich aussehen, aber in meinem Fall hat der Schuldirektor es als Ehre angesehen, mich jeden Tag zwei Stunden in Chinesisch zu unterrichten.

Das klingt intensiv, aber auch so, als hätten es alle sehr geschätzt, dass du dich bemühst die Sprache zu lernen.

 

Ganz genau. Mir fehlten zwar im zweiten Halbjahr noch Vokabeln und auch grammatikalisch war nicht alles perfekt, aber alle fanden es toll, dass ich die Sprache lernen wollte und haben mich unterstützt. Chinesen wissen, dass ihre Sprache nicht einfach ist und fühlen sich geehrt, wenn der Gegenüber versucht, die Sprache zu erlernen. Auch wenn er nicht perfekt ist.

Was ist das Besondere an Chinesisch?

Chinesisch ist eine Tonsprache, das macht es schwieriger sie zu lernen. Und ich bin überzeugt, dass man sie nur wirklich gut in China selber erlernen kann. Das geht nicht von einer CD. Die Töne muss man hören und nachmachen.

 

Das Tolle ist, dass Chinesisch fast keine Grammatik hat. Es gibt ganz viele Redewendungen und nur eine Satzstruktur. Man muss sich keine Zeiten, keine Anpassung an Personen, kein Konjunktiv merken.

 

Französisch fand ich zum Beispiel viel schwerer in seiner komplexen Grammatik. Da ist mir Chinesisch deutlich lieber. Es ist halt nur viel auswendig lernen. Aber irgendwann hat mir das richtig Spaß gemacht. Und das funktioniert ja auch einfach besser wenn man noch jünger ist.

Aber heißt es nicht, dass die Töne so ähnlich sind, dass man schnell ein völlig falsches Wort sagt?

 

Doch, doch. Die Töne sind so ähnlich, dass es einem schnell passiert, dass man mal was völlig anderes sagt als man meint. Aber das passt dann oft nicht in den Kontext und die Chinesen sind super darin zu verstehen was man eigentlich meinte. Dann muss man schon mal zusammen lachen, wenn man den Fehler verstanden hat. Deswegen ist das überhaupt kein Problem.

Das klingt ziemlich spannend. Dankeschön für deine Zeit. Weißt du schon, was du als nächstes in Angriff nehmen möchtest?

 

Ich finde Arabisch als Sprache unheimlich faszinierend. Und ich glaube, dass mir mein Chinesisch dort weiterhilft. Inzwischen habe ich einfach ein ganz anderes Verständnis von Sprache.

Lust bekommen auf einen Schüleraustausch in China?

Im zweiten Teil der Serie geht es um die Voraussetzungen die Schülerinnen und Schüler für ein Schuljahr in China mitbringen sollten, warum Selbstbewusstsein wichtig ist und welche Stipendien es für China gibt.

 

Du hast selbst Lust auf ein Austauschjahr? Dann bewirb dich auf das Abenteuer deines Lebens. China wartet auf dich! Zum Bewerbungsportal

 

Ein Jahr ist dir zu lang? Dann schau doch mal bei unseren Kurzzeitprogrammen rein.