Schüleraustausch oder Freiwilligendienst
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Schüleraustausch, Freiwilligendienst oder Auslandsstudium?

Wer die Welt entdecken und Auslandsabenteuer erleben möchte, steht schnell vor einer Fülle von Möglichkeiten:

 

Schüleraustausch oder doch einen Freiwilligendienst? Oder lieber ein Auslandsstudium? Und was sind eigentlich die Vorteile der verschiedenen Möglichkeiten von Auslandsaufenthalten?

 

Sophia hat alle Optionen selbst erlebt: Einen Schüleraustausch in Schweden, einen Freiwilligendienst in Ghana, ein Studium in Lettland und ein Erasmussemester in Frankreich.

Sie ist eine echte Weltentdeckerin und hat sich bereit erklärt, uns im Interview Frage und Antwort zu stehen.

Sophia, du bist 23 Jahre alt und dafür ganz schön viel auf der Welt herumgekommen. Magst du uns kurz sagen, wo du überall schon für längere Zeit warst?

 

Hej! Kein Problem, gerne! Mit meinem ersten längeren Auslandsaufenthalt ging es 2011-2012 mit einem AFS-Schüleraustausch für ein Jahr nach Uppsala, Schweden. Als ich nach tollen elf Monaten wieder in Deutschland ankam, war für mich eigentlich sofort klar: Das machst du nochmal!
 
Deswegen bewarb ich mich nach dem Abitur abermals bei AFS – diesmal für den Internationalen Jugendfreiwilligendienst in Ghana (2014-2015). Da verbrachte ich nochmal spannende elf Monate in einer anderen Kultur, und wieder wurde mir bewusst, dass ich nicht genug davon bekommen konnte.
 
Also schrieb ich mich auch nicht für mein Studium in Deutschland ein, sondern schickte meine Bewerbung nach Lettland, und fing im September 2015 an, in Riga zu studieren.
 
Da ich mir als aktive Weltenbummlerin natürlich auch das Erasmusprogramm nicht entgehen lassen konnte, verbrachte ich das letzte Semester dann auch noch in Frankreich. Seit Ende August bin ich jetzt gerade allerdings wieder in Riga, um meinen Bachelor fertigzumachen.  

Wow, das sind wirklich vielfältige Erlebnisse. Fangen wir vorne an: Warum hast du dich damals für einen Schüleraustausch entschieden?

Meine Eltern beschlossen 2006 AFS Gastfamilie zu werden. Damals bekam ich mit, was für ein geniales Jahr meine Gastgeschwister in Deutschland hatten, wie schnell sie die Sprache lernten und wie leicht sie Freunde fanden.

 

Zwei Jahre vor mir ging mein Bruder dann schon für ein Jahr nach China. Mein Schritt in den Schüleraustausch war also quasi vorprogrammiert - ich wollte einfach auch Teil des interkulturellen Austausches sein.

 

Die Sprache und der Kontinent waren mir relativ egal, Hauptsache nicht in die USA, das war mir dann doch wieder zu öde. Also wurde es Schweden.

Du hast ja verschiedene Formen erlebt. Was sind aus deiner heutigen Sicht die Vorteile eines Schüleraustausches gegenüber anderer Austauschoptionen?

Ein Schüleraustausch ist ein enormer Schritt für eine 16-jährige Person. Das erfordert Mut und Unterstützung. Gerade in einem so jungen Alter in ein anderes Land, eine andere Sprache, und in ein neues Familienleben einzutauchen kann anstrengend sein – aber auch lehrreich.

 

Ein Vorteil ist meiner Meinung nach die persönliche Entwicklung. Der Fakt, dass die eigenen Eltern einem einen solchen Schritt zutrauen, macht stolz. Man wird selbstständiger, selbstsicherer.

 

Man erfährt etwas ganz Eigenes, lernt viel über sich selbst, gelöst von dem Alltag Zuhause. Dazu kommen natürlich die interkulturelle Erfahrung und die neu erworbenen Sprachkenntnisse. Im Schüleraustausch wird man bei AFS immer in einer Gastfamilie untergebracht – der beste Ort, um eine Kultur, mit all ihren Traditionen, und eine Sprache, mit all ihren seltsamen Regeln, aufzusaugen.

 

Abgesehen von der Gastfamilie geht man natürlich auch in eine Schule, mit gleichaltrigen Einheimischen, findet sofort Anschluss, schließt Freundschaften, und ehe man sich versieht ist das Jahr auch schon wieder vorbei.

 

Natürlich gibt es viele andere Formen des Auslandsaufenthaltes. Aber meiner Meinung nach werden das Sammeln von interkulturellen Erfahrungen, das Erlernen fremder Sprachen und das Schließen von internationalen Freundschaften nie wieder so einfach wie mit 16 sein.

Rückblickend betrachtet: Was hat dir dein Austauschjahr in Schweden gebracht?

Ohne mein Schweden-Jahr wäre ich jetzt ganz einfach nicht die Sophia, die ich heute bin.

 

In Schweden kam ich in eine grundlegend andere Familie, als die, in der ich aufgewachsen bin. Viel Sport stand auf dem Programm und ich hatte eine sehr beschäftigte Gastmama und einen  Gastpapa, der zu Hause geblieben ist. Da wurde mir irgendwie erstmal klar, dass ich nicht alles so wie meine leiblichen Eltern machen muss, dass ich mich quasi nochmal neu erfinden konnte.

 

Selbstbewusstsein, Kaffeesucht und Weltoffenheit waren neben den erworbenen Schwedisch- und Englischkenntnissen die Dinge, die ich wieder mit nach Deutschland nahm. Manche Freundschaften, die ich in Uppsala geschlossen habe, zählen bis heute noch zu meinen engsten.

Du hast auch einen Freiwilligendienst gemacht. Warum hast du das noch angeschlossen? Was war anders am Freiwilligendienst im Vergleich zum Schüleraustausch?

Die Welt ist einfach zu groß und zu aufregend, um es bei einem Abenteuer zu belassen. Außerdem wusste ich noch nicht genau, wohin mit mir nach dem Abi. Da klang ein Freiwilligendienst (FWD) in Ghana ganz attraktiv.

 

Was mich reizte, war eigentlich auch, noch einmal etwas ganz Anderes zu erfahren: Vom Schüleraustausch im Globalen Norden zum Freiwilligendienst im Globalen Süden, quasi. Unter dem Vorwand „die Welt zu verändern“ bin ich allerdings nicht in den FWD gestolpert. Daher habe ich mich auch nicht für das entwicklungspolitischorientierte Programm "weltwärts" beworben. Ich wollte lieber ins AFS Büro, um auch mal hinter die Kulissen der Austauschorganisation zu schauen, und mich mit interkulturellen Trainings zu beschäftigen. 

 

In erster Linie habe ich mich in meinem Freiwilligendienst mit der Schularbeit beschäftigt. In Ghana gibt es sogenannte AFS School-Clubs, die man mit AGs vergleichen kann, und die über Auslandserfahrung, Austausch und Interkulturelles Lernen informieren. Für diese School Clubs haben wir Treffen und Events organisiert (zum Beispiel eine Country Fair). Ehemalige ghanaische Austauschschüler hatten die Möglichkeit, von ihrer Erfahrung zu berichten und Gastschüler in Ghana konnten von ihren Heimatländern und kulturellen Unterschieden erzählen. Gerade in einem Land wie Ghana, in dem sich nicht jeder ein Auslandsjahr leisten kann, finde ich es klasse, dass AFS vielen Jugendlichen diesen interkulturellen Dialog ermöglicht. Neben den Schulbesuchen habe ich aber auch alles Mögliche im AFS Büro gemacht - ich war bei vielen Gastfamilien- und Projektinterviews dabei, habe aber auch Bewerbungen bearbeitet.

 

Ein klarer Vorteil im Freiwilligendienst war die Finanzierung. Mit weltwärts und dem IJFD bekommt man schließlich eine gewisse finanzielle Unterstützung von der Deutschen Regierung. Dazu kommt natürlich auch, dass man sich nach dem Abi eine Auszeit nehmen kann, ohne um den Abschluss zu bangen.

 

So gesehen ist der Freiwilligendienst praktischer. Trotzdem kann ich meinen Schüleraustausch und Freiwilligendienst kaum vergleichen.  

Was hat der Freiwilligendienst dir persönlich gebracht?

Rückblickend kann ich sagen, dass ich zu Ghana eine sehr persönliche Bindung aufgebaut habe. Ich kann es kaum abwarten, meine ghanaischen Freunde und Gastfamilie bald wiederzusehen. Logischerweise habe ich während der elf Monate auch vieles hinterfragt und mir Gedanken gemacht, wieso die Welt so ist, wie sie ist.

 

Sowohl die größte Herausforderung als auch der größte Segen war wohl mit 20 noch einmal „Kind“ in einer Gastfamilie zu sein. Das brachte zwar Kompromisse mit sich (eingegrenzte Ausgangszeiten, weniger Privatsphäre, Respekt vor Älteren). Doch dadurch bekam ich einen tollen Einblick in die ghanaische Kultur, verbrachte viel Zeit mit meinen kleinen Gastgeschwistern, und habe so viele Erfahrungen wie möglich gesammelt.

 

Ganz problemlos verlief mein Aufenthalt in Ghana nicht immer. Aber ich habe gelernt das Beste mitzunehmen, Verständnis und Wertschätzung für die ghanaische Kultur zu entwickeln, und stolz darauf zu sein, dass ich die Herausforderungen gemeistert habe.

 

In Ghana entschied ich mich auch, etwas in die Richtung Internationales Recht und Internationale Beziehungen zu studieren, und bewarb mich letztendlich in Lettland. Das Wichtigste, was ich aus meinem Freiwilligendienst mitgenommen habe, ist Toleranz für andere Denkweisen.

Du hast auch ein Studium im Ausland und ein Auslandssemester gemacht. Was ist da anders als im Vergleich zu deinen vorherigen Austauschen?

Mein Studium in Lettland und mein Erasmussemester in Frankreich kann man nicht mit meinen AFS Erfahrungen gleichsetzen. Die Austauschprogramme mit AFS sind vorbereitet, betreut, und nachbereitet. Alles dreht sich um den interkulturellen Austausch. Man taucht viel tiefer in die Kultur des Landes ein und wird quasi Bürger auf Zeit in diesem Land.

 

In meinem Studium in Riga dreht sich alles, naja, um‘s Studium. Ich lebe in einer internationalen WG, spreche viel Englisch und Deutsch, und komme viel zu selten dazu, Lettland wirklich zu genießen. Natürlich versuche ich trotzdem, so viel wie möglich von meinem lettischen Leben mitzunehmen.

 

Im Erasmus in Frankreich war zwar die Erasmusbetreuung vorhanden, aber trotzdem drehte sich bei mir auch wieder alles um die Uni und ich war die meiste Zeit von Austauschstudenten umgeben und lebte auch in einer internationalen WG.

Meine vorherigen Austausche waren einfach viel intensiver.

Warum sollte man heutzutage noch einen Schüleraustausch machen, wenn ein geförderter Freiwilligendienst vermeintlich günstiger ist? Gerade, da heute ja auch der Druck da ist, schnell mit der Schule fertig zu werden?

Wie vorhin schon gesagt: Interkulturelle Erfahrung und das Eintauchen in eine andere Kultur werden dir nie wieder so leicht von den Fingern gehen wie mit 16.

 

In meinem Schüleraustausch war ich unvoreingenommener, habe mich einfach ins Abenteuer gestürzt, mich von einer schwedischen Familie quasi adoptieren lassen, innerhalb kürzester Zeit fließend Schwedisch gelernt. Ich konnte mich einfach voll und ganz auf die Gastfamilien-Erfahrung einlassen. Mit 20 in Ghana fiel mir das schon ein bisschen schwerer.

 

Und zu dem Druck in der Schule: Auslandserfahrung und außergewöhnliche Sprachkenntnisse werden neben schulischer Ausbildung immer wichtiger. Ein Schüleraustausch ist ja kein verlorenes, sondern ein gewonnenes Jahr!

Was würdest du jungen Menschen die den Drang haben, das Ausland zu erkunden mitgeben? Was ist dein Rat an sie?

Sei neugierig und trau dich: Raus aus der Comfort Zone und rein ins Abenteuer!!! Je öfter, desto besser!

Würdest du nochmal alles genauso machen? Oder würdest du rückblickend etwas ändern?

Ach, das ist immer so eine miese Frage! Natürlich würde ich alles noch einmal ganz genauso machen. Ich würde auf keine meiner Erfahrungen verzichten wollen! Ich habe einfach viel zu schöne Erinnerungen an Menschen, die ich im Ausland kennengelernt habe, und Momente, die ich gerne für immer festhalten will.

 

Aber ja, wäre ich noch einmal 16, würde ich mich vielleicht sogar für einen noch gewagteren Schüleraustausch bewerben – vielleicht nach Japan, Ägypten, oder Russland.

 

Einfach um eine schwerere Sprache zu lernen, für die man später vielleicht einfach keine Geduld oder Zeit mehr hat. Und, um eine Brücke in ein Land zu bauen, zu dem eine Brücke dringender gebraucht wird als nach Schweden.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast und viel Spaß bei deinen kommenden Auslandsabenteuern!

Lust bekommen auf einen Schüleraustausch oder Freiwilligendienst mit AFS?

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Ein Jahr ist dir zu lang? Dann informiere dich doch mal über unsere Kurzzeitprogramme.

 

Du möchtest du lieber einen Freiwilligendienst machen? Dann sind die 18+-Programme von AFS das Richtige für dich! Egal ob weltwärts, IJFD oder das AFS-eigene CSP-Programm.

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