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Sein Lächeln in unserer Familie

Gastmutter Carmen, Thailand, 2008,

Sein Lächeln in unserer Familie

Ein Jahr ist es her, da beugte ich mich dem Wunsch meines Sohnes, unser Haus für einen Schüler aus dem Ausland zu öffnen. Als wir dann Pakawats Bewerbungsunterlagen in den Händen hielten, hat seine Vorliebe für Zaubertricks meinen Sohn besonders beeindruckt und so fiel die Wahl leicht.

Wenn ich an die Zeit mit Pakawat zurückdenke, erscheint ein Lächeln auf meinem Gesicht. Er hat unsere Herzen mit seiner liebenswerten Art im Sturm erobert und ist zu einer großen Bereicherung für unsere Familie geworden:

Ich lächle, wenn ich daran denke, wie Pakawat versuchte, sich die ständigen Verbeugungen vor mir, Lehrern und anderen Erwachsenen abzugewöhnen und wie er seine ersten deutschen Sätze zusammenstammelte. Er schmunzelte immer, selbst als er noch keines unserer Wörter verstand.

Ich lächle, wenn ich an unsere gemeinsamen Spieleabende denke. Wir haben viel herumgealbert und Witze erzählt, über die er zehn Minuten später lachte, weil er sie endlich verstand - Wie er zum ersten Mal wirklich herzhaft lachte!

Ich lächle, wenn ich an seine ersten Kochversuche in Deutschland denke. Pakawat kochte gern, anfangs jedoch viel zu wenig für unsere große Familie. Der ungewohnte Geschmack erntete bei den Kindern zunächst komische Gesichter.

Ich lächle, wenn ich an die Schwierigkeiten mit den jüngeren Gastgeschwistern denke. Pakawat war den Trubel und die Lautstärke in unserem Haus nicht gewöhnt und ihm fiel es schwer, ihnen etwas entgegenzusetzen, da dies in seiner Heimat als unhöflich gilt.

Ich lächle über den Morgen, an dem er entsetzt vor unserem zugefrorenen Gartenteich stand und befürchtete, dass alle Fische tot seien.

Ich lächle, wenn ich an Pakawats Zaubertricks denke. Immer und überall mischt er seine Karten - sogar im Bus. Manchmal sprechen ihn die Leute an und fragen: „Kannst Du einen Trick?“

Pakawat als 18-jähriger

Heute sehe ich ihn mir an und bin erschrocken, wie schnell die Zeit verging. Vor mir steht ein 18-Jähriger mit langen Haaren und coolen Klamotten, der zwar immer noch darauf bedacht ist, mir alles recht zu machen, aber gelernt hat, eine eigene Meinung zu bilden und diese zu äußern. Pakawat ist heute ein junger Mann, der sich ins Gespräch einbringt - oft mit lustigen Anekdoten und Sprüchen. Mittlerweile kocht er sogar für 7 Personen und allen schmeckt’s! Abends liest er seiner fünf-jährigen Gastschwester Gute-Nacht-Geschichten aus einem thailändischen Kinderbuch vor, welches er ihr geschenkt hat.

Mit seinen Zaubertricks bringt er mich noch immer zum Lächeln. Er steht vor mir und sagt: "Mama, zieh eine Karte!" Dieser Satz wird mir fehlen, obwohl Pakawat meinem leiblichen Sohn einige Tricks beigebracht hat und dieser nun genau dasselbe sagt: "Mama, zieh eine Karte!".

Ich werde Pakawat vermissen - sein Lächeln in unserer Familie.