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Denken in einer Gemeinschaft

Melanie, Thailand, 2013/14, IJFD

Land und Leute

Mein Auslandsjahr verbrachte ich in Wiang Sa, einem kleinen Ort in der Provinz Nan, eine der nördlichen Provinzen Thailands die an Laos grenzt. Die Landschaft in Nan ist wunderschön und es gibt zahlreiche Nationalparks, wie zum Beispiel den Doi Phu Kha Nationalpark. Vor allem im Januar und Dezember, der kalten Jahreszeit, haben wir viele Campingausflüge in die Berge unternommen. Ein besonderes Highlight im Oktober waren die Langbootrennen im Nan-Fluss.

Was mir an den Leuten in meiner Gastprovinz Nan sehr aufgefallen ist, ist das Denken in einer Art Gemeinschaft. Jeder hat seinen Platz und man geht sehr respektvoll miteinander um. Die Jüngeren grüßen die Älteren zuerst und meine Gastfamilie brachte mir auch von Anfang an bei, in einer gebückten Haltung an älteren Menschen vorbeizugehen. Wichtig in Thailand ist es auch, das Gesicht zu wahren und vor allem auch darauf zu achten, dass andere ihr Gesicht nicht verlieren. Beispielsweise fing meine Gastfamilie immer an zu lachen, wenn jemand stolperte, um es weniger peinlich für diese Person zu machen.

Arbeit

In der weiterführenden Schule, in der ich gearbeitet habe, hatte ich laut Stundenplan zwölf Stunden in der Woche. Meistens unterrichtete ich mit verschiedenen Lehrern zusammen, dabei war die Arbeit von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich. Es gab Lehrer, die die Vorbereitung größtenteils selbst übernahmen, mir aber dann beim Unterrichten mehr Freiraum ließen. Andere Lehrer ließen mich nur Texte ablesen, die die Schüler dann nachsprechen mussten und manchmal durfte ich auch selbst etwas vorbereiten.

Positiv an meiner Arbeit fand ich, dass ich immer dieselben Klassen unterrichtete und somit die Schüler besser kennenlernen konnte. Eher negativ war für mich, dass ich kaum Unterricht selbst planen konnte und mich somit oftmals unterfordert fühlte. Im zweiten Semester durfte ich dann allerdings gelegentlich Vertretungsstunden übernehmen, wenn ein Lehrer nicht anwesend war. Zusätzlich konnte ich zusammen mit den Schülern thailändisches Kochen, Handarbeiten und Tanzen lernen und den Musikclub nach der Schule besuchen, um dort etwas über thailändische Instrumente zu lernen.

Eine richtige Vorbereitung für das Unterrichten gab es an meinem Arbeitsplatz nicht, allerdings wurde in den ersten Wochen Rücksicht auf mich genommen. Am Wochenende habe ich nicht an meiner Schule gearbeitet, allerdings gab es übers Wochenende oft „English Camps“ an anderen Schulen, welche wir zusammen organisierten und durchführten. Zu den Lehrern der Sa School hatte ich eine gute Beziehung. Vor allem die Lehrer aus dem Fremdsprachendepartment waren sehr interessiert, mir vieles zu zeigen. Sie unternahmen viel mit mir, wie zum Beispiel Ausflüge zu ihren Verwandten oder in die nahe gelegene Stadt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass es mir an meinem Arbeitsplatz, mal abgesehen davon, dass nicht immer genug Arbeit für mich da war, sehr gut gefallen hat. Ich hatte hier die Möglichkeit viel über die thailändische Kultur zu lernen und auch mir wurde Interesse entgegengebracht. Zu den Lehrern hatte ich durchweg ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis.

Community Service im Kindergarten

Während den Ferien im Oktober habe ich meinen Community Service im Kindergarten in Wiang Sa absolviert. Es war interessant, auch einmal kleine Kinder zu unterrichten. Der Kindergarten wurde von ungefähr 100 Kindern besucht, welche altersgemäß in verschiedene Gruppen unterteilt waren. Meine Arbeit bestand daraus, nach dem Frühstück mit der ältesten Gruppe englische Spiele zu spielen und Lieder zu singen und die Kinder beim Spielen zu betreuen. Der Community Service machte mir großen Spaß, auch wenn er sehr anstrengend war. Er gab mir Einblicke in ein anderes Arbeitsumfeld und die Chance, einen Unterricht selbst zu planen und meine Ideen mit einzubringen.

Gastfamilie

Meine Gastfamilie bestand aus sieben Personen, was zuerst ungewohnt war, da ich in einer kleineren Familie groß geworden bin. Gerade am Anfang unternahmen wir viel zusammen. In den ersten Tagen wurde ich mit nach Nan genommen und dem Rest der Familie vorgestellt. Oft fuhren wir zusammen zum Supermarkt, auch Museen und Tempel haben sie mir gezeigt. Besonders schön fand ich es mit meinen Gastgeschwistern Sonkran (Thai Neujahr) zu feiern. Auch das Verhältnis zu meiner Großmutter war sehr gut. Fast jeden Abend zeigte sie mir, wie man thailändische Gerichte kocht. Der Abschied von meiner Gastfamilie fiel mir schwer, denn ich habe sie sehr ins Herz geschlossen und mich wirklich wie ein richtiger Teil der Familie gefühlt. Sobald es möglich ist, möchte ich sie wieder besuchen.

Sprache und Kommunikation

Bei meiner Ankunft hatte ich kaum Sprachkenntnisse. Auf dem Arrival Camp lernten wir zwar die wichtigsten Floskeln und das Zählen, da aber die Aussprache sehr wichtig ist, wurde man anfangs oft nicht verstanden. Zudem spricht man in Nan einen bestimmten Dialekt. In den ersten Wochen bekam ich zudem noch ein wenig Unterricht von meiner Advisorin, mit der ich hauptsächlich das thailändische Alphabet übte. Gegen Ende hin konnte ich mich auf jeden Fall gut auf Thai verständigen, was auch praktisch für den Alltag war. Ein Sprachkurs wäre meiner Meinung nach trotzdem zu empfehlen.

Globales Lernen bedeutet für mich offen zu sein für bestimmte Lebensarten und Sachverhalte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. In eine andere Rolle schlüpfen und lernen, warum man sich in einem Land so verhält, wie man sich eben verhält. Das Jahr in Thailand hat mir gezeigt, wie schnell fremde und ungewohnte Dinge, zur Gewohnheit werden können, wenn man sich öffnet und nicht alles gleich bewertet.