Erfahrungsbericht Auslandsjahr

Die Thailänder verehren den König und seine Familie

Rebecca, Thailand, 2016, Schuljahr im Ausland mit Kreuzberger Kinderstiftung-Stipendium
AFSerin Rebecca mit thailändischen Schulfreundinnen
Rebecca mit thailändischen Schulfreundinnen

Als ich vor 9 Monaten in Thailand ankam, stellte ich mir Thailand sehr warm und tropisch vor, mit gastfreundlichen Menschen und sehr scharfem Essen. Nach 9 Monaten konnte ich viele neue Eindrücke sammeln.

Was mir am Anfang in Thailand aufgefallen ist

Die Thailänder verehren den König und seine Familie, wegen der vielen Taten die Rama 9 für das Volk getan hat, weshalb in jedem Raum ein Bild von dem König oder der Prinzessin hängt. Außerdem sind sie sehr freundlich gegenüber Ausländern und helfen jedem wo sie nur können. Sie bieten dir nicht nur Hilfe an, sondern auch Essen, eine Unterkunft oder sie bringen dich wo immer du auch hin willst.

 

Auch das hartnäckige Lernen und Arbeiten ist mir sehr schnell aufgefallen.  Es sind nicht nur die Schüler die das Lernen sehr ernst nehmen, auch die Erwachsenen nehmen ihre Arbeit sehr ernst, selbst bei dem warmen Wetter arbeiten viele draußen und geben ihr Bestes.

Thailänder denken und handeln anders als Europäer

Neu für mich war zuerst das Essen, welches manchmal sehr scharf sein kann und an das man sich erst gewöhnen muss. Aber sobald man lernt scharfes Essen zu essen und sich daran gewöhnt hat, ist thailändisches Essen sehr lecker und man will nichts anderes mehr essen. Auch neu war, dass fast jeder Teenager oder junger Erwachsener einen Roller oder ein Motorrad besitzt, sodass die Straßen manchmal voll mit Motorrädern und Rollern sind. Wie ernst die Schüler das Lernen nehmen, war auch neu für mich. Sie verbringen den ganzen Tag in der Schule oder bei der Nachhilfe und sorgen sich sehr über ihren Abschluss oder ihre spätere Universität. Aber an was ich mich am meisten gewöhnen musste, war die Sprache und dass ich anfangs nie verstanden hatte was andere um mich herum sagten, doch jetzt habe ich Thai Kenntnisse und habe mich an die neue Sprache gewöhnt. Die vielen Straßenhunde, der Stau oder das warme Wetter waren natürlich auch neu für mich.

 

Ich musste mich anfangs sehr umstellen, da Thailänder anders denken und handeln als Europäer. Das bedeutet, dass ich erst mal die Denkweise verstehen musste und mich dann dazu angepasst habe, um keinen Streit und/oder Missverstände zu verursachen. Auch meine Essgewohnheiten musste ich umstellen. Mein Verhalten hier in Thailand gegenüber meinem Verhalten in Deutschland hat sich sehr geändert. Ich bin viel netter gegenüber Fremden und ich bin nicht mehr so schüchtern gegenüber Fremden wie zuvor in Deutschland.

Schönes und Schwieriges in meinem thailändischen Leben

Besonders Freude machen mir meine Freunde hier in Thailand mit denen ich viel Spaß habe und die mir viele neue Dinge beibringen. Auch das Lernen der Kultur, der Sprache und das entdecken der Tempel etc. macht mir Freude. Der Austausch zwischen anderen AFSern und das Kennenlernen anderer Nationalitäten wie: Italien, Amerika, China, Chile oder Indonesien macht mich sehr glücklich. Schwierig für mich ist die Angst, etwas Falsches zu sagen oder etwas Falsches zu machen.  Auch das alleine Reisen ist schwierig für mich, denn meine Thai Kenntnisse sind nicht hervorragend und es gibt immer noch vieles, was ich nicht verstehe. Vor allem die Sprache ist schwierig, da sie anders als die deutsche Sprache ist.

Momente, die ich nie vergessen werde

AFSerin Rebecca darf miterleben, wie der Cousin einer Freundin in einer dreitägigen Zeremonie zum Mönch geweiht wird
Der Cousin einer Freundin wird zum Mönch geweiht

Ich habe viele Momente erlebt die ich nie vergessen werde, wie zum Beispiel am Anfang meines Jahres als ich in einer Parade meiner Schule mitlaufen durfte und ein traditionelles Kleid trug. Bei dem ich um 5 Uhr morgens in der Schule sein musste, um fertig gemacht zu werden. Was ich auch niemals vergessen werde sind die AFS-Camps mit anderen AFSern, wo wir uns näher kennengelernt haben und Freunde fürs Leben gefunden haben, mit denen man über seine Erfahrungen reden kann und Ratschläge erhält, wenn man Probleme hat. Wo man sehr viel Spaß miteinander hat, obwohl jeder so unterschiedlich ist und aus unterschiedlichen Ländern kommt.

 

Das Beeindruckendste, was ich in dieser Zeit erlebt habe war, als der Cousin von einer meiner Freundinnen zum Mönch geweiht wurde und ich dabei sein durfte. Die Zeit als ich mit meiner Klasse an einem Englisch Camp in Hua Hin teil-genommen habe, werde ich auch nie vergessen. Wie wir bis spät in die Nacht am Strand saßen und mit einander geredet und gelacht haben und wie wir unsere Teamarbeit verstärkt haben. Und am unvergesslichsten ist,  wie sehr meine Freundschaft mit meiner Klasse gewachsen ist. Meine Freunde hier in Thailand, sind das, was ich nie vergessen werde. Für mich sind meine Freunde hier das Wichtigste. Und ich werde keinen einzelnen von ihnen jemals vergessen können.

 

Mein negativstes Erlebnis war bisher als ich Probleme mit meiner ersten Gastfamilie hatte, bei der ich mich sehr einsam und verlassen fühlte, was dazu führte, das ich meine Gastfamilie wechseln musste.

Was ich in meiner Familie und meinen Freunden erzählen werde

Ich würde meiner Familie und meinen Freunden von den unglaublich prachtvollen Tempeln erzählen, die mit Sorgfalt und viel Liebe zum Detail erbaut wurden. Ich würde den Moment beschreiben, als meine Schule eine Zeremonie für den Tod des Königs gehalten hat, bei der alle ein Lied für den König gesungen haben und sich für ihn verbeugt haben. Und alles auf Schwarz und Weiß thematisiert war. Auch den Moment, bei dem sich die Schüler meiner Schule von den Abschlussschülern verabschiedet haben und jeder Geschenke oder Blumen für die Abgänger mitgebracht hat und auch die Schüler, die abgingen, Geschenke für ihre Freunde hatten, würde ich meiner Familie und meinen Freunden erzählen.

Koreanische Boybands, Schulstress und Hobbies - so leben thailändische Jugendliche

Jugendliche in Thailand, vor allem Mädchen und Ladyboys, sind sehr verrückt nach koreanischen Boybands. Es gibt keinen Jugendlichen, der noch nie mindestens ein koreanisches Lied gehört hat. Jeder kennt sie und viele geben sehr viel Geld aus, um ihre Lieblingsband zu sehen oder um Alben und Fanartikel zu kaufen. Wenn jugendliche Mädchen Musik anmachen ist es meisten koreanische Musik. Einer der Gründe für diesen Hype, neben den Talenten und dem gutem Aussehen der Mitglieder, ist, dass Thailänder helle Haut bevorzugen und vieles dafür tun, um hellere Haut zu bekommen. Sie benutzen Cremes, Tabletten, Zitronensäure, tragen lange Klamotten oder benutzen ein Regenschirm, wenn die Sonne zu heiß ist. Sie versuchen alles Mögliche, um keine dunkle Haut zu haben. Viele Jugendliche sind auch sehr verrückt nach Europäern oder jeglichen anderen hellhäutigen und gutaussehenden Jungs. Was den Klamottenstyle angehen fokussieren sich die meisten ebenfalls auf den koreanischen Style, also niedlich und sehr mädchenhaft.

 

Meistens verbringen Schüler hier die meiste Zeit in der Schule oder bei der Nachhilfe, viel Freizeit bleibt ihnen da nicht übrig. Sie nehmen ihre Bildung sehr ernst und konzentrieren sich auf ihre Noten und ihre spätere Universität. Nach der Schule, die meistens um 5 Uhr endet, gehen viele zur Nachhilfe in Gruppen und bleiben dort bis spät abends und lernen dann in der Nacht. Selbst am Wochenende gehen viele zur Schule oder zur Nachhilfe. Trotz des Schulstresses schaffen es dennoch manche, ihr Hobby regelmäßig zu verfolgen. Zum Beispiel gibt es viele, die professionelles Schwimmen, Tanzen oder jeglichen anderen Sport ausüben.

Habt keine Angst, etwas Neues auszuprobieren

AFSerin Rebecca engagiert sich mit einer Klasse ihrer Schule bei einem Englischcamp für Grundschulkinder in einem sehr kleinen Dorf.
Rebecca engagiert sich bei einem Englischcamp für Grundschüler

Ich würde zukünftigen AFSern sagen, dass sie keine Angst haben sollen, etwas Neues auszuprobieren, wie absurd es auch ist, man soll alles ausprobieren, denn nachher bereust du es, wenn du es nicht gemacht hast. Selbst dann, wenn du es anschließend nicht magst. Hab keine Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu machen, viele verstehen, dass du es nicht gewohnt bist, und dass du vieles noch nicht weißt. Außerdem werden dir deine Freunde und Familie helfen, hier klar zu kommen. Mach dir keine Sorgen, wenn du anfangs noch keine Freunde hast, sie brauchen einfach nur Zeit, sich an dich zu gewöhnen. Sobald sie sich an dich gewöhnt haben, wirst du viele gute Freunde finden. Auch wenn es manchmal Freunde gibt, die nur mit dir befreundet sind, weil du ein Austauschschüler bist. Wenn du gutaussehend bist, kannst du dich schon einmal vorbereiten, dass du sehr beliebt sein wirst und, dass viele Mädchen/Ladyboys Fotos mit dir haben wollen und Fotos von dir machen werden. Aber am Wichtigsten: genieße dein Jahr und mach das Beste daraus, auch wenn es manchmal sehr schwierig sein kann.

Ich bin unglaublich glücklich, dass ihr mir diese Zeit ermöglicht habt

Am Ende dieses Berichts möchte ich mich herzlich dafür bedanken, dass ihr mir die Möglichkeit gegeben habt, in einem komplett anderen Land zu leben und die beste Zeit meines bisherigen Lebens zu erleben. Dieses Jahr werde ich in meinem Leben nie vergessen und meinen Kindern und Enkelkindern von meinen Erlebnissen erzählen. Ich bin unglaublich glücklich, dass ihr mir diese Zeit ermöglicht habt.

 

Vielen Dank dafür.