• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Mein Austauschjahr in Thailand

Laura, Thailand, 2016,
Am Sport’s Day tragen zwei italienische Austauschschülerinnen und ich die Flagge von AFS Thailand bei einer Parade.

Hallo, ich bin Laura, bin 15 Jahre alt, und lebe nun schon seit sechs Monaten in Thailand. Genauer gesagt in Ratchaburi, einer Provinz zwei Stunden westlich von Bangkok.

 

Ich kann irgendwie noch gar nicht glauben, dass es schon über ein halbes Jahr her ist, dass ich hier angekommen bin. Ich fand es sehr heiß und laut und war ziemlich unsicher. Aber Thailänder sind sehr offen und gastfreundlich, sodass man sich hier schnell wohl fühlen kann. Auch wenn die meisten Thailänder kaum, beziehungsweise kein Englisch können, irgendwie schafft man es doch sich zu verständigen. Ich hab eine Gastschwester die etwas Englisch kann, mit meinen Gasteltern und den beiden anderen Gastgeschwistern kann ich mich also nicht wirklich unterhalten, dennoch ist das eine gute Möglichkeit um Thailändisch zu lernen. Ich kam hierher und konnte nur eine handvoll Wörter, mit denen man sich halt nicht wirklich großartig unterhalten kann und das frustriert manchmal. Denn natürlich will man sich unterhalten, und da alles neu ist, will man viele Fragen stellen, aber auch von sich erzählen, aber es geht leider nicht. Jetzt nach einem halben Jahr verstehe ich etwas Thailändisch. Ich glaube erst wenn man die Sprache beherrscht, bekommt man wirklich erst einen tiefen Einblick in dieses Land mit ihren einzigartigen Menschen und Kultur und kann anfangen, es zu verstehen.

"Ich habe das Gefühl, dass das Synonym für 'Wie geht es dir?' in Thailand 'Hast du schon gegessen?' ist."

Als Europäer mit heller Haut fällt man hier definitiv auf, vor allem da helle Haut hier ein Schönheitsideal ist, was durchaus ungewohnt ist. Jeder sieht und weiß natürlich auch sofort, dass man nicht Thailänder ist. Thailänder sind einerseits sehr offen und freundlich, können aber auch sehr zurückhaltend sein. Sie erwarten auch nichts von einem etwas über ihre Kultur und Sprache zu wissen und sehen daher auch über viele Fehler von Ausländern hinweg, aber freuen sich und sind überrascht, wenn man doch etwas weiss. Dann ist Essen noch auf jeden Fall sehr wichtig in Thailand. Ich habe das Gefühl, dass das Synonym für „Wie geht es dir?“, in Thailand „Hast du schon gegessen?“ ist. Thailänder essen sehr gern und viel, was aber auch selbstverständlich ist bei so gutem Essen, welches man mit thailändischen Essen in Deutschland nicht vergleichen kann. In Thailand wird aber nicht nur thailändisches Essen gegessen, sondern auch viele Gerichte aus Japan, China und Korea, was man bei uns gar nicht findet und unglaublich interessant und lecker ist.

 

Eigentlich schon fast unglaublich, was hier für mich mittlerweile schon zur Normalität geworden ist. Am Anfang war alles so ungewohnt und neu aber jetzt hat man sich schon an so vieles gewöhnt. Man gewöhnt sich einfach an alles, an die Schuluniform, an das heiße Wetter,... einfach an alles. Ich hätte aber auch niemals gedacht, was für einfache Dinge mich glücklich machen können. Zum Beispiel einfach nur nach der Schule mit Freunden, irgendwo etwas essen zu gehen und einfach wie ein normaler thailändischer Teenager zu sein und sich auch wirklich so zu fühlen und nicht immer der Austauschschüler zu sein.

„Sehr beliebt in Thailand sind japanische Manga, Anime und K-Pop.“

Mit Freundinnen auf einem Schulausflug

 In Thailand ist es auch nicht besonders schwer Freunde zu finden, mit denen man in der Schule Zeit verbringt.  Schule nimmt aber auch einen großen Teil im Leben von thailändischen Teenagern ein. Unter der Woche habe ich zum Beispiel immer bis um vier Uhr nachmittags Schule. Außerhalb der Schule haben die meisten Schüler zusätzlichen Unterricht, so etwas wie Nachhilfeunterricht. Nur das es hier sehr viel üblicher ist und ganz anders funktioniert als in Deutschland, da hier auch ein komplett anderes Schulsystem ist. Sonst verbringen sie ihre Freizeit mit Hausaufgaben oder wenn ihre Eltern oder Familie ein Geschäft haben, helfen sie da mit. Es ist Thailändern auch sehr wichtig gute Noten zu bekommen, um später auf eine Universität gehen zu können, da es hier ein „Muss“ ist einen Uniabschluss zu haben, um ein einigermassen gutes Leben haben zu können. Ansonsten haben thailändische Teenager eigentlich dieselben Interessen wie alle anderen Teenager auch. Was hier aber besonders beliebt ist und sehr viel beliebter ist als bei uns im Westen, sind japanische Manga und Anime und K-Pop. Man merkt meiner Meinung nach auch sehr stark, dass die jetzige junge Generation, nicht viel von all dem Konservativen hält, wovon man noch sehr viel in Thailand finden kann, und es auch von vielen Jüngeren kritisiert wird. Da findet gerade ein Umdenken statt und ich glaube, dass sich da in Zukunft einiges ändern wird.

„Zukünftige ASFer würde ich dazu ermutigen, diese Chance zu ergreifen.“

Zum Schluss würde ich gerne noch sagen wie unglaublich schnell die letzten sechs Monate vergangen sind und wie man selbst merken kann, wie man sich in nur so einer kurzen Zeit weiterentwickelt hat. Man ist selbstsicherer und selbstständiger und lernt so vieles Neues dazu und auch so viele neue Leute, die man sonst niemals getroffen hätte. Dafür bin ich sehr dankbar und würde gerne auch meinen Stipendiengebern dafür danken, für die Unterstützung diese einzigartigen Erfahrungen sammeln zu dürfen. Zukünftige AFSer würde ich dazu ermutigen, diese Chance zu ergreifen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben und einfach offen zu sein und nicht aufzugeben.