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Ich möchte, dass meine Kinder auch ins Ausland gehen

Sulficar, Vereinigte Staaten von Amerika, 2012/13, Schuljahr im Ausland mit Kreuzberger Kinderstiftung-Stipendium

Ich möchte meinem Bericht einen Titel geben, „Endbericht“ soll es aber nicht werden. Ganz im Gegenteil, für mich ist es ein Bericht in dem es darum geht wie es bei mir zu einem neuen Anfang kam. Es ist, als wäre meine Rückkehr nach Deutschland "Das Ereignis" gewesen. Mein Leben hat mit einer neuen Zeitrechnung begonnen.

Mein Geburtstag. Im Landeanflug auf den Flughafen Tegel halte ich immer Ausschau nach dem Fernsehturm, und da seh ich ihn. Das Gefühl ist unbeschreiblich nach einem Jahr Berlin von oben zu sehen, und der Fernsehturm ist dann nur die Bestätigung, ich bin Zuhause! Im Flughafen fingen die Schüler an, sich lustig über die Blamage des BER Flughafen, zu machen. Dort hätten wir nämlich landen sollen. Auch wird sich über die Deutsche Sprache lustig gemacht. „In welcher Sprache dieser Welt gibt es denn eine Verniedlichungsform?“ „Bäumchen“ oder „Würmchen“, nach einem Jahr Englisch bringt das einem zum Lachen.

Mein erster Tag zurück in Berlin

Mein erster Freitag Zuhause in Deutschland. Zusammen mit meiner Schwester wollte ich einkaufen gehen. Das erste Problem trat schon Zuhause auf, und zwar die Frage was ich doch anziehen solle. Ich habe mich bequem angezogen und meine Schwester hat gesagt:„so laufe ich doch nicht mit dir rum!“ Ich war halt wieder in Deutschland und hier ist die Norm das man sich auch zum einkaufen gut anziehen muss. Während meines Auslandsaufenthalt in Minnesota wurde ich immer als der Stylische beschrieben. Ich war es halt noch gewohnt mich gut anzuziehen, auch wenn ich nur zur Schule gehen wollte. Jogging-Hose wollte ich nicht anziehen. Über das Jahr muss mein Standard wohl von alleine runtergegangen sein, so dass meine Schwester sich so deutlich gegen meine Kleidung ausgedrückt hat. Etwas was vor meinem Auslandsjahr selbstverständlich war ist jetzt eine Überlegung wert.

Wieso ist mir das vorher nicht aufgefallen? Wir Deutschen legen viel Wert aus das Äußere und das wusste ich vorher nicht. Ich habe damit etwas über meine Identität herausgefunden und ich glaube nicht, dass mir das jemals aufgefallen wäre, wäre ich nicht für ein Jahr verschwunden. Ich stelle damit die Hypothese aus das man manchmal selber etwas über seine eigene Kultur nicht wissen kann bis man anfängt sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Nichts desto trotz appelliere ich an alle zukünftigen Austauschschülern es nicht mit der Fashion zu übertreiben, wenn es nicht normal ist, da Mann sehr schnell als eingebildet abgestempelt werden kann, die Gefahr besteht als Austauschschülern immer!

Unterricht

Ich sitze im Unterricht, auf einem grün-roten Stuhl, der Klassenraum ist freundlich dekoriert. Die Schüler verbringen hier viel Zeit deshalb wird er gemütlich eingerichtet. Neue Schüler finden in dem Bund schnell neue Freunde, da man sehr viel Zeit zusammen verbringt. Klassenfahrten schweißen Klassen noch ein Stückchen mehr zusammen doch irgendwas ist anders. Die Lehrer sind hier so komisch. Die Erzählen ja nichts von sich selbst, der Vorname ist ein gut gehütetes Geheimnis. Gespräche über das Privatleben sind undenkbar. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern? Professional. Alle Lehrer werden mit Sie angesprochen. Bei Witzen muss man aufpassen. Lehrer an sich verstellen sich auch, sie kennen lernen, fast unmöglich!

Mir fällt ein, nicht ist anders, so war es ja schon immer doch in Amerika, da ist alles anders. Das vermisse ich! In den USA da sind Lehrer deine Freunde, keine Höflichkeitsformel lässt es einem so vorkommen. Das Leben wird geteilt, wo der Lehrer wohnt ist kein Geheimnis und was er übers Wochenende gemacht wurde genau so wenig. Und wer sagt das Lehrer nicht angeben geschweige denn lästern? Was sie für ein Auto fahren, was sie an Geld verdienen, Warum sie manche Kollegen nicht Leiden können und noch mehr. Vielleicht liegt es daran, dass Lehrer in Amerika diesen Beruf nicht auf ewig ausüben müssen. Hier in Deutschland werden die Lehrer in der Regel auch als Lehrer in Rente gehen. Ich persönlich hatte eine Lehrerin, die uns immer erzählt hat, wie sie nebenbei ihr Geschäft aufbaut um sich in zwei Jahren selbständig zu machen und damit auch als Lehrerin aufhört. Oder Lehrerinnen die kurz mal als Lehrer arbeiten weil sie etwas Geld branchenkundig in Wirklichkeit Schriftsteller werden möchten. Sie merken schon mit kriegt mit das man sich richtig mit Lehrern unterhalten kann und das fehlt hier. Ein gutes verhält es mit dem Lehrer macht den Schulalltag schon um einiges schöner. Man muss ja nicht, wie Amerika, den Lehrern Spitznamen geben, Aber einfach etwas mehr Persönlichkeit in die Arbeit einbringen wäre sehr schön.

Nachbearbeitungscamp

Morgen habe ich ein Nachbereitungscamp und ich freu mich sehr alle Austauschschülern wieder zu sehen. Ich möchte in der Zukunft Austauschschüler in Berlin betreuen und auch einbezogen bleiben. Ich möchte auch das meine Kinder, deren Kinder und deren Kinder ins Ausland gehen und dort ein unvergessliches Jahr erleben! Es war die Zeit meines Lebens und ich würde mich freuen, wenn das mit mir als Anfang zu einer Familientradition wird. Vielleicht wird ja jemand in meiner Familie, 2000 Generation später, irgendwann im Jahr 2013 n.R., an mich denken da es in meiner Familie damals mit mir als Austauschschüler anfing. Was ich sagen will, ist das ich allen Leuten wünsche ins Ausland zu gehen, und damit muss ich mein größten Dank an die Kreuzberger Kinderstiftung aussprechen. Ohne dieser Stiftung hätte ich niemals mit AFS ins Ausland gehen können und bedanke mich damit von tiefsten Herzen.

Ich verbleibe vorerst mit Grüßen und freue mich auf kommende Veranstaltungen der Kreuzberger Kinderstiftung