AFS-Erfahrungsbericht Schüleraustausch Bosnien und Herzegowina

"Wie sind die Menschen dort?"

Laura, Bosnien und Herzegowina, 2012, Schuljahr im Ausland mit Mittelosteuropa-Sprachstipendium

"Wie sind die Menschen dort?" , "Wie wird die Umgebung aussehen?" zwei der Fragen, die ich mir des Öfteren gestellt habe, bevor ich Deutschland verlassen habe , um 10 Monate in Bosnien und Herzegowina zu verbringen. Ein paar Namen und eine E-mail Adresse - viel mehr wusste ich noch nicht über die Familie, bei der ich fast ein ganzes Jahr leben sollte. Zweifel daran, dass Bosnien wirklich die richtige Länderwahl war, hatte ich trotz all der Fragen und Vermutungen von Anderen nicht. Ein Jahr in einem Land wohnen, in dem du keine Person kennst und noch nicht einmal die Sprache sprichst, wie soll das nur alles werden? Kaum habe ich mich am Hamburger Flughafen verabschiedet, schon bin ich mit ein paar anderen Austauschschülern in Bosnien gelandet.

Zenica-meine Stadt in den Bergen

In meiner Stadt Zenica konnte ich die ersten Eindrücke sammeln. Zum einen der Rauch, der von den naheliegenden Industrien kommt, die Straßenhunde, die du überall sehen kannst und der Müll, der schon neben den Tonnen verteilt ist. Doch zum anderen siehst du den Fluss, der direkt neben dir an der Straße fließt, du guckst dich um und siehst nur Berge und einfach eine schöne Landschaft.

Schule und Freunde

Doch es kamen auch die nächsten Fragen auf :  "Wie verständige ich mich überhaupt mit meinen Gasteltern?", oder, "Werde ich mich in der Schule mit meinen Mitschülern verstehen?". Da die Menschen in Bosnien sehr offen sind, war letzteres nicht schwer. Trotz Sprachbarriere sind Leute auf mich zugekommen, um sich mit mir auf einem Mix von Sprachen zu unterhalten. Sie haben mich behandelt, als würden wir uns schon länger kennen und ich ein Teil der Klasse wäre.

 

Die Schule in Bosnien hat sich für mich schon an den Schulzeiten unterschieden, denn in meinem Jahrgang fing der Unterricht frühestens um 11:00 Uhr an und endet dementsprechend am frühen Abend. Damit konnte ich mich jedoch nie richtig anfreunden. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis halte ich für etwas strenger als in Deutschland und den Unterricht auch für frontaler. Durch meinen Sprachkurs hat sich mein Bosnisch stetig verbessert, wodurch alles leichter wurde.

 

Kontakte zu knüpfen war nicht sehr schwer, doch daraus eine Freundschaft entstehen zu lassen meiner Meinung nach ein bisschen schwieriger. In Bosnien ist, wie auch in Deutschland, Freundschaft ein wichtiges Thema und ich kann sagen, dass ich viele tolle Leute kennengelernt habe und auch Freundschaften entstanden sind.

Ich bin froh, die Möglichkeit gehabt zu haben, mir eine eigene Meinung zu bilden

Bosniens Geschichte zeigt auch, dass es eine schwere Zeit für Bosnien gab - während des Krieges. Damals waren Dinge, wie ausreichendes Essen, ein Luxus. Dadurch wurde für die Bosnier zum Beispiel das Essen zu einem wichtigen Punkt in ihrem Leben. Für mich war es selbstverständlich in Deutschland von allem, was wichtig für mich ist, genug zu haben, doch nun weiß ich alles mehr zu schätzen. Bosnien und Herzegowina wird oft als armes Land betitelt, manche Leute denken auch , dass dort immer noch Krieg herrschen würde, doch ich bin froh die Möglichkeit gehabt zu haben, mir eine eigene Meinung zu bilden. Auch Meinungen zu Deutschland kamen zur Genüge. So gut wie immer, wenn ich eine neue Person kennengelernt habe, kam die Frage, weshalb ich überhaupt aus Deutschland gegangen bin und dann auch noch nach Bosnien und nicht zum Beispiel nach Frankreich, denn in Deutschland wäre es doch eh alles viel schöner und besser.

Ein großes Abenteuer und eine wahnsinnige Erfahrung

Doch mein Austauschjahr in Bosnien und Herzegowina war eine der besten Sachen, die ich bis jetzt gemacht habe. Ich habe so viele neue Eindrücke gewonnen, tolle Menschen kennengelernt und neue Familienmitglieder bekommen und im Großen und Ganzen ein großes Abenteuer und eine wahnsinnige Erfahrung erlebt , auf die ich immer wieder zurückgreifen kann, wenn ich möchte. Ich bin sehr dankbar für alles und möchte mich hiermit auch nochmal bei der Dieter-Schwarz Stiftung für die Unterstützung bedanken. Ich kann es allen Interessierten nur wärmstens empfehlen ein Austauschjahr zu machen, wenn sie die Möglichkeit habe, denn es wird sich nur auszahlen, auch in einem Land von dem man vorher noch gar nicht so viel wusste.

Meine Gastfamilie

Der Umgang in der Familie war gut, auch wenn oft viel Temperament mit im Spiel war, mit dem ich später besser zurecht kam als am Anfang. Denn Menschen, die miteinander streiten, sich dann aus dem Weg gehen und nach kurzer Zeit alles vergessen haben, sind - vor allem in einer fremden Sprache - schwer zu verstehen.

 

Eine Schwester zu haben war nichts neues für mich, da ich auch in Deutschland eine große Schwester habe, doch sich mit seiner gleichaltrigen Gastschwester ein Zimmer zu teilen , war dann doch eine andere Situation. Wie üblich gibt es zwischen Schwestern auch mal Konflikte, doch meine beiden Gastschwestern sind mir nach dem Jahr sehr ans Herz gewachsen.

 

Ich habe das Verhalten in den Familien auch differenziert erlebt. Ich kenne es so, viele Freiheiten in Deutschland zu haben, doch in meinem Umfeld in Bosnien habe ich oft das Gegenteil erlebt. Die Eltern behüten ihre Kinder so gut es geht und somit werden Dinge, wie spät ausgehen, eher schwieriger machbar. Das war zum Beispiel eines der Dinge, die ich in Deutschland zu schätzen wusste.