Viel mehr als Pyramiden und Kamele

Hand aufs Herz: Wenn du an Ägypten denkst, hast du wahrscheinlich zuerst die Pyramiden im Kopf. Vielleicht das Rote Meer. Oder Kamele. 

Nach ein paar Wochen Austausch wirst du dagegen wahrscheinlich an ganz andere Dinge denken: an hupende Straßen, an den Duft von frisch gebackenem Fladenbrot, an lange Gespräche mit deiner Gastfamilie und daran, dass das Leben oft später beginnt als du es aus Deutschland kennst. 

Ein Alltag voller neuer Eindrücke 

Je nachdem, wo du deinen Austausch verbringst, wird dein Alltag ganz unterschiedlich aussehen. Zwischen Millionenstadt, Mittelmeerküste und kleineren Orten liegen oft Welten. Trotzdem gibt es Erfahrungen, die viele Austauschschüler*innen teilen. 

Vielleicht wunderst du dich anfangs über den dichten Verkehr oder darüber, wie lebendig viele Straßen bis spät in den Abend bleiben. Vielleicht kennt der Gemüsehändler nach ein paar Wochen schon deinen Namen oder der Verkäufer in deiner Lieblingsbäckerei weiß längst, was du bestellen möchtest. Genau diese kleinen Momente sorgen irgendwann dafür, dass sich aus einem fremden Ort ein Zuhause auf Zeit entwickelt. 

Alltag mit Überraschungen 

Der erste Kulturschock sind vielleicht gar nicht die Pyramiden. Sondern dass deine Gastfamilie plötzlich noch zehn weitere Leute zum Abendessen eingeladen hat und niemand das vorher erwähnenswert fand.

Natürlich ist jede Gastfamilie anders. Genau darin liegt aber auch der Reiz eines Schüleraustauschs: Du lernst den Alltag einer Familie kennen und nicht die Version eines Reiseführers. 

Wenn der Tag später beginnt 

Vor allem in den heißen Sommermonaten verschiebt sich das Leben vielerorts in die Abendstunden. Tagsüber kann es sehr warm werden. Sobald die Sonne langsam untergeht, werden Parks, Promenaden und öffentliche Plätze voller. 

Vielleicht wunderst du dich am Anfang, warum um 22 Uhr noch Familien mit kleinen Kindern unterwegs sind. Für viele Menschen ist das ganz normal. Die angenehmsten Stunden des Tages beginnen oft erst dann, wenn es draußen etwas kühler wird. 

Schule zwischen Unterricht und neuen Freundschaften 

Der Schulalltag unterscheidet sich je nach Schule. Häufig tragen Schüler*innen eine Uniform und der Unterricht ist stärker lehrerzentriert als an vielen deutschen Schulen. Respekt gegenüber Lehrkräften spielt eine wichtige Rolle und Prüfungen haben oft einen hohen Stellenwert. 

Mindestens genauso wichtig wie der Unterricht sind aber die Menschen, die du dort kennenlernst. Schule ist der Ort, an dem viele Freundschaften entstehen. Vielleicht wirst du schon nach kurzer Zeit zu Geburtstagen eingeladen, lernst neue Lieblingssnacks kennen oder merkst, dass Mathe auf Arabisch genauso kompliziert aussieht wie auf Deutsch. 

Ramadan erlebst du nicht nur im Kalender 

Je nachdem, wann dein Austausch stattfindet, erlebst du vielleicht den Ramadan.

Für viele Menschen ist das eine besondere Zeit im Jahr. Tagsüber fasten viele Muslim*innen. Nach Sonnenuntergang verändert sich dann oft das Leben in den Städten: Familien und Freund*innen kommen zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen, Straßen und Cafés füllen sich und vielerorts herrscht eine ganz besondere Atmosphäre.

Auch wenn du selbst nicht fastest, bekommst du mit, wie sehr diese Zeit den Alltag beeinflusst. Unterrichtszeiten können angepasst werden, Geschäfte haben teilweise andere Öffnungszeiten und viele Traditionen werden besonders sichtbar.

Fußball verbindet 

Fußball gehört für viele Jugendliche ganz selbstverständlich zum Alltag. Der wohl bekannteste ägyptische Fußballspieler ist Mohamed Salah, dessen Spiele von vielen Menschen begeistert verfolgt werden. 

Vielleicht diskutierst du mit deinen Mitschüler*innen über die ägyptische Liga, schaust gemeinsam wichtige Spiele oder fieberst mit deiner Gastfamilie bei einem Länderspiel mit. Selbst wenn Fußball bisher nicht dein größtes Hobby war, kommst du darüber oft schnell mit anderen ins Gespräch. 

Was läuft eigentlich auf dem Handy? 

Internationale Musik ist genauso präsent wie in Deutschland. Gleichzeitig lernst du Künstler*innen kennen, die im gesamten arabischen Raum bekannt sind. 

Und dann wären da noch die Memes. 

Ägyptischer Humor ist im arabischsprachigen Internet fast schon legendär. Viele Memes, Videos und Running Gags, die in anderen arabischen Ländern geteilt werden, stammen ursprünglich aus Ägypten. Wahrscheinlich verstehst du am Anfang noch nicht jede Anspielung. Vielleicht schickst du sie am Ende deines Austauschs selbst weiter. 

Koshari musst du probieren 

Wenn dir jemand sagt, du solltest unbedingt Koshari essen, hör auf den Rat. 

Das Gericht aus Reis, Nudeln, Linsen, Kichererbsen, Tomatensoße und knusprigen Röstzwiebeln gilt für viele als echtes Comfort Food. Sein Stellenwert ist ungefähr vergleichbar mit dem nächtlichen Döner oder der Pizza nach einer Party. Fast jede*r hat einen Lieblingsladen und eine Meinung dazu, wo es das beste Koshari gibt. 

Für wen ist Ägypten das richtige Gastland? 

Ägypten passt gut zu dir, wenn du neugierig auf neue Perspektiven bist und Lust hast, einen Alltag kennenzulernen, der sich in vielen kleinen Dingen von deinem eigenen unterscheidet. Offenheit und Interesse an anderen Lebensweisen helfen dir dabei, schnell anzukommen. 

Ein Schüleraustausch in Ägypten bedeutet nicht, jeden Tag Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Er bedeutet, Freundschaften zu schließen, neue Gewohnheiten kennenzulernen und ein Land durch den Alltag seiner Menschen zu erleben. Genau daraus entstehen oft die Geschichten, die man noch Jahre später erzählt.

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