Nina berichtet über ihre Rückkehr nach Deutschland
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Nina berichtet über ihre Rückkehr nach Deutschland

Als Corona plötzlich mein Auslandsjahr veränderte, war ich zusammen mit Freunden auf einer Finka und habe mein Wochenende genossen. Ich schaute auf mein Handy und las die Nachricht, dass mein Programm abgebrochen wird.


Natürlich war ich zuerst am Boden zerstört. Ich habe an die Zeit gedacht, die mir jetzt weggenommen wurde, die großartigen Erfahrungen, die ich noch hätte machen können. Ich habe mich in diesem Moment auch gefragt, ob ein Programmabbruch wirklich das Richtige ist. In Costa Rica war die Situation damals viel entspannter und es gab kaum Corona-Fälle.


Einen Tag später wurde dann mein Projekt (ich habe an einer weiterführenden Schule gearbeitet), alle Parks und eigentlich wirklich alles geschlossen. Ich durfte auch nicht mehr mein Haus verlassen und wusste, dass der Abbruch vielleicht eine gute Entscheidung war.

 

Schlimm war, sich nicht verabschieden zu können

Rückblickend war das Schlimme an der Situation nicht, dass ich früher nach Hause musste. Das Schlimme war, dass ich mich von niemandem richtig verabschieden konnte, nicht den letzten Arbeitstag oder das letzte Mal Kaffee mit meinen Freunden trinken zu können. Die meisten meiner Freunde und Familie konnte ich überhaupt nicht mehr sehen und musste mich über WhatsApp und Social Media von ihnen verabschieden.

Trotzdem habe ich versucht, positiv zu bleiben. In Costa Rica habe ich für immer ein zweites zu Hause und ich kann jeder Zeit zurückkommen und meine Familie und Freunde besuchen, sobald es die Umstände wieder zulassen.

 

Niemand wusste, wie die Situation in Deutschland wirklich ist

Der Flug nach Deutschland war komisch. Niemand wusste so wirklich, wie die Situation zu Hause ist. Die Flughäfen waren wie leergefegt, überall liefen Menschen mit Masken herum. Keine Rückkehr wie ich sie mir gewünscht hatte – kein großes Wiedersehen. Trotzdem konnte ich nicht so richtig traurig sein. Ich war glücklich, überhaupt erst die Chance gehabt zu haben, für acht Monate nach Costa Rica zu gehen, all die unglaublichen Menschen und die atemberaubenden Orte kennenzulernen. Ich glaube, wir vergessen zu oft, dass das nicht selbstverständlich ist.

Außerdem war ich auch froh, bei meinen Eltern und Geschwistern zu sein, mit meinen Katzen kuscheln zu können, deutsches Essen zu genießen und wieder warmes Wasser zu haben. Egal wie klein und unbedeutend die Dinge auch schienen, ich habe versucht, an den positiven Dingen festzuhalten und mich erstmal wieder auf Deutschland zu konzentrieren und auf die Dinge, die mich glücklich machen.

Nina war als Freiwillige 2019/20 mit AFS in Costa Rica. Im März wurden neben den Schüleraustauschprogrammen auch alle Freiwilligendienste zum Schutz der Teilnehmerinnen und Teilnehmern beendet. Mittlerweile sind alle Freiwilligen, die mit AFS im Ausland waren, wieder in Deutschland.

Ich meine, eigentlich geht es uns ja gut. Wir sind gesund (hoffe ich zumindest), haben Essen, ein Dach über dem Kopf und ganz viel Klopapier. Mehr braucht man doch nicht. Aber jetzt mal ernsthaft. Wir haben das Glück, in Deutschland leben zu dürfen, finanzielle Unterstützung zu bekommen, wenn zum Beispiel unsere Eltern ihre Arbeit durch den Virus verloren haben oder ihr Geschäft schließen mussten, eine gute medizinische Versorgung zu haben und auch eine gesicherte Versorgung mit Lebensmitteln (auch wenn es mal keine Hefe gibt). Einiges davon ist in vielen Ländern der Erde nicht selbstverständlich. Auch wenn es traurig war und ist, das Programm früher abzubrechen, gibt es so viele Gründe, glücklich zu sein.

 

Jeden Tag genießen, positiv bleiben

Was ich aus meiner Zeit im Ausland und vor allem dem plötzlichen Abbruch mitnehme ist, jeden Tag zu genießen, positiv zu bleiben, nichts als selbstverständlich zu sehen, dankbar zu sein und das auch zu zeigen, nichts aufzuschieben, sondern zu machen, wenn man die Chance dazu hat.

Die Situation ist für uns alle schwierig, und es ist okay traurig zu sein, aber was mir gerade jetzt in dieser Zeit hilft ist das Vertrauen, dass alles was passiert einen Grund hat.
„Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende“ – Oscar Wilde

 

Meine Erinnerungen und Freundschaften kann mir Corona jedenfalls nicht wegnehmen.

 

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