Ungarn liegt mitten in Europa und ist von Deutschland aus gar nicht so weit entfernt. Trotzdem kann sich dein Alltag dort ziemlich schnell nach einer neuen Welt anfühlen. Eine neue Sprache, andere Schulgewohnheiten, eine eigene Esskultur und Budapest vor der Haustür oder der Balaton gleich um die Ecke.
Ein Austausch, bei dem du Ungarisch wirklich lernst
„Szia“ und „köszönöm“ gehören wahrscheinlich zu den ersten ungarischen Wörtern, die du lernst. Viel weiter kommst du am Anfang vielleicht nicht. Denn Ungarisch ist keine Sprache, die dir viele bekannte Wörter aus dem Deutschen oder Englischen schenkt. Sie gehört zu einer anderen Sprachfamilie als die meisten europäischen Sprachen und funktioniert in vielen Punkten ganz anders. Das kann am Anfang ganz schön herausfordernd sein. Gleichzeitig ist es ein ziemlich gutes Gefühl, wenn du irgendwann plötzlich verstehst, was deine Gastfamilie gerade sagt, eine Bestellung auf Ungarisch hinbekommst oder ein Schild lesen kannst, das dir ein paar Wochen vorher noch wie ein Rätsel vorkam.
Schule mit Gimnázium und neuen Gewohnheiten
Viele ungarische Schüler*innen besuchen ein Gimnázium, das ungefähr mit einem deutschen Gymnasium vergleichbar ist. Der Schulalltag kann dabei strukturierter und formeller wirken, als du es aus Deutschland gewohnt bist. Unterricht ist häufig stärker lehrerzentriert und die Beziehung zwischen Schülerinnen und Lehrkräften etwas formeller. Auch die Schullaufbahn ist anders aufgebaut als in Deutschland: Neben dem Gimnázium gibt es verschiedene berufsbildende Schulen und Ausbildungswege. Wer ein Gimnázium besucht, bereitet sich in der Regel auf die Matura vor, den ungarischen Schulabschluss, der zum Studium berechtigt.
Ungarn kann ziemlich deftig
Die ungarische Küche ist bekannt für Paprika, kräftige Gewürze und eher herzhafte Gerichte. Gulasch, Paprikás und gefüllte Paprika gehören zu den Klassikern. Und Lángos kennst du vielleicht schon vom Jahrmarkt: frittiertes Hefeteiggebäck, meistens mit Knoblauch, Sauerrahm und Käse. Ein bisschen weniger bekannt, aber in Ungarn ziemlich alltäglich: Túró Rudi. Der Schokoriegel mit süß-säuerlicher Quarkfüllung gehört für viele Ungar*innen einfach dazu und ist so etwas wie ein kulinarisches Stück Kindheit.
Budapest ist mehr als das Parlament
Wenn du in Budapest lebst, hast du eine ziemlich besondere Stadt direkt vor der Haustür. Die Donau teilt die Stadt in Buda und Pest, dazwischen liegen Brücken, historische Gebäude, große Plätze und jede Menge kleine Cafés, Bars und Läden. Mit Metro, Straßenbahn und Bus kommst du fast überall hin. Du kannst nach der Schule an der Donau entlanglaufen, durch die Markthalle schlendern, dich mit Freund*innen in einem Park treffen oder einfach durch eines der vielen unterschiedlichen Viertel ziehen. Und weil Budapest gleichzeitig Großstadt und historischer Ort ist, liegen Sehenswürdigkeiten und ganz normaler Alltag oft erstaunlich nah beieinander. Aber Ungarn besteht nicht nur aus Budapest. Je nachdem, wo deine Gastfamilie lebt, kann dein Alltag deutlich ruhiger aussehen. Vielleicht wohnst du in einer kleineren Stadt, bist schnell in der Natur oder verbringst den Sommer am Balaton, dem größten See des Landes. Für viele Ungar*innen gehört der Balaton einfach zum Sommer dazu: baden, Eis essen, Lángos holen und mit Freundinnen am Wasser sitzen.
Thermalbad statt Freibad
Eine Sache wirst du in Ungarn vermutlich schneller verstehen als jedes historische Datum: Thermalwasser gehört hier zum Alltag. Die Badekultur hat in Ungarn eine lange Geschichte. Besonders Budapest ist für seine Thermalbäder bekannt. Was für Tourist*innen wie ein besonderes Erlebnis klingt, kann für Einheimische schlicht ein Nachmittag mit Familie oder Freund*innen sein. Und genau solche Momente machen einen Austausch spannend: Du besuchst nicht nur einen Ort, sondern bekommst mit, was Menschen dort ganz selbstverständlich machen.
Für wen ist Ungarn das richtige Gastland?
Ungarn passt zu dir, wenn du Lust auf einen Austausch hast, bei dem du dich wirklich auf eine neue Sprache und einen anderen Alltag einlassen möchtest. Du solltest neugierig sein und keine Angst davor haben, am Anfang nicht alles zu verstehen. Denn vielleicht ist genau das das Spannende an Ungarn: Du musst nicht ans andere Ende der Welt fliegen, um das Gefühl zu haben, wirklich in einer anderen Welt angekommen zu sein. Ein anderer Schulalltag, eine Sprache, die du komplett neu lernen musst, andere Familiengewohnheiten und ziemlich viel Paprika reichen dafür manchmal schon.

