Annika, Costa Rica, 2018, IJFD:

Annika hat ihren Freiwilligendienst in Costa Rica mit AFS und dem IJFD gemacht. Sie hat Kinder von Studentinnen und Studenten betreut, damit diese ihr Studium fortsetzen und sich bilden können.

 

Meine Reise und damit mein Freiwilliges Soziales Jahr mit dem internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) und AFS in Costa Rica begannen im Januar 2018. Elf Monate voller neuer Erfahrungen, Begegnungen, Freundschaften, Erkenntnisse, vieler Hochs und weniger Tiefs und dem ein oder anderen außergewöhnlichen Abenteuer – in einem wunderbar vielfältigen, fröhlichen und entspannten Land. Dem Land von „Pura Vida“.

Das Arrival-Seminar

Angekommen in San José, der Hauptstadt des Landes, ging es nach einer sehr kurzen Nacht in das Hauptbüro von AFS, denn es galt noch einiges zu organisieren. Zudem wurden wir ganz offiziell begrüßt und es folgten gemeinsame Spiele und ein leckeres Abendessen in großer Runde. Auch der nächste Tag fand mit einem Stadtrundgang ein schönes Ende. Dann waren die beiden Tage in San José auch schon vorbei und wir machten uns auf den Weg in ein kleines Dorf bei Paraiso „la Flor“ zur gleichnamigen „Finca la Flor“, einem Fleckchen Land wie im Bilderbuch.

Sehr naturnah, familiär und unsere Unterkunft für die folgenden 10 Tage – zum Ankommen generell aber auch zum Vertiefen, Ausbauen oder Anfreunden mit der Landessprache Spanisch, die allerdings in Costa Rica auch so ihre Besonderheiten hat. Unterteilt in Gruppen nach den verschiedenen Vorkenntnissen kamen wir aber alle gut zurecht. Nach den Unterrichtseinheiten wurde gemeinsam gesungen, gelacht und auf dem Fußballplatz des Dorfes die ersten Bekanntschaften mit Einheimischen geschlossen. Wie die Zeit in San José verfolg, waren auch diese Tage wie im Nu um und es ging in Richtung Gastfamilien.

Land und Leute

 

Meine Gastfamilie hat mich als Einzige direkt vor Ort abgeholt, denn unser Zuhause lag ganz in der Nähe. Oratorio, ein winziges Dorf, vierzig Minuten von Cartago (nächste größere Stadt) entfernt und somit ländlich, in den Bergen auf dem Weg zum Vulkan Irazú, gelegen. Dementsprechend für Costa Rica sehr kühl, regnerisch und oft sehr neblig aber sehr naturnah mit vielen großen grünen Wiesen, einer tollen Sicht ins Tal und mit dem „Jeder kennt Jeden“ in der kleinen freundlichen Dorfgemeinschaft. Ich als „Fremde“ wurde ganz offen aufgenommen, immer freundlich begrüßt und zu örtlichen Veranstaltungen eingeladen.

Das Willkommenheißen und die Offenheit gegenüber Menschen aus anderen Kulturen ist fester Bestandteil der Kultur der Ticos und Ticas, wie die Einheimischen sich gerne selbst bezeichnen. Überall wird man mit offenen Armen empfangen, in ein Gespräch verwickelt und auf Besuch mit reichlich Essen und Getränken eingedeckt. Die Einheimischen sind herzlich und sehr liebevoll, wohingegen viele Deutsche auf mich immer einen doch eher kühlen und distanzierten Eindruck machen. Generell sind die beiden Kulturen sehr unterschiedlich. Während wir Deutschen, zumindest die Mehrheit, Ordnung, Organisation und Pünktlichkeit als sehr wichtig empfinden, sehen die Ticos das oftmals entspannter. So kommt es vor, dass Verabredungen später stattfinden, Regeln nicht ganz so genau genommen werden und eben alles einen anderen Rhythmus hat.

 

Die Costa-Ricaner haben diese einfache und doch so tiefgründige Gabe, sich zu entspannen und ihre Zeit bzw. ihr Leben in vollen Zügen zu genießen. Dazu passt auch das eingängige Motto, eine Art Mantra des Landes „Pura Vida“ (reines Leben). Diese Lebenseinstellung, und wie sie die Ticos ausleben, gefiel mir direkt von Anfang an. Nach ersten kulturellen „Konfrontationen“ mit dieser doch ganz anderen Lebensform, habe ich sie während des Jahres in einer eigenen Form schon ganz automatisch übernommen und werde sie so schnell auch nicht mehr ablegen.

Meine Gastfamilie

 

Wirklich schwer, mich an die neue Umgebung zu gewöhnen, war es Gott sei Dank nicht, allerdings auch Dank meiner fantastischen Gastfamilie, die mich wunderbar integriert hat. Dazu gehört meine Gastmutter, 43, Studentin und Besitzerin des Dorfsupermarktes. Meine große Gastschwester, 23, und studierte Englischlehrerin, jedoch zur Zeit im familieneigenen Laden tätig. Dann nicht zu vergessen die Zwillinge, 20, und beide am studieren. Ganz wichtige weitere Familienmitglieder wie meine Gastoma und mein Gastopa, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen wohnten in direkter Nachbarschaft . Im Vergleich zu meiner deutschen Familie eine richtige Groß-, gar Riesenfamilie.

In unserem Haus waren wir jedoch, genau wie in Deutschland, zu fünft und ein reiner Mädels- Powerhaushalt. Jede war immer ziemlich beschäftigt, vor allem auch aufgrund des eigenen Supermarktes, der viel Zeit in Anspruch nahm, aber trotzdem hatte jede immer ein offenes Ohr für alle anderen. Der kleine Laden hat als Dorfmittelpunkt mir sehr geholfen, neue Kontakte zu knüpfen, mich mit den Dorfbewohnern zu unterhalten und so Freundschaften zu schließen. Demnach habe auch ich dort sehr gerne viel Zeit verbracht. Meine Mädels haben mich auch im Laden wie ein richtiges Familienmitglied aufgenommen und so konnte ich tatsächlich richtig mitarbeiten und Produkte verkaufen. Wenn wir gerade mal nicht dort waren, haben wir gemeinsam gekocht, eingekauft, für die Uni meiner Gastmutter gelernt, Filme geschaut, Spiele gespielt, Ausflüge als Familie durften auch nicht fehlen, außerdem wurde viel zusammen gelacht und geredet. Generell haben wir einfach alles geteilt und ich kann von Glück sagen, dass wir es nach wie vor noch ganz genauso machen.

Wichtig um eine solche Beziehung aufzubauen war definitiv, Spanisch sprechen zu können. Das muss ja nicht direkt wie bei mir ein Spanischabitur und mehrere Jahre Spanischunterricht in der Schule sein. Gerade am Anfang geben auch Grundkenntnisse schon ein ganz anderes Gefühl von Sicherheit in der neuen Kultur. Wenn dann noch einfache normale oder gar tiefgründige Gespräche möglich sind, beginnt der Prozess des Kennenlernens und der Aufbau einer tieferen Freundschaft, egal ob in der Gastfamilie oder im Projekt, um einiges schneller und kann somit insgesamt, meiner Meinung nach, intensiver werden. Intensiv war die Zeit mit meiner Gastfamilie defintiv, vorallem eben auch durch die fast gleichaltrigen Gastschwestern, mit denen ich ähnliche Interessen hatte. So haben wir ganz viel zusammen, aber auch mit deren, meinen und nach ein paar Monaten gemeinsamen Freunden unternommen – von Sport über shoppen, Friseurbesuche, backen und Ausflüge bis hin zum feiern gehen. Konflikte gab es nie, wenn dann Meinungsverschiedenheiten, die konstruktiv diskutiert und mit Kompromissen aus der Welt geschafft wurden. Demnach ist uns allen der Abschied sehr schwer gefallen und war mehr als tränenreich. Das Leben von einem auf den anderen Tag wieder ohne einander zu führen ist eben doch eine ganz unschöne Vorstellung. Trotzdem wussten wir alle direkt, dass es kein Abschied für immer sein würde, sondern nur ein, wie meine Gastmum so schön sagte, „Hasta luego“ was soviel heißt wie „Bis später“. Außerdem überwog das tolle Gefühl, auf der anderen Seite der Welt für immer ein zweites Zuhause gefunden zu haben, auch wenn man fürs erste seine Zelte dort wieder abbrechen musste.

Den Kontakt zueinander zu halten und uns regelmäßig auszutauschen ist in der heutigen Zeit dank all der sozialen Netzwerke kein Problem mehr und so haben wir, nach meiner Rückkehr nach Deutschland, schon viel geskypt und schreiben täglich. Nicht nur ich mit ihnen sondern auch meine deutsche Familie schreibt meiner costaricanischen und andersherum. Ein weiteres Highlight war nämlich der Besuch meiner deutschen Familie während meiner Zeit in Costa Rica und das gegenseitige Kennenlernen. Im Vorfeld hatten sich meine beiden Mütter schon immer über Nachrichten ausgetauscht, konnten es dann persönlich, und am Ende ist auch zwischen den beiden Familien eine enge Freundschaft entstanden. Jetzt habe ich also zwei Familien oder, wie man schön sagen könnte, eine Große, denn alle gehören irgendwie schon ganz automatisch zusammen, worüber ich sehr dankbar bin.

„Ser parte de una experiencia de intercambio es saber recibir, dar y finalmente dejar ir, con la convicción de alimentar el vínculo que se ha creado.“ (Teil einer Austauscherfahrung ist es zu wissen wie man empfängt, gibt und mit der Überzeugung das entstandene Band und somit den Kontakt zu halten loslässt.)

Meine Einsatzstelle

 

Sehr ans Herz gewachsen sind mir auch all meine Kolleginnen und Kollegen im Tip Tec, dem „Taller Infantil Psicopedagógico“, einer in der technischen Universität integrierten „Kinderwerkstatt“. Sie ist eine Einrichtung der frühkindlichen Bildung (Vorschule), die Kinder von 3 Monaten bis 6 Jahren täglich, auch ganztags, betreut. Die Mehrheit sind Kinder der Studenten, Beamten oder aber auch der breiten Öffentlichkeit. Mit diesem Angebot werden also vor allem die jungen Studenten und Studentinnen unterstützt und somit mehr Bildung möglich gemacht.

Während morgens die Kinder in Gruppen schon im frühesten Alter in allen möglichen Bereichen, wie Sprachen (unter anderem Spanisch, Englisch oder sogar auch Deutsch), gefördert werden, gibt es mittags mit genug Schlaf und Spiel für alle gemeinsam ein anderes Programm. Die Kids lernen spielend und haben sichtlich Spaß dabei. In diesen wirklich liebevoll eingerichteten Räumen, die nur so zum Wohlfühlen einladen und der auch von den Erzieherinnen und deren tollem Einsatz beeinflussten schönen Atmosphäre, geht in den Gesichtern der Kleinen die Sonne auf. Diese Begeisterung steckt einfach an und holt das Kind aus einem selbst wieder hervor. Die Einstellung und Sicht auf die Welt, die die Kinder haben, sollten wir Erwachsene uns des Öfteren zu Herzen nehmen. Unter Anderem deswegen mag ich die Arbeit mit Kindern so sehr, und so war es für mich direkt klar, ein Projekt mit Kindern als Projektwunsch anzugeben. Die Kombination mit dem Projektfeld der Bildung, die meiner Meinung nach immer wichtig ist, hat alles bestens abgerundet und ich war mehr als zufrieden.

Bei der Auswahl der Projekte hat AFS aus meiner Sicht einen tollen Job gemacht und genau auf unsere angegebenen Wünsche geachtet, sowie weitere Informationen, die wir in verschiedensten Bereichen gegeben hatten, mit einbezogen. Auch die mir zur Seite gestellte Kontaktperson, Victoria, als Ansprechpartnerin bei Fragen aller Art und bei möglichen Problemen, beispielsweise in der Familie oder eben im Projekt, war mit ganz viel Engagement und Herzblut dabei. Wir haben viel privat zusammen unternommen und sie hat mich auch des Öfteren auf der Arbeit besucht und sich nach meinem Wohl erkundigt, aber auch nach meiner Arbeit im Gespräch mit meiner Chefin und den Kolleginnen. Auch wenn es keine Probleme gab, war es ein schönes Gefühl, zu wissen, dass im Falle eines Falles jemand da war.

Ich arbeitete von Montag bis Freitag immer von 8 bis 16 Uhr mit einer Stunde Mittagspause und bei speziellen Events, wie Festen etc., auch gerne mal bis 19 oder 20 Uhr, was aber keiner von mir verlangte, sondern mehr als freiwillig und gerne geschah. Es waren also circa 40 Wochenstunden. Arbeit am Wochenende gab es nie. M

eine Chefin war sehr verständnisvoll, wenn ich aufgrund des doch weiteren Weges zur Arbeit (ca. 1 Stunde) ab und zu etwas später kam. Sicher aber auch, weil ich dann dementsprechend länger blieb. Zu meinen Aufgaben zählte beispielsweise die Unterstützung der Erzieherinnen, hauptsächlich meiner Gruppe „Interactivo 1“ am Morgen und am Mittag aller Anderen . Vorbereitungen zu treffen, aufzuräumen, auch mal etwas zu putzen, mit den Kids aufs Klo zu gehen, die Kids gegebenenfalls umzuziehen und und und. Dann die für mich täglichen Highlights wie Geschichten vorlesen, spielen, rumalbern, basteln, gemeinsames Musik machen, singen, zusammen essen und nicht zu vergessen ganz viel zu lachen. Langweilig wurde es mir definitiv nicht, und so ging die Arbeitszeit wie im Flug um.

Das gesamte Team hat mich wie eine normale Erzieherin aufgenommen, mich in jeder noch so kleinsten Entscheidung mit einbezogen, ich durfte bei allen Besprechungen dabei sein, wurde den Eltern vorgestellt, mir wurde vertraut und viel Verantwortung übertragen. Beispielsweise durfte ich mit den Kindergruppen allein sein und von mir selbstgestalteten Deutschunterricht geben. Meine Kolleginnen halfen mir interessiert an allen Ecken und Enden. Auch wenn die Kinder noch alle sehr klein waren, nahmen sie schon früh Vieles schnell auf, was positiv zu ihrer Entwicklung beitrug. So habe ich, dem Alter angepasst, leichte Themen in meinen Unterricht einbezogen und spielerisch mit den Kleinen gelernt. Beispielsweise haben wir Bilder gemalt, Tiermemory gespielt, deutsche Kinderlieder wie „Wer hat die Kokosnuss geklaut“ gesungen oder zum „Fliegerlied“ getanzt.

Die absoluten Highlights für die Kids waren aber meine Puppentheater und die gemeinsam gestalteten Deutschordner zum Abheften und Aufbewahren der kleinen Kunstwerke. Mir lag besonders am Herzen, dass die Bastelarbeiten und Bilder gut verstaut werden können und gleichzeitig eine schöne Erinnerung an die gemeinsam verbrachte Zeit darstellen. So habe ich die Besorgung und die Gestaltung der Ordner als persönliches Projekt ausgewählt. Jede Gruppe hat ihr eigenes Deckblatt bekommen und jedes Kind zusätzlich auf die erste Seite einen kleinen persönlichen Text und ein Gruppenfoto. Gerade die Größeren, die demnächst in die Schule gehen und dort keinen Deutschunterricht haben, können sich bestimmte Dinge nochmals zuhause anschauen und, wie von ihnen und teils sogar Eltern gewünscht, Aufgaben zum Erhalt des Erlernten machen. So hat das persönliche Projekt nicht nur Erinnerungswert an mein Jahr dort, sondern macht meinen Unterricht nachhaltiger.

 

Die Idee beziehungsweise die Anregung von AFS Costa Rica zu einem persönlichen Projekt, einer eigenen zusätzlichen Arbeit im Projekt, der Familie oder im Wohnort, finde ich gut. Es war mir jedoch zu viel Druck, beispielsweise schon pünktlich zum ersten Seminar, genaue Vorstellungen und Ideen zur Umsetzung vorlegen zu müssen. Diese tauchen doch erst Schritt für Schritt mit dem Kennenlernen des Umfeldes auf. In der ersten Zeit muss sich zudem erst an alles Neue gewöhnt werden sodass die Gedanken nicht direkt ums persönliche Projekt kreisen. Außerdem wurden andere Vorschläge von Mitfreiwilligen, sich z.B. bei einer lokalen Organisation einzubringen und diese zu unterstützen, streng abgelehnt. Natürlich ist die Ursprungsidee, sich selbst Gedanken zu machen und etwas zu entwickeln. Wenn aber in einem Projekt den Menschen (zum Glück) nichts fehlt und auch mit Rücksprache mit der Familie etc. keine Idee auftaucht, warum sollte man es dann erzwingen? Meiner Meinung nach, die ich auch AFS in Costa Rica mitgeteilt habe, sollte das Projekt, denn dafür nennt es sich ja auch „persönliches“ Projekt, jedem einzelnen mehr Spielraum geben. Das Wichtigste ist doch immer noch, dass es letztendlich von Herzen kommt und eine andere Person glücklich macht bzw. etwas positiv verändert.

Die Verabschiedung aus dem Kindergarten stand als Erste an und war mindestens genauso tränenreich wie die von meiner Gastfamilie. Abschiede sind nie schön, aber auch hier war ich mir sicher, dass es ein Wiedersehen geben wird. Schön war es auch einfach die Anerkennung und Dankbarkeit der Kolleginnen, Eltern und vor allem natürlich der Kinder zu spüren und so zu wissen, dass die eigene Arbeit sich gelohnt und ausgezahlt hat. Die tiefe Freundschaft mit all meinen Kolleginnen ist ein wirklich wunderschönes Extrageschenk zu all den selbstgemachten Kleinigkeiten, die mir am letzten Tag überreicht wurden. An diesem Tag waren alle gemeinsam abends essen, lachen und die letzte Zeit genießen. Dies war einer der doch so vielen Momente, in denen ich ganz vergessen habe, dass ich woanders her komme, sondern mich angekommen und vollkommen zuhause gefühlt habe. Meine Kolleginnen sagten, ich sei ein fester Bestandteil der „Familia Tip Tec“ und werde es immer bleiben. Auch sie sind fester Bestandteil meines Jahres in Costa Rica und werden es immer bleiben.

Abschließend lässt sich also sagen, dass mein Auslandsjahr nicht nur für mich ein voller Erfolg war, da ich viel dazulernen und mich weiterentwickeln konnte, sondern ein Jahr das mein und das Leben Anderer für immer geprägt hat.

Globales Lernen

 

Eine solche Erfahrung ist einfach einzigartig. Die beste Möglichkeit, aus dem Alltag auszubrechen, über den Tellerrand zu schauen und somit seinen Horizont zu erweitern. Dabei stellt man nämlich erneut fest, dass egal aus welcher Kultur die Menschen kommen, eben alle nur Menschen sind und ihre Verschiedenheit eine Bereicherung für alle ist. Gerade in der heutigen globalen Welt, in der man meinen sollte, dass durch die Vernetzung die Menschen näher zueinander rücken, wird Fremdenfeindlichkeit und Hass sowie Rassismus immer größer.

Wenn junge Menschen dann die Möglichkeit haben, mit Unterstützung des Staates ins Ausland zu gehen, finde ich das einen wichtigen Schritt dagegen. Auch die spezielle Vorbereitung unter dem Schwerpunkt „Interkulturelles Lernen“ oder Begleitprogramme wie das Online-Videotraining „Global Competence Certificate“ tragen dazu bei. Für mich bedeutet „globales Lernen“ Weltoffenheit, Empathie und das Verstehen unserer Welt als „Eine-Welt“. Weg vom kategorischen Denken (Erste- Zweite und Dritte-Welt) hin zum Blick auf eine ganze friedliche Erde mit einer nachhaltigen Entwicklung der Weltgesellschaft, also der Verwirklichung von Menschenrechten und globaler Gerechtigkeit.

Betreuung durch AFS

 

Auf diese Themen und generell die richtige Vorbereitung, die tatsächlich sehr entscheidend ist, legt AFS großen Wert. Vor allem die insgesamt zwei Wochen Vorbereitungsseminare versorgen einen mit allen möglichen Informationen übers Gastland, bereiten einen beispielsweise auf mögliche Konfliktsituationen vor, geben Sicherheit, Bestätigung und machen einfach Spaß. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ein großes Lob an AFS aussprechen und deutlich machen, dass die Entscheidung, mit AFS ins Ausland zu gehen, für mich persönlich die Richtige war. Dank der vielen hauptsächlich ehrenamtlichen Helfer aber auch allen anderen, die mit Herzblut und vollster Überzeugung dabei sind, hat AFS eben Dank der Größe eine gute Organisation.

Das Einzige, was ich kritisieren könnte, ist die doch schwierige Förderkreisbildung als eigener Beitrag zur Finanzierung von allen möglichen anfallenden Kosten im Zusammenhang mit dem Auslandsaufenthalt. Trotz der vielen Tipps im Vorfeld fiel mir die Umsetzung sehr schwer. Ich habe sowohl Briefe und passendes Infomaterial an Firmen geschickt, vor Ort vorgesprochen und Präsentationen gehalten als auch im Bekannten- und Familienkreis von AFS erzählt. Positive Resonanz kam direkt von Familie und Freunden jedoch nicht von den vielen angefragten Firmen. Geld auf kein offizielles Konto von AFS sondern erst auf ein Konto von mir als Freiwillige zu überweisen war für viele zu riskant. Bei Interesse von zwei Firmen, mich zu unterstützen, wurde auf deren Nachfrage, ob ich denn überhaupt einen Programmplatz habe, dies fälschlicherweise von AFS verneint und ich gegenüber den Firmen damit als unglaubwürdig dargestellt. Auch wenn mein Ansprechpartner bei AFS mit seinem Engagement noch einiges retten konnte, sollte dies erst gar nicht nötig sein und einfach nicht vorkommen. Hier würde ich um eine genauere Arbeit doch nochmals sehr bitten, eben vor allem, da es kein Einzelfall war.

Engagement nach meiner Rückkehr

 

Bezüglich meiner weiteren Laufbahn kann ich jetzt schon definitiv sagen, dass die globale Entwicklung auch nach wie vor eine Rolle spielen wird. Mein angestrebter Studiengang geht mit Kulturwissenschaften als großer Teil doch auch in eine ähnliche Richtung. Des Weiteren plane ich, meine Erfahrungen auf Messen und gegebenenfalls als Teamerin an neue Freiwillige weiterzugeben und somit auch AFS, die so viel für mich gemacht haben, zu unterstützen.
Abschließend kann ich nur sagen, dass die Entscheidung mit AFS für einen Freiwilligendienst ins Ausland zu, eine der besten meines ganzen Lebens war. Jeder, der die einmalige Chance hat, egal wie, wann und wo dasselbe oder Ähnliches zu tun, sollte sie nutzen. Schaut über den Tellerrand, erweitert euren Horizont, wachst über euch hinaus, lernt fürs Leben, steht für Offenheit und Toleranz, genießt und habt Spaß, seid mutig, denn bekanntlich bereut man immer nur die Dinge, die man nicht getan hat. Aber vor allem bleibt stets bescheiden, hilfsbereit und dankbar.