Rachel, Kenia, 2024, weltwärts
Wie hat sich mein Eindruck innerhalb meines Aufenthaltes entwickelt?

Genieße Kenia in deinem Freiwilligendienst mit AFS.

Nach unserer Landung sind wir als Gruppe gleich ins on-arrival-camp gegangen. Dort waren nur wir und die Leute von AFS Kenia. Wir haben noch recht wenig vom Land und seinen Leuten mitbekommen. Wir wurden noch geschützt auf mögliche Szenarien vorbereitet. Nach dem Camp wurden wir jeweils von einem freiwilligen Begleiter zu unseren Gastfamilien gebracht. Ich war mit einer anderen Freiwilligen in Bungoma, im Westen von Kenia, stationiert. Wir sind mit unserer Begleitperson mit dem Bus von Nairobi nach Bungoma gefahren. Die Fahrt sollte eigentlich etwa 8 Stunden dauern, wir waren jedoch etwa 12 Stunden unterwegs. Es war gleich eine Unterstreichung, dass pünktlich sehr relativ sein kann.

In Bungoma wurden wir dann von unseren Gastfamilien abgeholt. Die ersten paar Tage waren wir jeweils bei unseren Gastfamilien. Ich hatte mein eigenes Zimmer, in dem ich mich frei einrichten konnte. Meine Gastfamilie hat sehr gut verstanden, dass ich zwischendurch Zeit für mich brauche. Auch wenn dies tatsächlich etwas ist, dass in deren Kultur eher nicht so großgeschrieben wird, haben sie mir sehr viel Privatsphäre gegeben. Wenn ich in meinem Zimmer war, wurde ich nicht gestört, wenn es nichts Wichtiges war und dann wurde auch angeklopft. Dieser Fakt hat mir einiges sehr erleichtert. Natürlich habe ich mir auch immer sehr Mühe gegeben, mich eben nicht immer zurückzuziehen, sondern rauszugehen. Meisten gab es nicht so viel bei dem ich mithelfen konnte. Ich habe dann ziemlich schnell angefangen, draußen auf der Veranda eine kleine Ecke einzurichten und dort zu zeichnen oder Tagebuch zuschreiben. So war ich draußen und Jeder konnte mit mir reden und Besucher konnte mich auch gleich begrüßen und mit mir reden, wenn ihnen danach war. Ich war nicht im Weg, war erreichbar und hatte dennoch meinen Raum und konnte etwas für mich tun. Wenn Gemüse draußen gezupft wurde, war ich auch gleich da, es hat sich tatsächlich als sehr gute und angenehme Lösung herausgestellt und ich habe meine Ecke sehr lieb gewonnen.

Da meine Gastfamilie zum ersten Mal Gastgeber für eine Freiwillige war, wussten sie nicht so recht, was ich machen durfte und was sie mir untersagen sollten. Es war am Anfang recht anstrengend, dies alles auszuhandeln. Natürlich hätte ich mich einfach bei AFS oder meiner Kontaktperson melden können und sagen, dass meine „Freiheiten“ zu sehr eingeschränkt würden, aber ich hatte beschlossen es langsam anzugehen und ein Vertrauen aufzubauen und ihnen zu zeigen, dass ich mich an ihre Vorgaben halte und sie sich auf mich verlassen können und mir mehr Freiheiten geben können. Es ging Anfangs darum, dass ich spätestens um 18:00 zurück sein sollte und nicht allein herumlaufen sollte. Nach dem mir dann einmal der Ort gezeigt wurde, durfte ich mich auch alleine, frei bewegen und auch die Ausgangssperre hatte sich schnell erledigt, nachdem ich gezeigt hatte, dass ich verlässlich bin und mich melde, wenn sich etwas ändert.

Dann war auch Reisen am Anfang ein heikles Thema. Sie hatten ein schlechtes Gewissen uns zwei weiße Mädchen alleine in einer uns unbekannten Gegend gehen zu lassen. Natürlich waren ihre Bedenken begründet und sehr lieb gemeint, dennoch war es sehr schwer für mich, dass ich so eingeschränkt wurde. Aber auch bei dieser Angelegenheit war alles gut, nachdem sie gesehen haben, dass wir nicht total unvorsichtig sind. Schnell war es dann so, dass ich mich oft sehr kurzfristig bei ihnen abgemeldet habe und nur kurz Bescheid gegeben habe, dass ich dann eine Woche wegfahren werde und wohin ich gehen werde. Da ich doch ein recht enges Verhältnis mit einer Gastfamilie hatte, habe ich mich auch gemeldet, wenn ich dort angekommen bin und wenn ich für mehrere Wochen weg war, habe ich auch zwischendurch angerufen, einfach um zu sagen, wie es mir geht und zu hören, wie es ihnen geht.

Was war am Anfang ungewohnt und am Ende „normal“?

Im Prinzip war alles ganz anders als aus Deutschland gewohnt und wurde mit der Zeit immer „normaler“. Als Beispiel: die Stromausfälle. Der Strom ist durchaus zwischendrin für ein paar Stunden oder auch den ganzen Tag ausgefallen. Zu Anfang war es ungewohnt und ich wusste nicht so recht, ob ich jetzt davon ausgehen muss, dass ich tagelang keinen Strom mehr haben werde oder auf was ich mich gefasst machen soll. Es ging recht schnell und man hatte den Dreh rausbekommen und festgestellt, dass es durchaus auch mit dem Wetter zusammenhängt und man dann seine Geräte nochmals auflädt, wenn sich ein Unwetter zusammen zu brauen schien.

Auch mit dem Wasser war es sehr ähnlich. Bei meiner Gastfamilien gab es meistens fließend Wasser. Allerdings nicht immer. Es kam schon vor, dass tagsüber kein Wasser in den Leitungen war und erst abends wieder. Selbst wenn es mal ein oder zwei Wochen kein Wasser gab, lernte ich doch sehr schnell damit umzugehen, ohne das Gefühl zu haben, dass mir etwas fehlen würde. Man musste dann einfach schauen, dass man die Wassereimer immer nachfüllt.

Ein weiter großer Punkt war der Transport. Anfangs super ungewohnt und erschien total chaotisch und inzwischen, viel einfacher und angenehmer als das deutsche Transportsystem.

Öffentliche Verkehrsmittel in Kenia.

Immer noch chaotisch ja, aber so schön einfach. Man kommt aus der Tür und kann den BodaBoda an der nächsten Ecke nehmen, der einen dahin bringt, wo man hin möchte. Für weitere Strecken sind die Matatus auch sehr einfach zu erreichen und auch mitten auf der Strecke aus- oder einzusteigen ist gar kein Problem. Im Fall, dass es dann nochmals etwas seriöser sein soll, gibt es auch wirklich gute Busverbindungen durchs ganze Land, die absolut unkompliziert sind und zuverlässig fahren. Sobald man sich traut da mitzumachen, ist es wirklich unkompliziert und macht Spaß.

Habe ich viel mit Gleichaltrigen gemacht?

Am Anfang wurde ich sehr, sehr vielen Leuten vorgestellt. Meine Gastgroßmutter hat mich zu allen Nachbarn, Verwandten und Bekannten mitgenommen. Es war anfangs völlig überwältigend. Lauter neue Gesichter und Namen. Die meisten waren allerdings älter als ich. Eine von ihren Enkeltöchtern war in meinem Alter und mit ihr habe ich mich auch gut verstanden. Wir hatten viele wirklich gute Unterhaltungen und auch bei Feiern zuhause hat sie mich meistens an die Hand genommen, damit ich nicht total untergehe, bei den ganzen Leuten und ganz ohne Plan, wo ich eigentlich hingehöre. Sie war meine Unterstützung zuhause, da ich ja nicht wirklich Gastgeschwister hatte.

Schon relativ früh, also in den ersten paar Wochen, hatte mich mein Gastonkel mit zum Essen genommen, um mich einer Freundin und ihrer Familie vorzustellen. Die älteste Tochter der Freundin war in meinem Alter. Wir haben uns gleich sehr gut verstanden und Nummern ausgetauscht. Wir haben uns dann das ganze Jahr über immer wieder getroffen. Es wurde eine wirklich gute Freundschaft die gut gehalten hat und bei der ich auch wirklich denke, dass sie weiter andauern wird. Sie hat mir immer wieder Tipps gegeben, wie ich es mir vereinfachen kann, um mich anzupassen.

Im Dezember ist dann der Sohn von meinem Gastonkel gekommen, der sonst in Nairobi lebt. Er war auch etwa in meinem Alter. Mit ihm habe ich mich tatsächlich auch gut verstanden. Es war für mich durchgehend ein Problem, dass Männer immer etwas von mir wollten und dies auch sehr offen gezeigt haben. Eine richtige Freundschaft war nicht so leicht zu schließen. Mit ihm ging es aber tatsächlich. Er war offener, was auch zu einem großen Teil daran lag, dass er in Nairobi lebte. Da ist es nochmals sehr anders von der Einstellung als in Bungoma. Er hatte Interesse an einem richtigen Austausch. Er las sehr viel auch über Europa und fragte mich oft, ob es stimme, was er gelesen hat oder ob es nicht ganz anders sei. Dies Gespräche waren sehr unterhaltsam und durch ihn hatte ich oft dann nochmals einen ganz anderen Blickwinkel auf alles. Auch wenn ich ihm erzählte, wie und was ich in Kenia erlebe, hat er sich sehr gut amüsiert, da meine Erlebnisse doch ganz anders waren, als sie sich selbst dort wahrnehmen.

Ebenfalls im Dezember haben die andere Freiwillige und ich ein Mädchen in unserem Alter beim Schwimmen getroffen und sind daraufhin immer wieder mit ihr unterwegs gewesen. Sie hat uns einige Orte ein wenig außerhalb gezeigt, die wir wohl sonst nicht so einfach gefunden hätten.

Was sind kulturelle Unterschiede/Gemeinsamkeiten?

Was kulturelle Unterschiede sind, kann ich gar nicht so aus dem Stehgreif sagen. Natürlich gibt es da sehr viele und anfangs bin ich da auch das ein oder andere Mal damit angeeckt, aber auch das wurde einfach „normal“. Eine Sache, die definitiv noch sehr stark verbreitet ist, ist das Hierarchie-System und wie minderwertig die Frauen oft behandelt werden und wie das dann, auch von betroffenen Frauen, oft schön geredet wird. Es war oft ein unverständlicher Schock, den ich hatte, wenn mir so die ein oder andere Geschichte zu Ohren gekommen ist. Zunächst war es oft absolut unverständlich, wieso da nicht viel mehr Gegenwehr kam. Mit der Zeit wurde es mir schon immer klarer, wie tief das Ganze geht und dass es eben nicht einfach mit weglaufen gelöst ist, sondern viel problematischer ist. Warum mir aber oft genau die betroffen Frauen eindringlich einreden wollten, mir einen Mann dort zu suchen und mich ihm genauso unterzuordnen, war mir dann doch rätselhaft.

Am Anfang gab es viele Themen, bei denen ich einfach geschwiegen habe, da ich nicht derselben Meinung war und mir nicht sicher war, wie man meine Meinung auffassen würde. Nach einer Weile hatte ich dann aber doch ein ganz gutes Gefühl dafür, mit wem ich auch mal über heiklere Themen sprechen kann und wer es erträgt, auch eine andere und kritische Gegenmeinung zuhören.

Was waren meine Aufgaben und wurde ich darauf vorbereitet?

Ich habe in einem kleinen Krankenhaus in Bungoma gearbeitet. Ich war in der Mother and Child Welfare. Dort habe ich hauptsächlich die Bücher der Patienten durchgeschaut und geschaut, was anstand, also die wievielte Untersuchung, ob irgendwelche Impfungen anstanden oder ob sonst etwas unvollständig war. Die Register habe ich auch gelernt zu führen. Ich habe die Babys gewogen und gemessen und von den Schwangeren den Blutdruck und das Gewicht kontrolliert. Bei den monatlichen Berichten habe ich auch geholfen, wo ich konnte. In den anderen Bereichen des Krankenhauses habe ich immer wieder vorbeigeschaut, aber nicht wirklich mitgearbeitet.
Mir wurde jeweils gezeigt, was und wie ich die Aufgabe durchführen soll. Es wurde nicht erwartet, dass ich es gleich auf Anhieb kann und alles verstanden habe. Bei einigen Eintragungen wurde mir am Anfang gesagt, schreib es einfach so hin. Mit der Zeit wurde mir alles noch viel genauer erklärt und am Ende habe ich wirklich verstanden, wofür die ganzen einzelne Buchstaben oder Zahlen standen. Am Anfang wurde mir das Wichtigste erklärt und dann darauf aufgebaut, da es offensichtlich viel zu viel gewesen wäre, alles auf einmal zu verstehen. Ich fand es sehr gut gemacht von meiner Aussichtsperson im Krankenhaus.

Wie viele Stunden habe ich in der Woche etwa gearbeitet? Auch am Wochenende?

Ich habe jeweils von acht oder eher halb neun bis drei oder vier gearbeitet. Ich hatte da viel Freiraum. Am Nachmittag waren kaum Patienten in unserem Abteil und oft war ich dann in der Küche und habe mich dort mit den anderen unterhalten nach dem Mittagessen. Es war sehr unterschiedlich, wann ich gegangen bin. Manchmal bin ich schon früher gegangen, wenn zuhause Besuch war, den ich treffen sollte oder wenn ich übers Wochenende weg bin und vor der Dunkelheit dort ankommen wollte. Ich bin oft auch länger geblieben, wenn wir mehr Zeit für Berichte oder so brauchten.

Am Wochenende habe ich nicht gearbeitet. Da war tatsächlich auch mein Bereich geschlossen. Der Teil von Krankenhaus war grundsätzlich nur unter der Woche geöffnet.

War ich ausgelastet?

Naja, ich saß schon sehr oft nur rum und hatte nichts zu tun. Am Anfang war es sehr anstrengend nichts zu tun zu haben, aber mit der Zeit habe ich mich immer besser mit meinen Kollegen verstanden und mich dann sehr viel mit den verschiedenen Personen dort unterhalten, über wirklich alles mögliche, oft auch einfach Theorie Stunden zu allen möglichen Krankheiten oder Medikamente oder was auch immer bekomme. Oder eine Weiterbildung zu der Kultur. Später hatte ich dann Zeit, meine Sachen fürs Studium zu organisieren. Es gab Tage dazwischen, an denen ich wirklich durchgearbeitet habe und selbst die Mittagspause sehr kurz gehalten wurde. Also sehr verschieden. Da das Krankenhaus wirklich super klein war, hatte ich meistens sehr wenig zu tun. Wie gesagt am Anfang war es schwer, da man in Deutschland doch davon ausgeht, zu arbeiten, wenn man sagt, dass man zur Arbeit geht. Nach dem ich die übrige Zeit dann doch gut genutzt habe, war es ganz ok. Aber wirklich ausgelastet würde ich es nicht nennen.

Wie bin ich zur Arbeit gekommen und wie viel Zeit hat es mich gekostet?

Zur Arbeit bin ich immer mit dem BodaBoda gefahren. Meine Gastfamilie hatte mir gleich zu Beginn einen Fahrer angegeben, dem sie vertrauen und den habe ich dann das ganze Jahr genutzt. Auch wenn es gar kein Problem gewesen wäre, jedes Mal einen anderen zunehmen, war es doch sehr angenehm zu wissen, am Morgen steht er da und am Nachmittag kommt er so ungefähr zur gleichen Zeit, wenn ich ihm nichts anderes sage. Ich kann ihn einmal in der Woche bezahlen, ich muss nicht jedes Mal über den Preis diskutieren und er weiß, wo ich wohne. Eine Strecke kostete jeweils 50 Schilling also 100 am Tag.

Natürlich habe ich schon auch mal einen anderen genommen, wenn ich in der Stadt unterwegs war und doch nicht mehr laufen wollte oder so. Aber es war wirklich sehr gut einen zuhaben, auf den Verlass war.

Wie habe ich das Einleben und den Abschied empfunden?

Lebe in einer Gastfamilie in deinem Freiwilligendienst mit AFS in Kenia.

Wie schon gesagt, da ich mein eigens Zimmer als Rückzugsort hatte, aber mich dennoch sehr bemüht habe, möglichst oft draußen zu sein, hat es die ganze Sache deutlich erleichtert. Dennoch war es anfangs eben nicht immer leicht, da meine Gastfamilie das erste Mal Gastgeber für eine Freiwillige war. Die ersten zwei Monate waren grundsätzlich sehr schwer.

Alles war neu und so anders als gewohnt. Dennoch habe ich mich recht schnell wirklich zuhause und angekommen, in der Familie, gefühlt. Ich glaube sehr gut war auch, dass wir immer sehr offen und klar miteinander kommuniziert haben. Ich habe meine Gastgroßmutter auch gleich darum gebeten, es mir möglichst direkt zusagen, wenn ich etwas tue, dass ihnen nicht passt, da ich es ansonsten vermutlich nicht so schnell merke, es aber sicher nicht böse meine und es auch nicht als böse auffassen werde, sondern sehr dankbar wäre, wenn es mir mitgeteilt wird, falls ich einen Fehler mache. Wir waren also wirklich immer offen zueinander und es gab keine großen Probleme. Als ich dann angefangen habe länger zu reisen, habe ich mich dann schon immer wirklich gefreut, nach Hause zurück zukommen. Es war wirklich ein
schönes Gefühl, zu wissen, dass da ein Ort ist, an dem man sich so wohl und angekommen fühlen kann.

Dementsprechend schwer war dann auch der Abschied. Die Familie ist mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Sie waren so gut zu mir und haben mich wirklich in ihre Familie aufgenommen und mir auch immer wieder gesagt, wie willkommen ich immer sein weder und dass ich jetzt und für immer ein Teil der Familie sein werde. Das hat mich natürlich nicht kalt lassen können. Letztlich hat es sich bisschen so angefühlt, als würde ich mein Zuhause verlassen, um nach Hause zu gehen.

Was waren meine ersten Eindrücke und wie haben sie sich mit der Zeit verändert?

Auch hierzu habe ich das meiste schon gesagt. Zunächst war alles extrem ungewohnt und gewöhnungsbedürftig, aber recht schnell erschienen es absolut normal und war schon wie im Körper abgespeichert. Zum Beispiel wenn es mal wieder kein fließend Wasser gab. Ich bin dann schon immer mit meinen Duschsachen ins Bad und habe den Hahn aufgedreht und geschaut wie viel Wasser da rauskam, bevor ich überhaupt die Tür zugemacht habe. Es war einfach schon so automatisch bei mir abgespeichert. So war es eigentlich bei ziemlich allen Dingen. Auch beim Essen. Ich habe gedacht, dass es mich Überwindung kosten würde, mit meinen Händen zu essen. Erstaunlicherweise war dies gar kein Problem. Ehrlich gesagt habe ich gar nicht darüber nachgedacht, stattdessen habe ich einfach kopiert wie es alle um mich
tun, ohne richtig darüber nachzudenken.

Wie hat die Betreuung durch AFS Kenia stattgefunden?

Zu Beginn hatten wir das “on-arrival-camp” und haben dort eine recht gründliche Einführung von AFS Kenia bekommen und auch alle relevanten Kontakte. Uns wurde
allen eine Kontaktperson im jeweiligen Ort zugeteilt. Die im gleichen Ort, hatten auch die gleiche Kontaktperson, an die man sich wenden konnte, wenn man ein Problem hatte.

Zwischendrin bekamen wir eine E-Mail, wenn sich etwas in Kenia ereignet hat und wie wir uns nun verhalten sollen. Die Betreuung war sehr angenehm locker. Wenn man jedoch ein Anliegen hatte und an AFS Kenia schrieb, so kam in der Regel sehr schnell eine Antwort und man hatte das Gefühl, dass man ernst genommen wurde und es dem Team am Herzen lag uns zu helfen.

An welchen Seminaren habe ich teilgenommen?

In Deutschland waren es zwei Seminare, an denen ich teilnehmen durfte und musste, zur allgemeinen Vorbereitung auf den Einsatz. Es gab zusätzlich drei online Seminare vor der Ausreise, spezifisch für das jeweilige Land, um uns vorzubereiten.

In Kenia angekommen hat es, wie schon erwähnt, gleich mit einem Einleitungsseminar begonnen. Zur Hälfte unseres Aufenthaltes, gab es dann ein “Midstayseminar “und am Tag vor dem offiziellen Abflug haben wir uns nochmals Alle mit AFS getroffen für ein kurzes “Endstayseminar”. In Deutschland findet noch ein Nachbereitung Seminar statt.

Ich finde vor allem die Vorbereitungsseminare sehr sinnvoll und auch gut gestaltet. Auch die anderen finde ich eine gute Idee.

Welche Erwartungen hatte ich an AFS Deutschland und wurden diese erfüllt?

Ich hatte keine richtigen Erwartungen an AFS Deutschland. Ich hätte angenommen, dass ich mehr von ihnen zwischendrin hören würde. Es kamen wirklich nur Fragebögen zwischendrin zum Ausfüllen. Ich finde es aber gut so. Mir würde jetzt auch nichts einfallen, was ich mit AFS Deutschland, während meines Aufenthaltes, zu besprechen gehabt hätte. So war es sehr angenehm. Man hatte nicht die ganze Zeit das Gefühl, nur im Auftrag da zu sein, sondern man konnte sich da sein Leben für das Jahr aufbauen, in dem gesetzten Rahmen und mit seinem Projekt, aber doch sehr frei. Es war einfach ein schönes Gefühl.

Gab es Konflikte und wie sind alle Beteiligten damit umgegangen?

Nein, es gab nie ernsthafte Konflikte. Wie schon gesagt, war es am Anfang ein wenig schwierig mit meiner Gastfamilie rauszufinden, was ich alles darf. Es kam jedoch nie zu einem Konflikt, da wir uns von beiden Seiten einfach Zeit gegeben haben, um uns gegenseitig kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Mir wurde auch sehr schnell gesagt, dass sie ja inzwischen wissen, dass ich mich zurecht finde und ich jetzt frei bin, zu kommen und zu gehen, wie es mir passt, ich sei alt genug und nicht mehr fremd mit der Umgebung und sie wissen, dass Verlass auf mich sei.

Auch sonst habe ich immer versucht, Konflikte zu meiden und zunächst mal nur zuzuhören und erst meine Meinung zusagen, wenn ich wirklich das Gefühl hatte, mit der Reaktion zurecht zukommen.

In welcher Sprache habe ich mich verständigt?

Glücklicherweise konnte ich mich auf Englisch verständigen. Die Amtssprachen in Kenia sind Kiswahili und Englisch. Daher konnten die meisten tatsächlich auch Englisch. Natürlich nicht alle und auch nicht immer gut, aber eben doch wirklich überraschend viele. Ältere Leute manchmal nicht oder junge, vor allem Frauen die nicht in der Schule waren. Dies war eher eine Ausnahme. Mit der Zeit habe ich ein wenig Kiswahili gelernt. Ich habe eher verstanden, um was es ging, als dass ich es hätte sprechen können. Auch nicht gut, aber den groben Kontext habe ich meistens rausbekommen können, wenn ich aktiv zugehört habe. Verständigung war eigentlich nie ein richtiges Problem, man konnte aber nicht mit allen tiefgründig reden. Zum einen, weil manchmal ganz andere Ansichten hatte, vor allem kulturell bedingt, aber manchmal auch einfach, weil sie es nicht verstanden wegen zu wenig Sprachkenntnissen. Das war anfangs wirklich hart, aber mit der Zeit habe ich meine Kreise gefunden, mit denen ich richtig reden konnte. Zum Glück hatte ich die andere Freiwillige im Ort, ansonsten wäre es wirklich schwer gewesen. Es war wirklich sehr gut, noch jemand zuhaben der so nah war und in der gleichen Situation und doch hatten wir noch genügend Abstand und unser eigenes, separates Leben.

Hatte ich genügend Sprachkenntnisse zu Beginn und wie hat es sich entwickelt?

Da ich eben Englisch sprechen konnte, gab es eigentlich keine Sprachprobleme. Natürlich war mein Englisch auch nur auf Schulniveau und es gab viele Worte die ich noch nicht kannte, aber es war eine sichere Basis. Meine Englischkenntnisse haben sich durch das Jahr natürlich verbessert. Das Englisch das dort gesprochen wurde, war auch meistens nicht so gut. Doch im Krankenhaus und mit den Leuten aus Nairobi hatte ich dann oft die Chance, gutes Englisch zu lernen.

Kiswahili konnte ich zuvor gar nicht. Ich würde auch nicht sagen, dass ich es jetzt kann. Ich verstehe es teilweise ein wenig. Vor allem aber fühlt sich die Sprache vertraut an und meistens bekomme ich es tatsächlich mit, ob in Kiswahili oder einer anderen, regionalen Sprache gesprochen wird.

Wie wurde auf meine nicht perfekte Sprache reagiert?

Ich kann mich an keine negative Reaktion auf meine nicht perfekte Sprache erinnern. Egal ob es Englisch oder Kiswahili war. Es haben sich immer alle sehr gefreut, wenn ich ein Wort oder ein Satz in Kiswahili gesagt habe. Wenn mir ein neues Wort beigebracht wurde, dann haben sie es gleich allen mitgeteilt und jeder wollte es von mir hören.

In Englisch gab es einige Worte, die ich noch nie in dem Zusammenhang zuvor gehört hatte, wie sie es verwendeten, was oft verwirrend war und auch gar kein Sinn machte, mit der Übersetzung, die ich kannte, aber da kam man schnell rein. Mit der Aussprache gab es das ein oder andere Mal Uneinigkeiten, aber immer im Lustigen und gut gemeinte.

Was bedeutet für mich globales Lernen?

Entdecke kenianische Kunst in deinem Freiwilligendienst mit AFS.

Globales Lernen bedeutet für mich, dass man sich seines Lebensalltags und seines Standards bewusst wird und dieses Bewusstsein mit globalen Themen wie Klima oder Armut verknüpft. Man schaut nun nicht nur sich oder nicht nur den Rest der Welt an, sondern versucht beides in einem Zusammenhang zusehen und daran zu lernen.

Was habe ich über Entwicklungszusammenarbeit gelernt?

Die Idee der Entwicklungszusammenarbeit ist an sich eine gute Idee, jedoch habe ich sie in der Durchführung als eher problematisch erlebt. Leider kann es recht schnell passieren, dass das „Empfänger“ Land in eine Abhängigkeit gerät und dann nicht wie eigentlich vorgesehen selbständig wird, sondern unglaublich abhängig ist und diese Abhängigkeit auch ausgenutzt werden kann. Meist ist es auch alles andere als einfach, aus dieser Abhängigkeit wieder heraus zu kommen. Wenn die Unterstützung dann plötzlich unterbrochen wird, ist das ganze Land aufgeschmissen. Gesehen habe ich dies, als die USA drohte, die medizinische Unterstützung zu unterbinden. Unter anderem auch die Medikamente, um HIV zu behandeln bzw. einzudämmen. Es ist also eine an sich ein guter Gedanke aber der allerdings schnell problematisch werden kann.

Wie plane ich meine Erfahrungen weiterzuleiten?

Ich denke überwiegend einfach durch Erzählungen. Allerdings finde ich es sehr wichtig, sich nicht einfach auf das zu verlassen, was einem gesagt wird, sondern viel mehr, auf das, was man selbst erlebt. Ich würde es also einem jeden nahe legen, losziehen und seine eigene Erfahrung zu machen.

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