Anna, Kanada, 2024, CSP
„How are you“ das war eine Frage, die mir so gut wie jeden Tag gestellt wurde. Denn in Kanada gehört es zu einer freundlichen Begrüßung dazu. Zu Beginn hatte mich die Frage immer kurz etwas überfordert, da ich nicht wusste, wie ich zurück fragen soll. Jedoch wurde auch für mich das „How are you“ nach nicht mal einer Woche zum Ritual. Man war es gewohnt und es war gang und gebe.
Land und Leute:

Wenn ich an Kanada dachte, kamen mir sofort blaue Seen, Bären, Eishockey und natürlich der berühmte Ahornsirup in den Sinn. Und ja, der kanadische Ahornsirup ist wirklich unfassbar gut – ein absolutes Muss! Doch Kanada hat noch so viel mehr zu bieten. Je länger ich dort war, desto mehr erkannte ich, wie vielfältig und beeindruckend dieses Land ist. Ich wurde in Vancouver, der Hauptstadt von British Columbia, platziert – und ich hätte mir keine bessere Stadt wünschen können. Vancouver ist eine der schönsten Städte, die ich kenne. Die Stadt vereint alles: einen Hafen, das Meer und
traumhafte Strände sowie Berge, die zum Wandern oder Skifahren ein absoluter Traum sind. Besonders beeindruckend ist die kulturelle Vielfalt. Viele Menschen aus Asien, wie zum Beispiel aus Indien, Korea oder den Philippinen, sind nach Vancouver ausgewandert. Dadurch ist auch die Essenskultur unglaublich abwechslungsreich. Es war „erfrischend“ zu erleben, wie viele Kulturen in dieser Stadt aufeinandertreffen, wie viel man dabei lernen kann und wie viele neue Einflüsse man kennenlernt. Mir war zu Beginn gar nicht bewusst, dass Vancouver so multikulturell ist, doch genau das hat mich fasziniert.
Ein weiteres Highlight in Kanada sind die Menschen. Sie sind unglaublich freundlich und verteilen großzügig Komplimente – ganz egal, ob man top gestylt oder im gemütlichsten Jogginganzug ungeschminkt unterwegs ist. Sätze wie „I really like your pants“ oder „You are so beautiful“ hört man öfter. Diese positive und wertschätzende Art hat mir ein unglaubliches Wohlgefühl gegeben. Meiner Meinung nach sollte das überall auf der Welt so sein.
Eine Sache, die einem in Kanada sofort auffällt, ist Tim Hortons. An jeder zweiten Straßenecke gibt es eine Filiale, in der man Kaffee, Donuts, Bagels oder die berühmten Timbits bekommt. Alles schmeckt köstlich und ist zudem sehr günstig. Anfangs war Tim Hortons für mich noch völlig unbekannt, doch schnell wurde es zur täglichen Routine, sich einen Eiskaffee oder eine Blackberry-Yuzu-Limonade zu holen. Ich wusste vom ersten Tag an, dass mir Tim Hortons in Deutschland sehr fehlen wird – und alle, die schon einmal in Kanada waren, werden das sicher verstehen.
Zu Beginn meiner Zeit in Vancouver war vieles noch fremd, und ich wusste nicht so recht, wohin mit mir. Es war eine Herausforderung, sich in einer neuen Stadt zurechtzufinden. Doch nach und nach entwickelten sich Routinen, und durch neue Bekanntschaften entdeckte ich immer mehr tolle Orte. Anfangs wussten meine Mitbewohnerin und ich nicht, an welchen Strand wir gehen sollten, welches Restaurant empfehlenswert war oder welche Clubs einen Besuch wert waren. Doch all diese Fragen lösten sich mit der Zeit. Unsere Mitbewohner halfen uns, und durch neue Bekanntschaften bekamen wir viele wertvolle Tipps. So verbrachten wir wunderschöne Strandtage am English Bay mit Frozen Yogurt von Menchie’s, wo wir schließlich Stammkunden wurden. Wir genossen legendäre
Partynächte im Roxy mit Livemusik – und dank unserer Freunde aus der Partnerorganisation hatten wir dort sogar das ganze halbe Jahr freien Eintritt. Kulinarisch verwöhnten uns Restaurants wie Tap & Barrel oder die Spaghetti Factory.
Irgendwann fühlte sich Vancouver nicht mehr wie eine fremde Stadt an – es wurde zu einem zweiten Zuhause.
Allerdings gibt es auch eine Schattenseite. Die Obdachlosenrate in Vancouver hat mich schockiert. Besonders in der Hastings Street ist das Ausmaß extrem. Ich hätte niemals erwartet, dass dieses Problem in einer so schönen Stadt so gravierend sein könnte. Es hat mir gezeigt, dass jede noch so beeindruckende Stadt auch ihre Schattenseiten hat.
Was den Kontakt mit Gleichaltrigen angeht, habe ich wenige einheimische Kanadier in meinem Alter kennengelernt. Das lag vor allem daran, dass ich nicht wusste, wo man sie am besten trifft, da ich eben nicht in einer Schule war. An meinem Arbeitsplatz arbeiteten vorwiegend ältere Menschen als ich, mit denen ich mich jedoch sehr gut verstand. Durch mein Homestay und die Partnerorganisation Internex lernte ich dennoch viele Gleichaltrige kennen – die meisten von ihnen waren allerdings Deutsche. Trotzdem war es eine wunderbare Erfahrung, so viele verschiedene Menschen kennenzulernen und gemeinsam unvergessliche Erlebnisse in Vancouver zu sammeln. Kanada ist ein beeindruckendes Land mit atemberaubender Natur, offenen und herzlichen Menschen sowie einer faszinierenden kulturellen Vielfalt. Meine Zeit dort hat mich tief geprägt, und Vancouver wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Arbeitsplatz:
Während meiner Zeit in Vancouver habe ich in einem Kindergarten im UBC-Viertel gearbeitet. Dort wurde ich einem bestimmten Klassenraum zugeteilt. In jedem Raum arbeiteten drei Lehrer, und ich war in einer Halbtagseinrichtung tätig. Die Kinder kamen täglich von 9:00 bis 14:00 Uhr, während meine Arbeitszeit von 8:30 bis 14:30 Uhr ging – also etwa 30 Stunden pro Woche. Die Wochenenden hatte ich selbstverständlich frei, und dank der zahlreichen Feiertage in Kanada gab es immer wieder zusätzliche freie Tage. Auch zwischen Weihnachten und Silvester musste ich nicht arbeiten, da in dieser Zeit kaum Kinder in den Kindergarten kamen.

Ich kann wirklich jedem empfehlen, in einem Kindergarten sein Freiwilligendienst zu machen. Es war eine unglaubliche Erfahrung, die mir so viel Freude bereitet hat. Jeden Morgen bin ich gerne zur Arbeit gegangen, weil ich wusste, dass mich dort ein Tag voller Lachen, Spielen und liebevoller Begegnungen erwarten würde. Meine erste tägliche Aufgabe war es, den „Snack“ vorzubereiten – also Obst und Gemüse zu schneiden sowie Waffeln, Müsli oder auch Cracker mit Käse anzurichten. Sobald um 9:00 Uhr die Kinder ankamen, begann der schönste Teil des Tages: das gemeinsame Spielen. Ich habe es geliebt, mit ihnen Höhlen zu bauen, Murmelbahnen zu konstruieren oder Mandalas auszumalen.
Ein Highlight der Woche war der Freitag, denn dann ging es in die Turnhalle. Besondersviel Spaß hatten wir mit den kleinen, fahrenden Autos – die Kinder liebten sie, und ich ehrlich gesagt auch.
Natürlich war es anfangs ungewohnt, sich in einem neuen Arbeitsumfeld zurechtzufinden. Was durfte ich tun, was nicht? Doch schon nach kurzer Zeit hatte ich den Dreh raus. Ich wurde in die Abläufe integriert und fühlte mich schnell als Teil des Teams. Auch die Kinder haben mich von Anfang an herzlich aufgenommen – und ich sie ebenso. Besonders schön war es, den Kindern das deutsche Lied „Hoppe Hoppe Reiter“ beizubringen. Sie hatten so viel Freude daran, dass sie immer wieder fragten: „Can we play Hoppe Hoppe Reiter?“. Das war wirklich immer sehr besonders.
Ein weiterer Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war, als ein Junge, der mich besonders ins Herz geschlossen hatte, mit seiner Mutter ein wenig Deutsch gelernt hatte – extra für mich. Eines Morgens kam er auf mich zu und flüsterte mir stolz ins Ohr: „Guten Morgen, Anna.“ Es war ein so rührender Augenblick, in dem mir bewusst wurde, wie besonders die Arbeit mit Kindern ist. Viele Male bekam ich selbstgemalte Bilder geschenkt, die ich bis heute als Erinnerungen aufbewahre.
Natürlich gab es auch Herausforderungen – vor allem in der Erkältungssaison. Kinder werden schnell krank, stecken sich gegenseitig an und natürlich auch die Erzieher. Auch ich blieb davon nicht verschont und war in den Wintermonaten häufig erkältet. Doch all das habe ich gerne in Kauf genommen, denn ich hätte mir keinen besseren Ort für meinen Freiwilligendienst vorstellen können. Der Abschied fiel mir unheimlich schwer – nicht nur von den Erziehern und den Kindern, sondern auch von einigen Eltern, die mir in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen waren. Es war ein unglaublich emotionaler Tag, denn mir wurde bewusst, dass dieses wunderbare Kapitel nun zu Ende ging. Die Tränen blieben nicht aus, denn es war eine Zeit, die ich niemals vergessen werde. Ein Teil
meines Herzens wird für immer in Vancouver bleiben – in diesem Kindergarten, in dem ich mich so erfüllt gefühlt habe. Glücklicherweise stehe ich noch immer mit einigen Eltern und Erziehern in Kontakt, wofür ich sehr dankbar bin. Und eines ist sicher: Ich werde definitiv eines Tages zurückkehren.
Vorbereitung auf den Aufenthalt:
Was die Vorbereitung durch die Organisation betrifft, wurde ich nicht speziell auf die Arbeit mit Kindern vorbereitet. Allerdings empfinde ich das auch nicht als ihre Aufgabe. Ich selbst habe mich ausreichend vorbereitet gefühlt und mich sehr auf meine Arbeit gefreut. Die grundlegenden Aufgaben wurden mir vorab mitgeteilt, doch alles Weitere lernte ich vor Ort durch die direkte Anleitung im Kindergarten. Das hat mir völlig ausgereicht.
Zur Arbeit bin ich immer mit dem Bus gefahren. Das öffentliche Verkehrsnetz in Vancouver ist hervorragend ausgebaut. Ich habe mir gleich zu Beginn eine sogenannte Compass Card besorgt, die man für umgerechnet etwa 65 Euro pro Monat aufladen kann. Damit hatte ich unbegrenzten Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln – eine Investition, die sich definitiv gelohnt hat. Die Fahrtzeit variierte stark je nach Jahreszeit. Im Sommer benötigte ich oft bis zu 90 Minuten, da in dieser Zeit mehr Menschen mit dem Bus fuhren und zahlreiche Baustellen („Construction“) die Straßen verstopften. Ab November hingegen dauerte die Fahrt nur noch 30 bis 45 Minuten. Trotzdem empfand ich die Busfahrten nie als langweilig – Podcasts und Serien machten die Zeit kurzweilig.
Rückblickend war meine Arbeit im Kindergarten eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Ich habe nicht nur unglaublich viel gelernt, sondern auch viele wertvolle Begegnungen gemacht. Vancouver und dieser Kindergarten werden für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.
Gastfamilie und Unterkunft:
Während meiner Zeit in Vancouver lebte ich in einem Homestay. Zunächst war ich etwas enttäuscht, da ich mir eine klassische Gastfamilie mit einem richtigen „Familiengefühl“ gewünscht hatte. Doch im Nachhinein stellte sich heraus, dass diese Erfahrung viel wertvoller war, als ich es mir anfangs hätte vorstellen können. Unsere Gastmutter bereitete uns jeden Abend ein leckeres Essen zu und stellte Lebensmittel für das Frühstück bereit. Leider durften wir selbst nicht kochen, was ich wirklich vermisst habe. Trotzdem schmeckte das Essen, das sie für uns zubereitete, immer hervorragend. Sie war sehr entspannt und ließ uns viele Freiheiten: Wir konnten nach Hause kommen, wann wir wollten, essen, wann es uns passte, und stundenlang mit unseren Mitbewohnern im Esszimmer sitzen und plaudern. Da sie nie mit uns aß und wenig Kontakt zu uns suchte, fühlte sich unser Zusammenleben eher wie eine harmonische WG an – mit Menschen, die genauso wie ich eine Auslandserfahrung machten.
Dieses Wohnkonzept brachte uns alle unglaublich nah zusammen. Ich teilte mein Zuhause mit Jana, die ich bereits bei einem Vorbereitungsseminar in Deutschland kennengelernt hatte. Gemeinsam waren wir nach Kanada geflogen und kamen in ein Homestay, in dem bereits eine Engländerin und eine Schweizerin lebten. Beide waren sehr nett, doch die Schweizerin verließ uns bereits zwei Tage nach unserer Ankunft. Bald bekamen wir zwei neue Mitbewohnerinnen: eine Schwedin und eine weitere Deutsche. Wir verstanden uns auf Anhieb und bildeten eine großartige Gemeinschaft. Nach fünf Wochen verabschiedeten sich die Engländerin und eine unserer deutschen Mitbewohnerinnen, doch kurz darauf zog eine neue Deutsche bei uns ein. Die letzten dreieinhalb Monate verbrachten wir schließlich zu viert – alle im gleichen Alter, mit unterschiedlichen Interessen und trotzdem einer so tiefen Verbundenheit. Wir wurden nicht nur Mitbewohner, sondern Schwestern und beste Freundinnen.
Durch das Homestay habe ich Freunde fürs Leben gefunden.
Was anfangs unperfekt schien, wurde am Ende zu etwas ganz Wunderbarem. Ein besonders emotionales Erlebnis war unser gemeinsames Weihnachtsfest – das erste Weihnachten ohne unsere Familien, tausende Kilometer von Zuhause entfernt. Doch statt traurig zu sein, machten wir das Beste daraus: Wir kuschelten uns alle in ein Bett, schauten zuerst einen deutschen Weihnachtsklassiker, dann einen schwedischen. Am Abend gingen wir gemeinsam essen und anschließend gab es eine kleine Bescherung – jeder hatte eine Kleinigkeit für die anderen vorbereitet. Es war ein wunderschönes, unvergessliches Weihnachtsfest.
Anfangs war ich ziemlich geschockt, als ich mein Zimmer betrat. Es war winzig, ungemütlich und ganz anders, als ich es von Zuhause gewohnt war. Auch das Haus war das komplette Gegenteil meines gewohnten Umfelds – chaotisch, voller herumstehender Dinge und extrem hellhörig. Zwar war mir bewusst, dass die Wohnverhältnisse anders sein würden, aber als ich tatsächlich dort ankam, war es dennoch ein kleiner Kulturschock. Doch mit der Zeit wurde das Haus zu meinem Zuhause. Ich fühlte mich immer wohler und gestaltete mein Zimmer nach meinen Vorstellungen. Mit ein paar kleinen Ikea-Einkäufen – neuer Bettwäsche, einer Pflanze, einer schönen Schreibtischlampe und einem Spiegel – wurde es zu meinem persönlichen Rückzugsort. Bald freute ich mich darauf, „nach Hause zu kommen“. Der Abschied fiel mir unglaublich schwer. Es fühlte sich an, als wäre ich gerade erst eingezogen, und plötzlich war es schon wieder Zeit zu gehen. Ich musste meine gewohnte Umgebung, mein neues Zuhause und vor allem meine liebgewonnenen Mitbewohnerinnen zurücklassen. Die Zeit verging wie im Flug – schneller, als ich es mir je hätte vorstellen können. Von meiner Gastmutter Abschied zu nehmen, fiel mir hingegen nicht allzu schwer, da unser Kontakt ohnehin sehr begrenzt war. Doch der Abschied von meinen Mitbewohnerinnen – meiner Familie auf Zeit – war umso schwerer.
Auch der Gedanke, Vancouver zu verlassen, machte mich sehr traurig. Diese Stadt war in den letzten Monaten zu meinem Zuhause geworden, und ein Teil meines Herzens wird für immer dort bleiben. Ich weiß, dass ich eines Tages zurückkehren werde – denn Vancouver wird immer ein Teil von mir sein.
Betreuung durch die Organisation und Partnerorganisation
Die Betreuung durch die kanadische Partnerorganisation Internex war wirklich hervorragend. Internex bot zahlreiche Möglichkeiten an, um andere Freiwillige kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. Besonders hilfreich waren die wöchentlichen Pub-Nights, die jeden Mittwochabend stattfanden. Dort konnte man sich in entspannter Atmosphäre mit anderen Freiwilligen austauschen, Erfahrungen teilen und gemeinsam eine gute Zeit verbringen. Der Anschluss in Vancouver fiel mir dadurch unglaublich leicht, da ich sofort mit Gleichaltrigen in Kontakt kam. Während meiner Zeit
dort waren die meisten Teilnehmer tatsächlich Deutsche, wodurch die Kommunikation für mich besonders einfach war. Es war schön, sich jeden Mittwochabend zusammenzusetzen und neue Leute kennenzulernen.

Doch nicht nur die Pub-Nights waren ein Highlight – Internex organisierte auch an den Wochenenden spannende Aktivitäten und Ausflüge. Es war wirklich für jeden etwas dabei: Wandertouren im Lynn Canyon Park, Eishockeyspiele der Canucks, Besuche auf dem Night Market in Richmond oder größere Wochenendtrips in die Rocky Mountains oder nach Seattle. Egal für welches Event man sich entschied – es machte immer unglaublich viel Spaß. Ein ganz besonderes Erlebnis war der Trip in die Rocky Mountains. Die Reise fühlte sich fast wie eine Klassenfahrt an: Man verbrachte viel Zeit mit neuen Leuten, lernte sie besser kennen und erlebte gemeinsam eine atemberaubende Natur. Diese Tour kann ich nur jedem empfehlen!
Aber auch die Eishockeyspiele der Canucks waren ein tolles Erlebnis – die Stimmung im Stadion war einfach einmalig. Vancouver bietet unzählige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, und ich habe jede Gelegenheit genutzt, um an den Aktivitäten von Internex teilzunehmen. Dadurch habe ich viele wunderbare Menschen kennengelernt, mit denen ich auch außerhalb der organisierten Events viel unternommen habe.
Mit der deutschen Organisation AFS hatte ich während meines Aufenthalts kaum Kontakt, da alle Angelegenheiten direkt über die Partnerorganisation in Kanada liefen. Da ich weder mit meinem Projekt noch mit meinem Homestay oder Internex Probleme hatte, bestand für mich kein Grund, mich an AFS zu wenden. Die Kommunikation mit Internex verlief immer reibungslos – Rückmeldungen kamen sehr schnell. Wenn ich beispielsweise Fragen hatte und mich per WhatsApp an Timothy, den Ansprechpartner im Internex- Office, wandte, erhielt ich meist innerhalb von 30 Minuten eine Antwort. Diese schnelle und zuverlässige Unterstützung fand ich wirklich großartig.
Bevor meine Reise überhaupt begann, musste ich in Deutschland zwei Vorbereitungsseminare besuchen. Diese Seminare waren eine gute Gelegenheit, um bereits im Vorfeld andere Mitreisende kennenzulernen. Zudem wurden wichtige Themen wie Rassismus und Sexismus behandelt, was ich besonders wertvoll fand. Es war wichtig, sich bewusst zu machen, dass kulturelle Unterschiede existieren und man in einem fremden Land mit anderen gesellschaftlichen Normen konfrontiert werden kann.
Gegen Ende meines Aufenthalts plante ich noch eine Reise durch die USA. Daher musste ich meinen Rückflug über AFS umbuchen lassen. Auch dieser Prozess verlief reibungslos – die Kommunikation mit AFS war unkompliziert, und mein Flug wurde schnell und problemlos geändert. Alles in allem war die Betreuung durch Internex hervorragend. Ich fühlte mich jederzeit gut aufgehoben und hatte durch die angebotenen Aktivitäten die Möglichkeit, meine Zeit in Vancouver in vollen Zügen zu genießen.
Sprache und Kommunikation
Die Kommunikation in Vancouver hat insgesamt sehr gut funktioniert. Da dort hauptsächlich Englisch gesprochen wird, hatte ich kaum Verständigungsprobleme. Allerdings spiegelt sich die kulturelle Vielfalt der Stadt auch in den Sprachen wider – neben Englisch hört man oft Koreanisch, Hindi, Thailändisch und viele weitere Sprachen. Trotzdem habe ich in meinem Alltag erstaunlich viel Deutsch gesprochen, insbesondere durch mein Homestay. Wie bereits erwähnt, lebte ich dort mit zwei anderen Deutschen zusammen, wodurch unsere Alltagssprache fast immer Deutsch war. Unsere schwedische Mitbewohnerin arbeitete sehr viel und war oft nicht zu Hause. Da sie auch selten mit uns zu Abend aß, blieb unsere gemeinsame Kommunikation meist auf Deutsch beschränkt. Auch bei Internex wurde überwiegend Deutsch gesprochen, da sowohl die meisten Freiwilligen als auch die Pr-Manager zu Beginn aus Deutschland kamen. Selbst als später eine Britin die Pr-Managerin war, haben wir nur Deutsch gesprochen, weil einfach so viele Deutsche in Vancouver waren. Trotzdem wurde mein Englisch durch die Arbeit im Kindergarten stark gefördert. Dort wurde ausschließlich Englisch gesprochen, und ich hatte viele Gelegenheiten, mich aktiv auszudrücken. Besonders süß war es, dass mir sogar die Kinder neue Begriffe beibrachten. Wenn mir einmal ein Wort fehlte, konnte ich sie einfach fragen. So reichte eine simple Frage wie „What is that for an animal?“ – und schon bekam ich eine fröhliche Antwort wie „Oh, that’s a squirrel!“. Auf diese Weise habe ich spielerisch viele neue Begriffe gelernt. Obwohl ich in meiner Freizeit oft Deutsch gesprochen habe, hat sich mein Englisch während meines Aufenthalts erheblich verbessert. Mein Sprachgefühl wurde sicherer, und ich konnte mich immer flüssiger ausdrücken. 
Ein großer Vorteil in Vancouver ist die multikulturelle Gesellschaft – viele Menschen dort sprechen ebenfalls kein perfektes Englisch. Das hat mir Sicherheit gegeben, denn es war nie schlimm, wenn ich mal nach Worten suchen musste. Oft waren meine Gesprächspartner in einer ähnlichen Situation, was den Austausch entspannter machte.
Alles in allem war meine Auslandserfahrung einfach unvergesslich. Ich bin unfassbar glücklich und dankbar, dass ich diese Zeit erleben durfte. Vancouver war definitiv eine der schönsten Phasen meines Lebens. Ich würde jederzeit wieder dorthin zurückkehren und diese Erfahrung immer wieder aufs Neue machen.

