Linda, USA, 2022, AFS-Stipendium

Am 26. Juni 2023 ging es für mich wieder zurück nach Deutschland und ich war sehr traurig deswegen. Ein Teil von mir hat sichnatürlich gefreut auf meine Familie und Freunde und auf das was noch kommt in meinem Leben. Jedoch wusste ich, dass wieder ein kleines Kapitel in meinem Leben abgeschlossen war. Ich hatte neue Freunde und ein komplett anderes Leben gelebt in einer anderen Kultur und es war das schönste was ich je erlebt habe.

Mit AFS im Schüleraustausch mit der Gastfamilie einen Ausflug nach New York unternehmen

Kulturrelle Unterschiede

Es gab viele kulturrelle Unterschiede auch zwischen meiner eigenen Familie und meiner Gastfamilie. Ich hatte das Gefühl, dass anders mit meinen Entscheidungen umgegangen wird. In den USA wurde nicht viel überlegt sondern direkt gemacht. Wenn Dinge nicht geklappt haben, macht man es eben nochmal auf eine andere Weise. In Deutschland macht man sich so viele Gedanken und prüft alles mehrmals damit alles lückenfrei ist. Ich hatte relativ das selbe Verhältnis zu beiden Familien und beide haben gleich viel für mich gemacht und ich habe gleich viel für sie gemacht. Wir haben uns sehr gut verstanden. Zuerst war ich nicht so offen der Gastfamilie gegenüber, doch mit der Zeit sind wir immer näher zusammengewachsen und waren am Ende eine richtige Familie.

Pokal für den Gewinn der Cheerleader-Competition

Die Schulen in Deutschland werden sehr ernst genommen und einem wird täglich erzählt, dass die Schule ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist und immer sein wird. In den USA gelten in der Schule auch andere Werte. Es ist eher das Miteinander was zählt und wie man die Lehrer behandelt und das Sozialverhalten ist auch sehr wichtig. Deshalb hatten die Lehrer/-innen und Schüler/-innen dort auch ein viel besseres Verhältnis und hatten viel mehr Respekt vor einander. Trotzdem mag ich es, dass in Deutschland stets Professionalität beibehalten wird. Auch Sport spielt in den USA eine große Rolle. Man kann viel erreichen, wenn man gute Leistungen in den USA erzielt.

Das Rollenverhalten der Männer und Frauen ist auch leicht unterschiedlich. In den USA wird noch stark davon ausgegangen, dass Männer die stärkere Rolle spielen sollten und die Stereotypen von Frau und dem Mann werden mehr ausgeführt. Die Unterschiede die mir aufgefallen sind in Bezug auf Konfliktverhalen und Kommunikation sind zum Beispiel, dass die Amerikaner eher nicht direkt ihre Meinung zu Dingen sagen sondern erwarten, dass die Konfliktperson davon ausgehen soll was einen recht ist. Wenn das nicht geschieht, wird es der Konfliktperson auf eine andere Weise gezeigt. In Deutschland ist man viel direkter, was in den USA eher als unhöflich angesehen wird.

Lernen

In meinem Gastland ist mir das Reden mit anderen Leuten viel leichter gefallen als in Deutschland. Sie sind alle sehr offen in den USA und sind immer bereit für ein nettes Gespräch. Es wird oft small talk geführt – egal ob man befreundet ist oder nicht. In Deutschland gab es weniger Gespräche weil die Kultur einfach anders ist. Die Eigenschaften oder kulturellen Werte die ich von den USA übernommen habe und mit nach Deutschland genommen habe, sind die Offenheit und Freundlichkeit und die Bereitschaft für das Neues. Ich habe in den USA noch keine Person getroffen die jemals unfreundlich war oder jemals negative Energie ausgestrahlt hat, selbst wenn die Person einen schlechten Tag hatte. Jeder war auch stets bereit für etwas Neues und etwas Neues zu erleben. Es gab keinen Tag wo nichts unternommen wurde, entweder mit Freunden oder Familie. Ich habe gelernt, dass man jeden Tag ausnutzen muss; denn jeder Tag ist ein Geschenk und eine Chance Dinge zu erleben.

Die größte kulturelle Herausforderung war die Integration in das ganze neue Leben was vor einem steht. Ich hatte große Angst da ich wusste, dass dieses Jahr ein sehr schönes und großartiges Jahr wird. Jedoch wusste ich auch, dass es sehr hart wird, da ich so weit entfernt war von meinen Freunden und Verwandten mit denen ich schon mein ganzes Leben verbracht habe. So weit entfernt zu sein hieß irgendwie, dass ich mehr auf mich selbst gestellt war. Deshalb bin ich stolz, dass ich das Jahr durchgezogen habe und auch noch so viel dabei gelernt habe. Für mich persönlich war das sogar das schönste Jahr in meinem ganzen Leben und ich hatte so viel Spaß dabei alles zu erleben und Teil dieser wundervollen Kultur zur sein.

Schüleraustausch mit AFS in die USA heißt auch am Promball teilzunehmen

Identität

Als ich im Ausland war, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass sich Deutschland und alle anderen Länder von einander gar nicht so viel unterscheiden. Es ist nur eine andere Sprache. Eine andere Sprache der Höflichkeit und der Gesten und vieles mehr. Man muss nur lernen mit der Sprache richtig umzugehen und das komm mit der Zeit. Ich fühle mich Deutschland mehr verbunden als vor meinem Auslandsjahr. Ich bin mir nicht sicher warum, aber ich fühle mich wohler hier in Deutschland. In den USA war alles so neu und alles war eine neue Erfahrung. Als ich in Deutschland wieder ankam tat mir das sehr gut, da sich alles so vertraut angefühlt hat. Deutschland war schon immer meine Heimat und das schätze ich nun mehr.

Was ich aus meiner Herkunftskultur besonders schätzte, als ich im Ausland war, war die Direktheit und die Ehrlichkeit. In Deutschland sagt man immer was man denkt, damit beide auf den selben Nenner kommen können. In den USA musste man es dem anderen immer recht machen, da das sonst als unhöflich galt. Irgendwann habe ich aber verstanden, dass Kommunikation alles ist. Kommunikation ist sehr wichtig und selbst heute in Deutschland vergesse ich das manchmal. Viele Konflikte gibt es nur durch Kommunikationsmangel und wenn man nicht direkt fragt und Sachen klarstellt, kann es zu noch mehr Missverständnissen kommen.

Neue Sportarten im Schüleraustausch mit AFS entdecken

Ich habe dieses Jahr unglaublich viel gelernt und bin sehr dankbar, dass ich das in meinem Alter schon alles erleben durfte. Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt aus denen ich immer wieder aufs Neue lernen kann. Das Jahr hatte so viele Höhen und Tiefen und ich bin froh, dass ich jeden einzelnen Moment erleben konnte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas außergewöhnliches erleben werde und es schaffe, für ein Jahr mich von meiner Familie und Freunden zu trennen. Doch das hat sich gelohnt für alles was ich gemach habe.

Besonders dankbar bin ich dem AFS-Stipendienfonds, der mich finanziell unterstützt habt, denn ohne dies wäre es nicht möglich gewesen und das Auslandsjahr wäre ein Traum in weiter Entfernung gewesen. Jetzt kann ich meinen Freunden von meinen Erfahrungen erzählen und habe bis jetzt immer noch Kontakt zu all meinen Freunden in Amerika.

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