Emilia, Kolumbien, weltwärts, 2025

Einleitung:

Mein Name ist Emilia und ich habe von August 2025 bis Juli 2026 einen elfmonatigen Freiwilligendienst mit AFS in Bogotá, Kolumbien, gemacht. In dieser Zeit habe ich bei einer kolumbianischen Familie gelebt und in zwei verschiedenen sozialen Projekten gearbeitet. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, während meiner Urlaubstage viele verschiedene Regionen Kolumbiens zu bereisen und dadurch noch tiefer in die Kultur einzutauchen.

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Zu Beginn arbeitete ich in einer Fundación mit vulnerablen Frauen und ihren Kindern. Dort gab ich Englischunterricht und plante verschiedene Aktivitäten für die Kinder. Nach etwa drei Monaten wechselte ich in eine andere Fundación, in der ich Kinder im Alltag begleitete, beim Englisch- und Kunstunterricht unterstützte und überall dort mithalf, wo Hilfe gebraucht wurde. Besonders das zweite Projekt hat mich sehr geprägt. Bis jetzt habe ich engen Kontakt zu den Lehrerinnen und telefoniere regelmäßig mit ihnen und den Kindern vor Ort.

Wenn ich heute auf mein Auslandsjahr zurückblicke, denke ich nicht zuerst an die Orte, die ich bereist habe, sondern an die Menschen, die dieses Jahr so besonders gemacht haben. Ich bin unglaublich dankbar für diese Erfahrung und schaue mit einem breiten Lächeln auf meine Zeit in Kolumbien zurück.

Land und Leute:

Freiwilligendienst mit AFS in Bogota Kolumbien.

Als ich im August 2025 in Bogotá ankam, war ich vor allem eins: unglaublich gespannt. Ich freute mich darauf, ein Land kennenzulernen, das ich bis dahin nur aus Erzählungen und dem Internet kannte. Gleichzeitig war in den ersten Wochen fast alles neu – die Sprache, der Verkehr, das Essen und der gesamte Alltag. Obwohl ich Spanisch in der Schule gelernt hatte, merkte ich schnell, dass das kolumbianische Spanisch deutlich anders war als das, was ich kannte. Gerade am Anfang fiel es mir deshalb schwer, Gesprächen zu folgen und mich sicher auszudrücken.

Auch an den Alltag musste ich mich erst gewöhnen. Besonders der Verkehr in Bogotá war für mich anfangs überwältigend. Der tägliche trancón (Stau) gehörte genauso dazu wie die oft überfüllten Busse des TransMilenio oder der SITP. Irgendwann wurde aber auch das ganz normal und ich wusste genau, welchen Bus ich nehmen musste oder wie viel Zeit ich morgens einplanen sollte.

Ein großer Unterschied zu Deutschland war für mich der Umgang mit Zeit. Verabredungen wurden häufig spontan geändert oder verschoben, was mich anfangs manchmal frustrierte. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, dass dahinter einfach eine andere Mentalität steckt. Dafür habe ich die kolumbianische Gastfreundschaft umso mehr schätzen gelernt. Es war völlig normal, spontan auf einen tintico eingeladen zu werden, gemeinsam zu essen oder einfach noch etwas länger zusammenzusitzen und sich zu unterhalten. Diese Herzlichkeit hat meinen Alltag sehr geprägt und ist etwas, das ich bis heute mit Kolumbien verbinde.

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Auch das Essen war zunächst ungewohnt. Viele Gerichte bestanden aus Reis, Fleisch, Kartoffeln oder Kochbananen. Anfangs vermisste ich deutsches Brot oder Quark, mit der Zeit lernte ich die kolumbianische Küche aber immer mehr zu schätzen und entdeckte viele neue Lieblingsgerichte.

Trotz aller Unterschiede habe ich auch viele Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Kolumbien erlebt. Familie und Freundschaften haben in beiden Ländern einen hohen Stellenwert und auch Sport oder Musik verbinden Menschen unabhängig von ihrer Herkunft. Gerade diese Gemeinsamkeiten haben es oft leicht gemacht, miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen.
Den Großteil meiner Freizeit verbrachte ich jedoch mit den anderen Freiwilligen in Bogotá. Durch die regelmäßigen AFS-Aktivitäten entstand schnell eine enge Gemeinschaft. Freundschaften außerhalb dieser Gruppe aufzubauen, war dagegen schwieriger, da Bogotá sehr groß ist und lange Fahrzeiten spontane Treffen oft unmöglich machten.

Wenn ich heute an meine Zeit in Kolumbien zurückdenke, merke ich, wie sehr sich mein Blick auf das Land verändert hat. Nach der anfänglichen Euphorie gab es natürlich auch Momente, in denen ich meine Familie vermisste oder mich über kulturelle Unterschiede ärgerte. Genau an diesen Erfahrungen bin ich sehr gewachsen und haben mir gezeigt, wie bereichernd es sein kann, sich auf eine andere Kultur einzulassen.

Am Ende fühlte sich Bogotá nicht mehr wie eine fremde Stadt an, sondern wie ein zweites Zuhause – und genau das vermisse ich heute am meisten.

Arbeitsplatz

Verkehr in Kolumbien.

Während meines Freiwilligendienstes arbeitete ich in zwei unterschiedlichen sozialen Projekten. Beide unterstützten Menschen in schwierigen Lebenssituationen, unterschieden sich aber stark in ihrer Arbeitsweise. Rückblickend war genau dieser Vergleich für mich sehr wertvoll, weil ich dadurch besser verstanden habe, welche Art von Arbeit mir liegt und was mir Spaß macht.

Erstes Projekt

Zu Beginn arbeitete ich in einer Fundación, die Frauen mit Gewalterfahrungen und ihre Kinder unterstützte. Schon vor meiner Ausreise erhielt ich eine kurze Projektbeschreibung. Am ersten Arbeitstag wurden mir die Einrichtung und meine Aufgaben erklärt. Eine richtige Einarbeitung gab es jedoch nicht – vieles lernte ich durch Ausprobieren und mit der Zeit entwickelte ich meine eigene Routine. Zu meinen Aufgaben gehörten vor allem der Englischunterricht für Frauen und Kinder sowie die Planung von Bastelangeboten, Spielen und anderen kreativen Aktivitäten. Ich arbeitete in der Regel von 10 bis 16 Uhr. Vormittags bereitete ich den Unterricht vor und nach dem gemeinsamen Mittagessen fanden die Aktivitäten mit den Kindern statt.

Nach einigen Wochen merkte ich jedoch, dass ich mich in diesem Projekt nicht richtig wohlfühlte. Durch Kommunikationsprobleme, fehlende Materialien und lange Leerlaufzeiten fühlte ich mich häufig unterfordert. Außerdem stellte ich fest, dass mein Verständnis von Women Empowerment nicht ganz mit dem der Einrichtung übereinstimmte.

Auch wenn mich diese Erfahrung zunächst enttäuschte, habe ich viel daraus mitgenommen. Ich habe gelernt, Probleme offen anzusprechen, Eigeninitiative zu zeigen und für meine Bedürfnisse einzustehen – eine Erfahrung, die mir später beim Projektwechsel sehr geholfen hat.

Projektwechsel

Nach etwa drei Monaten entschied ich mich deshalb für einen Projektwechsel. Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen meines Freiwilligendienstes. Anfangs verlief der Prozess etwas langsamer als erhofft und ich musste mehrfach nachfragen. Gleichzeitig hat mir genau diese Situation gezeigt, wie wichtig es ist, Verantwortung für die eigene Situation zu übernehmen und sich aktiv für
Veränderungen einzusetzen.

Zweites Projekt

Mein zweites Projekt führte mich in die Fundación Amiguitos Royal. Dort arbeitete ich mit Kindern im Alter von vier bis neun Jahren und fühlte mich schon nach kurzer Zeit deutlich wohler. Die Atmosphäre war herzlich, die Aufgaben abwechslungsreich und ich hatte vom ersten Moment an das Gefühl, ein Teil des Teams zu sein.

Ich arbeitete meistens von 8:30 bis 16 Uhr. Morgens unterstützte ich zunächst die Krabbelgruppen mit den jüngeren Kindern. Die ruhigeren Stunden nutzte ich häufig, um Aktivitäten für den Nachmittag vorzubereiten. Später half ich das Mittagessen auszuteilen, unterstützte den Englisch- und Kunstunterricht, organisierte Sport- und Bewegungsspiele und spielte mit den Kindern. Einmal pro Woche half ich außerdem dabei, Lebensmittelspenden zu sortieren und einzuräumen.

In diesem Projekt fühlte ich mich deutlich ausgelasteter. Die Arbeit war manchmal anstrengend, gleichzeitig aber unglaublich erfüllend. Kein Tag war wie der andere und genau diese Abwechslung hat mir besonders gefallen.

Am meisten beeindruckt haben mich die Kinder. Obwohl viele von ihnen keine einfachen Lebensbedingungen hatten, begegneten sie mir mit einer unglaublichen Offenheit und Herzlichkeit. Schon nach kurzer Zeit gehörte ich für viele ganz selbstverständlich zum Alltag. Es sind enge Beziehungen entstanden, die bis heute bestehen und meinen Freiwilligendienst für mich zu etwas ganz Besonderem machen.

Rückblickend hat mich dieses zweite Projekt am meisten geprägt. Dort habe ich gelernt, wie wichtig Geduld, Verlässlichkeit und Aufmerksamkeit im Umgang mit Kindern sind. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ein Freiwilligendienst nicht immer aus großen Projekten oder sichtbaren Erfolgen besteht. Oft sind es die kleinen Momente – gemeinsam spielen, zuhören oder einfach für jemanden da sein –, die am Ende den größten Unterschied machen. Genau diese Erfahrungen gehören heute zu meinen schönsten Erinnerungen an mein Jahr in Kolumbien.

Gastfamilie und Unterkunft

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Ich lebte gemeinsam mit meinen Gasteltern, meiner Gastschwester und zwei Hunden in Bogotá. Ich hatte ein eigenes Zimmer und fühlte mich dort von Anfang an wohl. Noch wichtiger als die Unterkunft selbst war aber die Atmosphäre in meiner Gastfamilie. Obwohl wir uns vor meiner Anreise nur über E-Mails kannten, wurde ich vom ersten Tag an herzlich aufgenommen und direkt in den Familienalltag integriert.

Natürlich war anfangs vieles neu – die Sprache, der Tagesablauf und das Zusammenleben in einer anderen Kultur. Trotzdem fiel mir das Einleben überraschend leicht. Meine Gastfamilie nahm sich viel Zeit für mich, erklärte mir geduldig den Alltag in Kolumbien und hatte immer ein offenes Ohr für Fragen oder Unsicherheiten. Dadurch fühlte ich mich schnell nicht mehr wie ein Gast, sondern wie ein
Familienmitglied.

Besonders geschätzt habe ich, dass wir offen über alles sprechen konnten. Egal ob es um Heimweh, Probleme im Projekt oder einfach meinen Alltag ging – ich wusste immer, dass ich Unterstützung bekomme. Gleichzeitig interessierte sich meine Gastfamilie genauso für Deutschland wie ich mich für Kolumbien. Wir tauschten uns oft über unsere Kulturen, Gewohnheiten und Unterschiede aus und lernten dabei gegenseitig voneinander. Genau das macht für mich einen internationalen Austausch aus.
In den ersten Monaten hatte ich überraschend wenig Heimweh. Erst rund um meinen Geburtstag sowie an Weihnachten und Silvester vermisste ich meine Familie und
Freunde in Deutschland stärker. Gleichzeitig war ich in dieser Zeit häufiger krank, wodurch mich alles etwas mehr belastete. Gerade dann zeigte sich aber, wie wichtig
meine Gastfamilie für mich geworden war. Sie kümmerte sich um mich, nahm Rücksicht auf meine Situation und gab mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Heute weiß
ich, dass solche Phasen zu einem langen Auslandsaufenthalt dazugehören und auch wieder vorübergehen.

Eine besondere Überraschung war, dass ich schließlich die gesamten elf Monate bei meiner Gastfamilie bleiben durfte. Ursprünglich war geplant, dass ich nach etwa drei Monaten in eine andere Familie wechseln würde. Da wir uns aber so gut verstanden, entschieden meine Gasteltern, dass ich bis zum Ende meines Freiwilligendienstes bei ihnen wohnen konnte. Darüber war ich unglaublich glücklich und erleichtert. Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich ihr Zuhause längst wie mein eigenes an und ich musste mir keine Gedanken mehr darüber machen, ob ich mich in einer neuen Familie wieder so wohlfühlen würde.

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Mit der Zeit entwickelte sich unsere Beziehung weit über das klassische Verhältnis zwischen Gastfamilie und Freiwilliger hinaus. Wir hatten gemeinsame Routinen, verbrachten viel Zeit miteinander und konnten auch kleinere Missverständnisse immer offen ansprechen. Dadurch habe ich gelernt, wie wichtig ehrliche Kommunikation und gegenseitiges Verständnis für ein harmonisches Zusammenleben sind. Meine Gastfamilie hat mir außerdem eine Seite von Bogotá gezeigt, die ich als Touristin nie
kennengelernt hätte. Gemeinsam entdeckten wir neue Stadtteile, probierten typisch kolumbianisches Essen oder besuchten Verwandte und Freunde. Dadurch lernte ich nicht nur das Land, sondern vor allem den kolumbianischen Alltag kennen. Umso schwerer fiel mir der Abschied. Als ich zum End-Stay-Camp aufbrach, wurde mir erst richtig bewusst, dass ich nicht nur ein Land, sondern Menschen verlassen würde, die in den vergangenen Monaten zu meiner zweiten Familie geworden waren. Der Abschied war sehr emotional und am Flughafen flossen viele Tränen.

Auch heute haben wir noch regelmäßig Kontakt. Wir telefonieren, schreiben uns Nachrichten und halten uns gegenseitig auf dem Laufenden. Meine Gastfamilie möchte mich in Deutschland besuchen kommen und ich hoffe sehr, bald wieder nach Bogotá zurückkehren zu können.

Wenn ich an mein Auslandsjahr zurückdenke, gehören meine Gastfamilie und die gemeinsame Zeit zu den schönsten Erinnerungen überhaupt. Sie haben mir nicht nur
ein Zuhause gegeben, sondern mich in jeder Situation unterstützt und mein Jahr in Kolumbien entscheidend geprägt. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.

Betreuung

Während meines gesamten Freiwilligendienstes fühlte ich mich von AFS Deutschland und AFS Kolumbien gut begleitet. Schon vor meiner Ausreise wurde ich durch eine Vorbereitungswoche und mehrere Online-Treffen gut auf das Jahr vorbereitet. Dort wurden organisatorische Themen wie das Visum besprochen, offene Fragen geklärt und ehemalige Freiwillige berichteten von ihren Erfahrungen. Das hat mir viel Sicherheit gegeben und die Vorfreude auf mein Auslandsjahr noch größer gemacht.

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Auch in Kolumbien war AFS während des gesamten Jahres präsent. Direkt nach meiner Ankunft nahm ich am On Arrival Camp teil, bei dem wir uns besser kennenlernen konnten und auf die kommenden Monate vorbereitet wurden. Im Laufe des Jahres folgten das Mid-Stay- und End-Stay-Seminar, bei denen wir unsere Erfahrungen reflektierten und uns mit anderen Freiwilligen austauschten. Zusätzlich organisierte unser AFS-Komitee in Bogotá etwa einmal im Monat gemeinsame Aktivitäten. Diese Treffen haben mir besonders gefallen, weil wir nicht nur Zeit miteinander verbrachten, sondern auch die kolumbianische Kultur noch besser kennenlernen konnten.

Jede*r Freiwillige hatte außerdem eine feste Ansprechperson im lokalen AFS-Komitee. Mit meiner Kontaktperson verstand ich mich von Anfang an sehr gut. Sie war bei Fragen oder kleineren Problemen jederzeit erreichbar und wir trafen uns sogar gelegentlich außerhalb offizieller Termine. Dadurch hatte ich immer das Gefühl, vor Ort jemanden zu haben, an den ich mich wenden konnte.

Die größte Herausforderung war für mich der Wechsel meines ersten Projekts. Nach einigen Wochen merkte ich, dass ich mich dort langfristig nicht wohlfühlte und sprach das Thema bei AFS an. Anfangs zog sich der Prozess etwas länger hin, als ich erwartet hatte, und ich hatte das Gefühl, dass meine Situation zunächst nicht ganz ernst genommen wurde. Erst nachdem ich mehrfach nachgefragt und meine Gründe ausführlicher erklärt hatte, wurde gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Ab diesem Zeitpunkt ging alles überraschend schnell und ich konnte in mein neues Projekt wechseln, in dem ich mich vom ersten Tag an deutlich wohler fühlte.Während dieser Zeit waren sowohl meine Gastfamilie als auch meine Ansprechpartnerin bei AFS eine große Unterstützung. Vor allem meine Gastmutter hat mich immer darin bestärkt, offen über meine Probleme zu sprechen und für mein Wohlbefinden einzustehen. Insgesamt haben sich meine Erwartungen an AFS erfüllt. Mir war wichtig, im Notfall Ansprechpartner zu haben und mich nicht allein gelassen zu fühlen – genau dieses Gefühl hatte ich während meines gesamten Freiwilligendienstes. Auch wenn der Projektwechsel etwas Geduld erforderte, wurde am Ende gemeinsam eine gute Lösung gefunden. Rückblickend bin ich deshalb sehr dankbar für die Betreuung und Unterstützung, die ich während meines Jahres in Kolumbien erfahren durfte.

Sprache und Kommunikation

Die Sprache war zu Beginn meines Freiwilligendienstes eine der größten Herausforderungen. Obwohl ich drei Jahre Spanisch in der Schule gelernt hatte, merkte ich schon in den ersten Tagen, dass der Unterricht mich nur bedingt auf den Alltag vorbereitet hatte. Ich konnte mich zwar verständigen, hatte aber große Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen oder spontan zu antworten. Außerdem unterschied sich das kolumbianische Spanisch von dem, was ich aus der Schule kannte. Gerade am Anfang war das manchmal frustrierend. Oft verstand ich den Zusammenhang eines Gesprächs, wusste aber nicht, wie ich selbst antworten sollte. Vor allem wenn mehrere Menschen gleichzeitig sprachen, fühlte ich mich schnell überfordert.

Eine große Unterstützung war meine Gastfamilie. Mit meiner Gastschwester sprach ich überwiegend Englisch, während ich mich mit meinen Gasteltern ausschließlich auf Spanisch unterhielt. Besonders meine Gastmutter nahm sich viel Zeit für mich. Gemeinsam übten wir in den ersten Wochen typische Alltagsvokabeln und einfache
Gespräche. Rückblickend hat mir das den Einstieg sehr erleichtert.

Auch bei der Arbeit sprach ich ausschließlich Spanisch. Anfangs fiel mir das nicht leicht, doch meine Kolleginnen, die Frauen im ersten Projekt und später auch die
Kinder begegneten mir mit viel Geduld. Wenn mir ein Wort fehlte oder ich einen Satz falsch formulierte, halfen sie mir weiter. Dass ich über meine eigenen Fehler lachen konnte, hat vieles einfacher gemacht. Dennoch gab es Situationen, in denen die Kommunikation schwierig blieb. Ich bat oft darum, dass die Leute langsamer sprachen oder etwas zu wiederholen. Viele bemühten sich darum, vergaßen es aber nach kurzer Zeit wieder. Das war manchmal anstrengend, trotzdem fühlte ich mich immer respektvoll behandelt.

Landschaft in Kolumbien.

Vor meiner Ausreise war ich überzeugt, nach drei Monaten fließend Spanisch zu sprechen. Rückblickend war diese Erwartung etwas zu optimistisch. Lange hatte ich
sogar das Gefühl, kaum Fortschritte zu machen. Erst mit etwas Abstand wurde mir bewusst, wie sehr ich mich tatsächlich entwickelt hatte. Auch meine Gastfamilie, meine Kolleginnen und meine Ansprechpartnerin bei AFS bestätigten mir immer wieder, wie viel sicherer und flüssiger ich inzwischen sprach.

Gegen Ende meines Freiwilligendienstes konnte ich meinen Alltag komplett auf Spanisch meistern. Ich führte Gespräche mit meiner Gastfamilie und meinen Kolleginnen, erklärte den Kindern Spiele oder Unterrichtsinhalte und konnte mich auch über persönlichere Themen unterhalten. Natürlich fehlten mir manchmal noch einzelne
Wörter, das gehörte für mich aber einfach zum Sprachenlernen dazu.

Rückblickend bin ich auf meine sprachliche Entwicklung sehr stolz. Sie hat mir gezeigt, dass Fortschritte oft langsamer kommen, als man es sich wünscht, sich Geduld und Ausdauer am Ende aber auszahlen. Vor allem habe ich gelernt, dass gute Kommunikation nicht von perfekter Grammatik abhängt, sondern von Offenheit,
gegenseitigem Verständnis und dem Mut, einfach zu sprechen.

Globales Lernen und Entwicklungspolitik

Vor meinem Freiwilligendienst habe ich Entwicklung vor allem mit wirtschaftlichem Wachstum oder Infrastruktur verbunden. Heute verstehe ich den Begriff viel umfassender. Während meines Jahres in Kolumbien habe ich gelernt, dass Entwicklung genauso Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe bedeutet. Erst wenn Menschen Zugang zu diesen Grundlagen haben, können sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten.

Berge in Kolumbien.

Vor allem meine Arbeit in den beiden Projekten hat mir gezeigt, wie eng diese Bereiche zusammenhängen. Im ersten Projekt arbeitete ich mit Frauen, die Gewalt erlebt hatten oder sich in schwierigen Lebenssituationen befanden. Dort wurde mir bewusst, dass Armut viel komplexer ist, als ich früher dachte. Sie hat oft strukturelle Ursachen und hängt eng mit fehlender Bildung, mangelnder sozialer Absicherung oder ungleichen Chancen zusammen. Gleichzeitig hat mich beeindruckt, mit wie viel Stärke und Optimismus viele der Frauen ihren Alltag gemeistert haben.

Auch die Arbeit mit den Kindern hat mich nachhaltig geprägt. Viele von ihnen lebten unter schwierigen Bedingungen, begegneten ihrem Alltag aber mit einer unglaublichen Offenheit und Lebensfreude. Mir wurde bewusst, wie wichtig Einrichtungen wie die beiden Fundacións sind. Sie bieten den Kindern nicht nur Betreuung, sondern auch einen sicheren Ort zum Lernen, Spielen und einfach Kindsein.

Durch mein Jahr in Kolumbien habe ich außerdem viele Dinge in Deutschland mit anderen Augen gesehen. Ein gutes Bildungssystem, medizinische Versorgung oder
soziale Absicherung waren für mich lange selbstverständlich. Erst durch den Vergleich wurde mir bewusst, welches Privileg diese Strukturen sind. Gleichzeitig habe ich
gelernt, Deutschland nicht zu idealisieren – jedes Land hat seine eigenen Herausforderungen.

Mein Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit hat sich ebenfalls verändert. Heute verbinde ich damit keine „Hilfe von oben“ mehr, sondern einen Austausch auf
Augenhöhe. Ich hatte nie das Gefühl, nach Kolumbien gekommen zu sein, um Probleme zu lösen und die Welt zu retten. Stattdessen habe ich mindestens genauso viel von den Menschen dort gelernt, wie ich selbst weitergeben konnte. Besonders die Arbeit mit den Kindern hat mir gezeigt, dass oft schon kleine Gesten einen Unterschied machen können. Zeit schenken, zuhören oder einfach zuverlässig da sein war häufig wertvoller als jedes perfekt geplante Angebot.

Außerdem hat mich das Jahr gelehrt, vorsichtiger zu urteilen. Viele Situationen lassen sich von außen nicht verstehen, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Ich habe
gelernt, offener auf andere Lebensrealitäten zuzugehen und Menschen weniger vorschnell zu bewerten. Diese Offenheit möchte ich mir auch in Zukunft bewahren.

Nach meiner Rückkehr möchte ich meine Erfahrungen bewusst weitergeben. Mir ist wichtig, ein realistischeres Bild von Kolumbien zu vermitteln. Viele verbinden das Land noch immer vor allem mit Drogenkriminalität oder Gewalt. Ich habe jedoch ein Land voller Gastfreundschaft, kultureller Vielfalt und herzlicher Menschen kennengelernt. Genau diese Seite möchte ich Familie, Freunden und zukünftigen Freiwilligen näherbringen.

Palmen in Kolumbien.

Auch persönlich hat mich das Jahr nachhaltig verändert. Ich bin selbstständiger, geduldiger und offener geworden und gehe heute gelassener mit ungeplanten Situationen um. Gleichzeitig hat der Freiwilligendienst meinen Wunsch, Medizin zu studieren, noch einmal bestärkt. Mir wurde bewusst, wie eng Gesundheit, Bildung und soziale Lebensbedingungen miteinander verbunden sind und wie wichtig es ist, den Menschen immer als Ganzes zu betrachten.

Wenn ich heute auf die vergangenen elf Monate zurückblicke, nehme ich viel mehr mit als schöne Erinnerungen. Ich habe eine zweite Familie gefunden, echte Freundschaften geschlossen und vor allem eine neue Sicht auf die Welt gewonnen.

Mein Freiwilligendienst hat mir gezeigt, dass kultureller Austausch keine Einbahnstraße ist. Beide Seiten lernen voneinander – und genau das macht ein solches Jahr für mich so besonders.

Persönliches Fazit

Unterschiedliche Landschaften in Kolumbien.

Rückblickend war mein Freiwilligendienst eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Natürlich gab es auch schwierige Momente – ich hatte Heimweh, war oft krank und der Projektwechsel hat mich vor Herausforderungen gestellt. Genau diese Erfahrungen haben mich aber wachsen lassen und mir gezeigt, wie viel man über sich selbst lernen kann, wenn man seine Komfortzone verlässt.

Vor allem bin ich dankbar für die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Meine Gastfamilie, die Kinder und Lehrerinnen in meinem Projekt, die anderen Freiwilligen und viele weitere Menschen haben dafür gesorgt, dass Kolumbien für mich zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Ich nehme nicht nur unvergessliche Erinnerungen mit nach Deutschland, sondern auch eine neue Sicht auf viele Dinge, mehr Selbstständigkeit und die Gewissheit, dass dieses Jahr mich noch lange begleiten wird. Kolumbien wird für mich immer ein ganz besonderer Ort bleiben und ich hoffe sehr, eines Tages dorthin zurückkehren zu können.🧡

 

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